<BR /><BR /><b>Das Bundesland Tirol hat am 8. August seinen Energiewendetag begangen. Wie viele Tage kann sich Südtirol rechnerisch mit erneuerbarer Energie selbst versorgen? </b><BR />Peter Brunner: Im Jahr 2024 konnte Südtirol seinen Energiebedarf rein rechnerisch für rund 250 Tage mit erneuerbarer Energie decken (Anm. d. Red. heuer wäre das Anfang September). Grundlage dieser Berechnung sind die offiziellen Daten des staatlichen Energiedienstleisters GSE (Gestore Servizi Energetici). Aktuelle Zahlen liegen noch nicht vor.<BR /><BR /><b>Wie sieht es im Vergleich zu Tirol und zum europäischen Durchschnitt beim Ausbau erneuerbarer Energien aus? </b><BR />Brunner: Südtirol steht hier sehr gut da. Der Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Energieverbrauch lag 2024 bei 68,5 Prozent. In Tirol waren es 60,4 Prozent, auf EU-Ebene 25,2 Prozent.<BR />Diese Zahlen zeigen, dass Südtirol bereits heute zu den Gebieten mit einem sehr hohen Anteil erneuerbarer Energien gehört. Unser Anspruch muss aber sein, diesen Vorsprung nicht nur zu halten, sondern auszubauen.<BR /><BR /><b>Gibt es ein Zieljahr für die Energieautonomie? </b><BR />Brunner: Mit dem Klimaplan Südtirol 2040 haben wir einen klaren politischen und strategischen Rahmen. Der Anteil erneuerbarer Energien soll am Gesamtverbrauch auf 75 Prozent bis 2030, 85 Prozent bis 2037 und 100 Prozent bis 2040 steigen.<BR /><BR /><b>Welche erneuerbaren Energiequellen sind am wichtigsten?</b><BR />Brunner: Die mit Abstand wichtigste ist die Wasserkraft. Im Jahr 2024 entfielen rund 66,9 Prozent der erneuerbaren Energieproduktion darauf. Danach folgen Biomasse mit 25,8 Prozent, Wärmepumpen mit 3,5 Prozent und Photovoltaik mit 3 Prozent.<BR /><BR /><b>Wie sieht es im Fernwärmesektor aus?</b><BR />Brunner: Gerade dort liegt ein großes Potenzial für die Energiewende. Südtirol setzt bereits seit Jahrzehnten auf den Ausbau der Fernwärme. Mittlerweile sind fast 23.000 Gebäude an Fernwärmenetze angeschlossen. Zusätzlich haben wir mit der Drei-Jahres-Offensive 2025–2027 einen starken Schwerpunkt auf Wärmepumpen gesetzt. Wir schaffen mit Förderungen einen konkreten Anreiz, auf erneuerbare Lösungen umzusteigen. Das ist sowohl für den Klimaschutz als auch für die langfristige Energieversorgung Südtirols wichtig.<BR /><BR /><b>Welche Hindernisse bremsen die Energiewende in Südtirol derzeit am stärksten?</b><BR />Brunner: Die größte Herausforderung bleibt nach wie vor der Verkehr, der für 35 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs in Südtirol verantwortlich zeichnet. Im Stromsektor ist die Situation sehr gut, da die Produktion seit Jahrzehnten größer als der Verbrauch ist. Im Wärmesektor sind erneuerbare Alternativen zu den fossilen Brennstoffen verfügbar, die nun sukzessive umgestellt werden müssen.<BR /><BR /><b>Welche Maßnahmen sind geplant, um die Energieautonomie voranzutreiben?</b><BR />Brunner: Mit dem Klimaplan 2040 hat Südtirol einen klaren Rahmen für die nächsten Jahre geschaffen. Viele Maßnahmen sind bereits umgesetzt oder befinden sich derzeit in Umsetzung. Der Fokus liegt unter anderem auf gezielten Förderungen für den Umstieg auf Wärmepumpen, dem weiteren Ausbau der Fernwärmenetze sowie auf Maßnahmen, die den Wechsel zur E-Mobilität erleichtern. Gemeinsam verfolgen diese Schritte das Ziel, den verbleibenden Bedarf an fossilen Energieimporten schrittweise zu verringern. Das jährliche Monitoring zum Klimaplan zeigt dabei transparent auf, welche Fortschritte erzielt werden. <BR /><BR /><b>Welche weiteren Schritte sind dabei notwendig?</b><BR />Brunner: Entscheidend ist außerdem, Bevölkerung und Gemeinden aktiv einzubinden: Erneuerbare Energieprojekte sollen verstärkt in Energiegemeinschaften und kommunale Konzepte eingebettet werden. Als Landesregierung setzen wir damit auf eine Kombination aus Förderpolitik, gesetzlichen Maßnahmen, Infrastrukturinvestitionen und Dialogprozessen, um die Energieautonomie Südtirols Schritt für Schritt weiter voranzubringen. Zukünftig wird auch die kommunale Wärme- und Kälteplanung ein wichtiges Instrument zur Dekarbonisierung darstellen.<h3> Bundesland Tirol: Energiewendetag </h3> Rechnerisch konnte sich Tirol heuer an 220 von 365 Tagen im Jahr vollständig mit heimischer erneuerbarer Energie versorgen. Der Energiewendetag markiert jenen Kalendertag, bis zu dem Tirol nach EU-Systematik rechnerisch den jährlichen Gesamtenergiebedarf – also etwa Energie für Strom in Haushalten, Mobilität oder auch Produktion – ausschließlich aus erneuerbaren Energiequellen decken kann. <BR /><BR />Für Tirol fiel dieser Tag heuer auf den 8. August – so spät wie nie zuvor. Im vergangenen Jahr fiel er in Tirol auf den 31. Juli. Das Ziel bleibt klar: Bis 2050 soll Tirol an allen 365 Tagen des Jahres rechnerisch energieautonom sein.