Donnerstag, 26. Juli 2018

Waldbrände in Griechenland: die Geschichten

Eine Mutter verliert bei den verheerenden Walbränden nahe Athen ihren Mann und ihre beiden Kinder - ein Arzt stürzt sich in die Flammen und rettet seine Familie: Die bewegenden Erzählungen der Überlebenden.

Bei den Waldbränden kamen Grigoris Fytros und seine beiden Kinder Evita und Andreas ums Leben. - Foto: Facebook
Bei den Waldbränden kamen Grigoris Fytros und seine beiden Kinder Evita und Andreas ums Leben. - Foto: Facebook

Ein Brief, der das ganze Land bewegt

Hinten das Feuer - vorne die Leere. Das tragische Ende von Evita Fytros (14) ist in wenigen Sätzen erzählt. Wie die Tageszeitung „Corriere della sera“ berichtet, haben Augenzeugen am Strand Kokkino Limanaki, südlich von Mati, das Horrorszenario miterlebt: „Wir hörten die Schreie eines Mädchens. Es brannte. Dann haben wir es von den Klippen springen sehen. Diese waren mindestens 15 Meter hoch“.

Evita war sportlich, eine aufstrebende Athletin im Radsport. „Sie war eine Kämpferin. Und ich werde jetzt versuchen dem Beispiel meiner Tochter zu folgen“, schrieb die Mutter des Mädchens in einem Brief, der am Dienstag ganz Griechenland bewegt hat. Ein Freund der Familie hatte die Zeilen im Fernsehen vorgelesen.

Denn im Flammeninferno von Mati hat die Frau nicht nur ihre Tochter sondern auch ihren Mann Grigoris (54), einen ehemaligen Profi-Radrennfahrer und ihren Sohn Andreas (11) verloren. Sie waren verkohlt in ihrem Auto aufgefunden worden.

Foto: Facebook

„Ich weiß, dass mein Mann Grigoris alles Menschenmögliche versucht hat, um unsere Kinder zu retten. Und wenn er es nicht geschafft hat, war es der Wille Gottes“.

Sie erinnert sich an das letzte Telefonat mit ihrem Sohn: „Ich höre noch immer die zitternde Stimme von Andreas: 'Ich habe Angst, Mama, ich mach mir große Sorgen, aber ich werde stark sein. Komm bitte nicht hierher. Ich will nicht, dass du herkommst, hier ist alles blockiert, du wirst es nicht schaffen'“.

Sie hat natürlich nicht auf ihn gehört. „Ich habe versucht sie zu erreichen. 4 Stunden lang habe ich versucht zu ihnen durchzudringen.“
„Mir fehlen die Worte. Wenn ich die Körper meiner Kinder identifiziert habe, kann ich mit Sicherheit sagen, dass ich alles verloren habe. Umarmt eure Kinder jeden Tag“.

Das tragische Schicksal der Familie Fytros hat in ganz Athen Betroffenheit ausgelöst.

Ein SMS rettet eine ganze Familie

„Papa, ich ersticke“. Ein SMS, das stärker ist als die Angst, das dachte sich Ioannis Kalogirou. Der Sohn des Gynäkologen war in den Flammen von Mati eingesperrt. „Bleib stehen“, sagte einer der Feuerwehrmänner zu ihm. Aber der Arzt hörte nicht auf ihn und beschleunigte den Gang, denn „mit einem toten Sohn hätte das Leben keinen Sinn mehr“, erklärte er am Abend auf Facebook.

Im Hotel Cabo Verde, das zu dem Zeitpunkt schon komplett verraucht war, befanden sich auch die Schwägerin des Arztes und ihr Neugeborenes. „Als ich dort eintraf, hab ich meine Lieben in schrecklichen Konditionen aufgefunden. Ich hab sie sofort rausgebracht und ins Auto gesetzt. Dann sind wir los, wieder durch die Flammen und raus aus dem Dorf. Zum Glück haben die Reifen nicht Feuer gefangen. So habe wir uns gerettet“. In den sozialen Netzwerken wird er als Held bezeichnet, er sieht das anders: „Ja, ich weiß, in die Flammen zu stürmen war eine Dummheit. Aber ich hab‘s geschafft“.

Das letzte Video von Panayotis: „Es braucht ein Wunder“

„Wenn nicht ein Wunder geschieht, werden durch das Feuer viele Menschen sterben“. Gegen 18 Uhr beobachtet Panayotis Kokkinidis die Flammen, die noch weit von seinem Haus in Mati entfernt sind. Er ist gerade mit seiner Mutter, seiner Ehefrau Anni und ihren beiden Kindern in Urlaub. Noch ahnt er nicht, dass sie alle seiner schlimmen Vorahnung zum Opfer fallen würden.

Genau eine halbe Stunde vorher hatte der junge Konditor ein langes Video gepostet, in dem man sieht, wie die Flammen immer näher kommen. Der Ton ist aufgrund des starken Windes nur sehr schlecht. Später werden die Meteorologen von Windstößen berichten, die eine Geschwindigkeit von 120 km/h erreichten.

Die Flammen wurden auch Panayotis und seiner Familie zum Verhängnis.

stol/lcm

stol