Aktuell braucht Bernadette Grießmair ihre letzten Urlaubstage auf. Mit Ende August möchte sie „die Tür“ ihrer elfjährigen Direktionsarbeit schließen und neue Berufsperspektiven ausloten. Anfragen aus dem Ausland lägen vor, auch eine selbstständige Arbeit als Psychologin sei denkbar. „Die Aufträge, die ich bereits in der Vergangenheit an der Bildungsfakultät der Uni Bozen in Brixen innehatte, werde ich weiterführen“, sagt Grießmair.<BR /><BR />Sie hat im Sommer entschieden, ihre Direktionsstelle freizumachen: „Aus mehreren Gründen“. Mit ihr ist das ganze Direktionsteam – Andrea Überegger, Margit Prader und Karin Oberleiter – zurückgetreten.<BR /><BR />Laut Grießmair fehlte ihr zunehmend die Unterstützung und der Rückhalt, um ihre Funktion ausführen zu können. „Das Team ist mit mir mitgegangen, weil auch sie nicht vertreten, wie es momentan läuft“, sagt Grießmair.<BR /><BR />Unstimmigkeiten mit den Gemeinden, mit Eltern und pädagogischen Fachkräften, wie kolportiert, sind laut Grießmair kein Thema: „Dann hätte ich die vergangenen elf Jahre oft gehen müssen“. Es sei Aufgabe der Direktorin , darauf zu achten, dass es für Eltern und Kinder sowie Mitarbeitende passe, die Zusammenarbeit mit den Gemeinden laufe. Dass mit einigen die Zusammenarbeit besser gelinge, liege bei 220 Mitarbeitenden und 1600 Kindern bzw. Elternpaaren in der Natur der Dinge.<h3> „Es gibt auf systemischer Ebene zunehmend Schwierigkeiten und viele Fragen“</h3>„Es gibt auf systemischer Ebene zunehmend Schwierigkeiten und viele Fragen“, findet Grießmair. „Wenn ich etwas verantworten soll, vor Ort – und ich hafte letztendlich fast mit meinem Privatvermögen – dann muss ich die Entscheidung so treffen können, wie ich es für richtig halte“. Wenn nicht, sei es Zeit, zu gehen.<BR /><BR />Als Beispiel nennt Grießmair eine strafrechtliche Anzeige im Bereich Arbeitsschutz (eine Mitarbeiterin hatte sich im Dienst verletzt) mit einem 2,5 Jahre dauernden Verfahren. „Ich habe weder eine anwaltliche noch moralische Unterstützung von oben erhalten“, sagt Grießmair und verweist auch auf persönliche Konsequenzen. So habe sie in der Zeit keinen Reisepass machen dürfen.<BR /><BR />Auch wenn dieser Fall glimpflich ausgegangen ist, hätte sie sich mehr Rückhalt gewünscht. Und: „Es kann alle Tage etwas passieren“. Deshalb sei es wichtig, dass die Personen vor Ort das Vertrauen bekommen, die Situationen entsprechend einzuschätzen. „Austausch und Rücksprache sind in Ordnung, aber nicht Bevormundung“, sagt Grießmair.<h3> „Landesweit bräuchte es Einheitlichkeit durch verlässliche Qualitätsstandards“</h3>Auch die pädagogische Arbeit, die auf neuesten didaktischen Erkenntnissen und Qualitätsregeln beruhen muss, darf laut Grießmair nicht wegen zwei, drei kritischen Rückmeldungen in Frage gestellt werden. „Landesweit bräuchte es Einheitlichkeit durch verlässliche Qualitätsstandards, die Richtung muss klar sein. Vor Ort kann und muss es aber immer Spielraum für individuelle Situationen geben, bezogen auf Stadt-Land oder Größe der Kindergärten“, findet Grießmair. Sonst fehle die Orientierung, der rote Faden, um dem gesellschaftlichen Auftrag nachzukommen.<BR /><BR />Im öffentlichen Dienst gibt es die Möglichkeit, ein Jahr unbezahlten Wartestand für eine Umorientierung mit Option zur Rückkehr zu nehmen. Grießmair will dieses Jahr dafür nutzen, eine Rückkehr schließt sie aber bereits jetzt aus.