<b>Von Christoph Höllrigl</b><BR /><BR />Die Nachwehen der Corona-Pandemie zeigen sich langsam aber sicher auch in der Veterinärmedizin. Wie internationale Studien zeigen, wächst die Impfskepsis seither nämlich auch, wenn es um Haustiere geht.<BR /><BR />Besonders eindrücklich zeigen das Daten einer Befragung der Boston University aus dem Jahr 2023*, laut der knapp 40 Prozent der US-amerikanischen Hundehalter glauben, Impfungen seien gefährlich. Über ein Drittel glaubt sogar, ihr Hund könne nach der Impfung autistisch werden. In den USA ist diese Impfskepsis nicht zuletzt deshalb problematisch, weil dort die Tollwut stärker verbreitet ist, die für Menschen gefährlich werden kann. Deshalb gilt in den meisten Bundesstaaten – im Gegensatz zu Deutschland, der Schweiz oder Italien – eine generelle Tollwut-Impfpflicht.<h3> Tollwut-Impfung auch hierzulande Pflicht, wenn …</h3>Eine Pflicht zur Tollwut-Impfung gibt es hierzulande nur in zwei speziellen Fällen: erstens, wenn das Tier in einem Tierheim lebt, und zweitens, wenn es mit ins Ausland genommen wird. „Wenn jemand also aus Südtirol mit Hund oder Katze nach Österreich oder Deutschland fährt, muss dieses Tier gegen Tollwut geimpft sein“, erklärt Dr. Franz Hintner, Tierarzt und Präsident der Tierärztekammer Südtirol.<BR /><BR />Reisen von Südtirolern ins europäische Ausland mit Haustieren – vor allem mit Hund – finden freilich häufig statt. Jedoch oft genug ohne die erforderliche Tollwutimpfung – denn, so Dr. Hintner, die Halter wüssten: „Durch den freien Personen- und Warenverkehr finden kaum Kontrollen statt.“<BR /><BR />Abgesehen von der Tollwut-Impfung gibt es tierspezifisch aber ei<?TrVer> ne Reihe empfohlener Impfungen für Haustiere: etwa bei Hunden Impfungen gegen Parvovirose, Leptospirose und Staupe oder bei Katzen gegen Katzenschnupfen, Felines Parvovirus und Leukose (FeLV).<BR /><BR /><h3> Tierarzt Dr. Franz Hintner: Die Impfmoral nimmt ab</h3>Und wie steht es nun um die Impfbereitschaft von Südtiroler Haustierhaltern? Dr. Hintner betont dazu: „Impfskeptiker übertragen ihre Meinung aus der Corona-Zeit natürlich auch auf das Tier. Statistisch ist das nicht erfassbar, kommt aber sicher zum Tragen. Die Impfmoral nimmt jedenfalls ab.“ Eine Rolle spiele dabei auch das Kostenargument: Von einer Impfung profitierten vor allem die Pharmalobby und der Tierarzt, so laute die Meinung vieler Tierhalter.<h3> Dabei stünde Schutz der Tiere im Mittelpunkt</h3>Der Aspekt des Tierschutzes werde laut Dr. Hintner bei einer derartigen Argumentation vergessen oder unterschätzt: „Wenn Tiere ohne die wichtigsten empfohlenen Impfungen entsprechend erkranken, können sie schwerwiegend betroffen sein bzw. im schlimmsten Fall zu Tode kommen.“ Eine Behandlung koste wiederum viel Geld, und selbst bei einer Heilung könnten bleibende Schäden das Tier begleiten. Es gehe also „um den Schutz des eigenen Tieres, darum, Leiden und Schmerz von ihm fernzuhalten – und um den Herdenschutz“, unterstreicht Dr. Hintner.<BR /><BR />Am Ende bleibt die Frage, ob Misstrauen und Sparsamkeit es wert sind, die Gesundheit der eigenen Tiere aufs Spiel zu setzen.