Montag, 04. April 2016

Waffen-Boom in den USA: Angst und Wut als Verkaufshelfer

Gewehre und Pistolen stehen in den USA traditionell hoch im Kurs, aber zuletzt boomte das Geschäft mit Handfeuerwaffen regelrecht. Terroranschläge wecken den Drang zur Selbstverteidigung, zudem kurbelt die Angst vor strengerer Regulierung die Nachfrage an. Davon profitieren US-Waffenschmieden wie Smith & Wesson oder Ruger, deren Aktienkurse an der Börse nach oben schießen.

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2015 verbuchte die Waffen-Industrie ein Rekordjahr. Das FBI meldete einen zehnprozentigen Anstieg der „NICS Background Checks“ genannten Überprüfungen, die vor Waffenkäufen durchgeführt werden. Insgesamt gab es 23,1 Millionen Anträge – das ist der höchste Wert seit Einführung des Prüfsystems 1998. Zum Jahresende kam es zu einem regelrechten Sturm auf die Geschäfte. Im Dezember gab es in der FBI-Datenbank mehr Einträge als je zuvor in einem Monat.

Die Statistik der Bundespolizei gilt als zuverlässiger Indikator für Waffenverkäufe an Privatpersonen. Experten nennen die Terroranschläge von Paris und San Bernardino als wichtigen Grund für die hohe Nachfrage. „Die Waffenverkäufe steigen nach solchen Ereignissen kurzfristig an“, sagt Politik-Professor Robert Spitzer von der State University New York in Cortland. Das sei bereits nach der Attacke auf das World Trade Center am 11. September 2001 zu beobachten gewesen.

Ein weiterer wichtiger Umsatztreiber sei die Aussicht auf striktere Regulierung, sagt Branchenkenner Spitzer. „Der Trend ist getrieben von der Angst vor neuen, strengeren Gesetzen.“ Neben dem Motiv, sich Waffen zu besorgen, bevor der Kauf möglicherweise erschwert werde, gebe es auch eine politische Motivation. „Leute kaufen Waffen, um ein Statement zu machen.“ Die Hersteller bezeichneten dieses Phänomen, das sich häufig im Wahlkampf ereigne, als „politische Verkäufe“.

apa/dpa

stol