Donnerstag, 15. Oktober 2020

Warnung des ASGB: Sanitätspersonal schafft keine Wiederholung des Frühjahrs

Noch stehen die Weihnachtsmärkte im Raum, in Meran findet bald das Weinfestival statt: Ein Verhalten, das Tony Tschenett, Vorsitzender des Autonomen Südtiroler Gewerkschaftsbundes (ASGB) als grob fahrlässig bezeichnet.

Der ASGB warnt: Eine zweite Welle wie im Frühjahr kann das Sanitätspersonal nicht mehr stemmen.
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Der ASGB warnt: Eine zweite Welle wie im Frühjahr kann das Sanitätspersonal nicht mehr stemmen. - Foto: © shutterstock
Es scheint, so sagt ASGB-Chef Tony Tschenett, als hätten die Entscheidungsträger nichts aus dem Frühjahr gelernt: „Während der ersten Covid-19 Welle stand das Südtiroler Gesundheitssystem am Rande des Kollaps. Angesichts der steigenden Neuinfektionen und des Umstandes, dass die Südtiroler Zivilschutzbehörde für die gesamte Provinz bereits den Zivilschutzstatus Alfa ausgerufen hat, ist es mir unerklärlich, dass die politisch Verantwortlichen die Durchführung von Veranstaltungen wie das Meran Weinfestival oder Weihnachtsmärkte – in welcher Form auch immer – erlauben.“

Es scheine, so Tschenett, als würden wirtschaftliche Partikularinteressen einiger Handelstreibender prioritär behandelt und die Gesundheit der Bürger sei zweitrangig.

„Fakt ist, dass das Personal im Südtiroler Sanitätsbetrieb im Frühjahr an der Grenze des Machbaren stand. Viele Bedienstete würden diesen Arbeitsaufwand körperlich und psychisch nicht mehr schaffen. Deshalb muss es vordergründig das Ziel der Politik sein, Infektionen so gering wie möglich zu halten und keine Risiken einzugehen, um die Gesundheitsversorgung der Bürger nicht zu gefährden.“

Tschenett wirft mehrere Fragen auf: Wie wolle man der restlichen Wirtschaft einen erneuten Lockdown erklären, falls sich weitere Herde wie in Sexten herausbilden? Wie wolle man von den Pflegern und Ärzten einen erhöhten Arbeitsaufwand erklären, wenn das Problem teilweise hausgemacht sei?

Wie wolle man den Arbeitern und Angestellten die erneute Überstellung in die Lohnausgleichskasse erklären – verbunden mit wahrscheinlich wieder monatelangem Warten auf den Lohnausgleich – weil man vor einigen Wenigen in die Knie gegangen ist? Wie erklärt man Erkrankten, dass ihre Behandlungen verschoben werden müssen, weil das öffentliche Gesundheitssystem am Kollabieren ist?

„Die Landesregierung soll sich schleunigst Antworten auf diese Fragen überlegen, denn wenn sie keinen Rückzieher bei der Genehmigung öffentlicher Veranstaltungen macht, wird sie bald mit diesen Fragen konfrontiert sein“, warnt Tschenett abschließend.

stol

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