Das Jugendgericht in L’Aquila hat seine Entscheidung über ihre Zukunft vertagt. Während der zweistündigen Anhörung wurden – auf Antrag der Anwälte der Eltern, Marco Femminella und Danila Solinas – neue Aspekte geprüft. <BR /><BR />Ziel ist die beantragte dringende Familienzusammenführung, über die das Gericht in den kommenden Tagen entscheiden wird. Beobachter schließen nicht aus, dass das Gericht den ursprünglichen Beschluss nach der Anhörung abändert oder ganz aufhebt. Im Berufungsantrag – für dessen Entscheidung die Kammer 60 Tage Zeit hat – verlangen die Anwälte die Wiedervereinigung der Familie. Nach ihrer Auffassung seien die Voraussetzungen für die Aussetzung des elterlichen Sorgerechts nicht mehr gegeben. Zur Wohnsituation wurden inzwischen Unterlagen zu geplanten Sanitäranlagen und baulichen Erweiterungen vorgelegt, die auf dem Bauernhof der Familie in Palmoli vorgesehen sind. <BR /><BR />Zudem stehe mit einem von der Gastronomenfamilie Carusi in Ortona bereitgestellten Ersatzquartier sofort eine sichere Unterkunft zur Verfügung. Auch der Verdacht der Schulvernachlässigung werde durch Nachweise über gesetzeskonformen häuslichen Unterricht entkräftet. Die Verteidigung weist außerdem die Vorwürfe sozialer Isolation und einer schädlichen medialen Exposition zurück: Die Kinder hätten regelmäßigen Kontakt zu Gleichaltrigen und Erwachsenen, führten zwar ein anderes Leben als Stadtkinder, aber keineswegs ein abgeschottetes. Die öffentlichen Auftritte seien ein Versuch der Eltern gewesen, den Alltag einer glücklichen Familie zu zeigen – nicht eine Form problematischer Selbstdarstellung.