Die Nachricht hat vor Kurzem in Deutschland für Aufsehen gesorgt: Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat Polioviren in Abwasserproben gefunden, die aus Kläranlagen entnommen worden sind. Betroffen davon waren 7 Städte, darunter Köln, Bonn, Hamburg und München. Ähnliche Entdeckungen wurden in den vergangenen 3 Monaten in Barcelona (Spanien) und Warschau (Polen) gemacht. <BR /><BR /><embed id="dtext86-67731889_quote" /><BR /><BR />Und Grund zur Sorge besteht auch hierzulande, sagt die Kinderärztin Dr. Emanuela Pedevilla. „Bei den nachgewiesenen Erregern im Abwasser handelt es sich nicht um das natürliche Poliovirus“, weiß die Brixner Kinderärztin. Die Viren seien wahrscheinlich von Menschen aus Ländern eingeschleppt worden, in denen die Krankheit sehr verbreitet ist. „Um sie dort zu bekämpfen, wird eine Schluckimpfung eingesetzt“, erläutert die Expertin. Der Impfstoff enthält nichtpathogene (krankmachende) Viren, die mit dem Stuhl der geimpften Menschen ausgeschieden werden. <h3> Ungeimpfte sind besonders gefährdet</h3>„Dass man nun das Virus in Abwasserproben entdeckte, bedeutet, dass es sich modifiziert hat und in der Lage ist, Menschen zu infizieren.“ Das Virus zirkuliert und einzelne Erkrankungen sind unter nicht geimpften Menschen möglich. „In Deutschland wurden aber bisher noch keine Polio-Verdachtsfälle oder -Erkrankungen gemeldet“, erklärt Dr. Pedevilla.<BR /><BR />Laut der Kinderärztin ist es wichtig, regelmäßig Proben aus dem Abwasser zu entnehmen. Letzteres geschieht bereits: „Auf gesamtstaatlicher Ebene wird das Abwasser an bestimmten Punkten untersucht“, bestätigt Alberta Stenico, Leiterin des Biologischen Landeslabors. Hierzulande werden die Symptome beobachtet, sobald ein Verdacht bestehe, starte man in Südtirol mit dem Abwassermonitoring. <BR /><BR /><embed id="dtext86-67733613_quote" /><BR /><BR />„Auch gute Händehygiene kann die Ansteckung und Verbreitung von Polioviren reduzieren“, rät Dr. Pedevilla. Am besten vor einer Erkrankung schütze jedoch weiterhin die Impfung. „In Südtirol liegt die Durchimpfungsrate etwa bei 80 Prozent.“ Deshalb müsse man die Situation weiterhin beobachten, weil nicht alle Menschen einen Impfschutz haben. <BR /><BR />Die Impfstoffe sind laut Dr. Pedevilla aber sicher, Impfungen seien eine der wichtigsten Vorsorgemaßnahmen, um Kinder vor schweren Krankheitsverläufen zu schützen. <h3>Kinder unter 5 Jahren am meisten betroffen</h3>Poliomyelitis, auch Kinderlähmung genannt, ist eine hochansteckende Krankheit. Sie betrifft hauptsächlich Kinder unter 5 Jahren. Bei nicht ausreichend immunisierten Menschen kann sie im schlimmsten Fall zu dauerhaften Lähmungen führen. Die Impfung wird normalerweise im ersten Lebensjahr in mehreren Dosen verabreicht.