Donnerstag, 26. März 2015

War es ein Amokflug? Co-Pilot führt Absturz bewusst herbei

Entsetzliche Erkenntnis: Der Copilot brachte die Germanwings-Maschine offensichtlich mit Vorsatz zum Absturz. Warum ist unklar. Passagiere ahnten erst wenige Sekunden vor dem Aufprall etwas.

Foto: © APA/EPA

Der Copilot der verunglückten Germanwings-Maschine hat den Airbus mit 150 Menschen an Bord offensichtlich mit Absicht in die Katastrophe gesteuert. „Es sieht so aus, als ob der Copilot das Flugzeug vorsätzlich zum Absturz gebracht und so zerstört hat“, sagte Staatsanwalt Brice Robin am Donnerstag in Marseille.

Der 27-Jährige sei zu dem Zeitpunkt allein im Cockpit gewesen, der eigentliche Pilot sei aus der Kabine ausgesperrt gewesen. Schreie von Passagieren seien auf dem Stimmenrekorder erst in den letzten Sekunden vor dem Aufprall zu hören. Sie seien offensichtlich bis dahin ahnungslos gewesen.

Motive komplett unklar

Hinweise auf einen Terrorakt gebe es nicht. Die Motive des 27-Jährigen aus dem rheinland-pfälzischen Montabaur sind unklar. Die Staatsanwälte erwägen nun Ermittlungen wegen eines Tötungsdeliktes.

Rettungskräfte bargen erste Opfer des Flugzeugabsturzes in den französischen Alpen. Vielerorts in Deutschland versammelten sich Menschen zu einer Schweigeminute für die 150 Insassen, von denen 72 Deutsche waren.

Pilot wollte auf Toilette – und verließ das Cockpit

Der Pilot hatte nach Erkenntnissen der Ermittler das Cockpit verlassen, um auf die Toilette zu gehen, und das Kommando seinem Kollegen übergeben. Als er zurück ans Steuer wollte, habe er die automatisch verriegelte Kabinentür nicht mehr öffnen können, schilderte der Staatsanwalt.

Die plausibelste Deutung gehe dahin, dass der Copilot vorsätzlich verhindert habe, dass die Tür geöffnet werde. Auf Ansprache des Towers habe der Mann nicht reagiert. Ein Notruf sei nicht abgesetzt worden.

Mann war nicht als Terrorist erfasst

Der Name des Copiloten wurde in einer Pressekonferenz mit Andreas L. angegeben. Laut Robin war er nicht als Terrorist erfasst. Bekannt war bereits, dass der Mann seit 2013 bei Germanwings beschäftigt war und aus Montabaur in der Nähe von Koblenz stammte.

Der Stimmenrekorder habe bis zuletzt schweres Atmen aus dem Cockpit aufgezeichnet, gesagt habe der Copilot nichts mehr, erklärte der Staatsanwalt. In den letzten Minuten, bevor der A320 mit 150 Menschen an Bord an einer Felswand zerschellt sei, hätten der ausgesperrte Kapitän und die Crew von außen gegen die Cockpit-Tür gehämmert. „Die Schreie der Passagiere hören wir erst in den letzten Sekunden auf dem Band“, sagten die Ermittler. In den ersten 20 Minuten nach dem Start haben sich Pilot und Copilot demnach ganz normal unterhalten.

Zweiter Flugschreiber noch nicht gefunden

Der zweite Flugschreiber sei noch nicht gefunden, sagte Robin. Zuvor hatte er die aus Düsseldorf und Barcelona angereisten Hinterbliebenen der Todesopfer informiert. Die Bergung und Identifizierung der Opfer könne mehrere Wochen dauern.

dpa

stol