Die Zahl der Medikamente, die in der entsprechenden Liste des Gesundheitsministeriums mit Produktionsproblemen/Engpässen wegen erhöhter Nachfrage seit Anfang dieses Jahres eingetragen werden mussten, geht in die Hunderte. Die Gründe, sagt Apotheker Stephan Peer (Brixen und Lana), sind vielfältig – und tatsächlich eigentlich nicht neu. <BR /><BR />Doch derzeit kommt einfach Vieles zusammen: Die – zumindest für die Pharmaindustrie – wohl unerwartete Corona-Sommerwelle, Produktionsausfälle und Lieferengpässe bei Grundstoffen und Produkten insbesondere aus China bzw. in Folge anderer Hersteller, Medikamentenknappheit durch den erhöhten Bedarf in der Ukraine bis hin zu Problemen bei der Herstellung von Verpackungen. <h3> 2 Drittel der Wirkstoffe kommen aus Asien</h3>„Hier rächt sich die Globalisierung“, meint dazu Matteo Bonvicini (Bozen), Präsident der Apothekervereinigung. Denn gerade bei den Grundstoffen ist man extrem auf den Import aus China und Indien angewiesen, aber auch viele Antibiotika und andere wichtige Medikamente wie Narkosemittel werden aus Kostengründen dort hergestellt. <BR /><BR />Während im Jahr 2000 noch 59 Prozent der Wirkstoffe in Europa produziert wurden und 31 Prozent in Asien, hat sich das Verhältnis mittlerweile umgekehrt: Mittlerweile kommen 2 Drittel der Wirkstoffe aus Asien. Und dort gibt es wiederum lokale Produktionskonzentrationen: So werden sie etwa in China vornehmlich in 5 Provinzen produziert. Das macht Lieferketten in Krisen anfällig für Störungen.<h3> Nicht alle Apotheken können Medikamente selbst herstellen</h3>Trifft eine erhöhte Nachfrage etwa nach schmerz- und fiebersenkenden Mitteln wie Ibuprofen auf eine pandemie-gestörte Produktion, ist – salopp gesagt – der Ofen aus. <BR /><BR />„Wir Apotheker sind dann sehr gefragt, entweder wir suchen uns Alternativen von anderen Herstellern oder stellen die notwendigen Medikamente selbst im Labor her“, erklärt Stephan Peer. Aktuell sogar Arzneimittel mit Ibuprofen. „Doch nicht jede Apotheke ist darauf eingerichtet“, weiß Bonvicini. „Und laut Gesetz dürfen wir das auch nur für unsere Kunden herstellen, wir dürfen keine anderen Apotheken mit unseren Produkten beliefern“, präzisiert Peer.