<b>Herr Flader, wo haben Ihre Inspektoren im Jahr 2023 Kontrollen durchgeführt?</b><BR />Sieghart Flader : Rund 60 Prozent der Kontrollen fallen auf Baustellen. Die anderen 40 Prozent führen wir im Betriebsinneren durch, unter anderem kontrollieren wir Gastwirtschaften, Handelsbetriebe und Industrien. <BR /><BR /><b>Wie werden diese Betriebe ausgesucht? Gibt's ein Muster?</b><BR />Flader: Wir haben ein Betriebskataster und versuchen dann, etwas systematisch vorzugehen, damit wir in allen Ortschaften Südtirols mehr oder weniger gleich viel kontrollieren. Es spielen aber auch das Zufallsprinzip und das Auffälligkeitsprinzip eine Rolle. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="986215_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><b>Auffälligkeitsprinzip?</b><BR />Flader: Dort, wo die Nachbarn klagen, wo Lärm verursacht wird oder wo „ein blauer Rauch aufgeht“, wie man so schön sagt, gehen wir vorzüglich hin. Wir arbeiten auch eng mit den Behörden vor Ort zusammen.<BR /><BR /><b>Kündigen Sie Kontrollen an?</b><BR />Flader: Das wäre zu viel des Guten, denn dann hätten wir am Tag der Kontrolle alles picobello: Alles frisch geputzt und die Schwarzarbeiter heim geschickt. Wir machen deswegen unangekündigte Betriebskontrollen.<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-63065821_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Was ist das Erste, was bei einer Inspektion kontrolliert wird?</b><BR />Flader: Mit unseren Datenbanken können wir uns auf die Inspektion vorbereiten, damit wir wissen, was wir vorfinden werden. Zum Beispiel wie viele Angestellte es in der Firma gibt oder wie groß die Baustellen sind. Beim Eintreffen schauen wir uns die Baustelle oder den Betrieb von Außen an und achten da schon auf Sicherheitsmängel. Danach gehen wir hinein und stellen uns vor. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="986218_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><b>Wie reagieren die Verantwortlichen? Sind sie nervös?</b><BR />Flader: Nein. Wir haben eine durchwachsene Unternehmerschaft: Einige strengen sich überdurchschnittlich an, um in Ordnung zu sein. Anderen entgeht das ein oder andere. Und dann gibt's die Schlaumeier, die absichtlich gegen Vorschriften verstoßen, um am Markt billiger bestehen zu können. <BR /><BR /><b>Wie geht es mit der Kontrolle weiter?</b><BR />Flader: Die Schnelligkeit des Inspektors beim Erblicken von Unregelmäßigkeiten ist entscheidend. Auch, wenn zum Beispiel Schwarzarbeiter den Betrieb an der Hintertür verlassen. Das hat jeder Inspektor schon öfters miterlebt. Deswegen sind die Inspektoren bei Kontrollen meistens zu zweit. Sie sind gut vorbereitet und haben Schwerpunkte, die sie abchecken.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="986221_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><b>Wie viele Betriebe sind nicht in Ordnung?</b><BR />Flader: Ich möchte den Betrieben kein schlechtes Zeugnis ausstellen. Die Inspektoren gehen dort hin, wo sie Unregelmäßigkeiten vermuten. Sie werden deswegen ziemlich oft fündig. Bei den Betrieben, die in Ordnung sind, zumindest vom Äußeren her, gehen wir erst gar nicht hin. <BR /><BR /><b>Ab wann ist ein Betrieb vom Äußeren her nicht in Ordnung?</b><BR />Flader: Es gibt viele Anzeichen. Zum Beispiel Anzeigen von Nachbarn oder wenn Arbeitnehmer nicht bezahlt werden. Aber auch Rückstände bei den Sozialabgaben könnten ein Indiz sein.<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-63065828_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Wie hoch sind die Strafen?</b><BR />Flader: Das kommt darauf an. Beim sozialen Arbeitsschutz, wie zum Beispiel bei Schwarzarbeit oder Missachtung der Arbeitszeiten, sind die Sanktionen viel höher als beim technischen Arbeitsschutz. Aber auch wenn die Beträge bei Missachtung des Arbeitsschutzes nicht hoch sind, kann man mehrmals hintereinander bestraft werden. Für die Monate nach der Strafe gibt es keinen Heiligenschein.<BR /><BR /><b>Drücken Sie manchmal auch ein Auge zu?</b><BR />Flader: Wenn sich Unternehmer bei mir rechtfertigen wollen, höre ich sie mir an. Meistens kommen sie aber mit Ausreden, und die Entscheidung gegen Vorschriften zu verstoßen, wurde bewusst getroffen.