Dass es wichtig ist, sich gerade bei der Visite im Krankenhaus in der eigenen Muttersprache mit dem Arzt verständigen zu können, ist nicht von der Hand zu weisen. Dutzende von Ärzten, die im Sanitätsbetrieb arbeiten, sind allerdings – zumindest auf dem Papier – nur einsprachig.<BR /><BR /> Folglich sind diese Ärzte auch nur provisorisch angestellt. Für eine Fixanstellung ist nämlich der Zweisprachigkeitsnachweis C1 (ehemaliger Nachweis A, Anm.d.Red.) vorgeschrieben. <BR /><BR />5 Jahre haben Ärzte laut Südtiroler Regelung Zeit, diesen Nachweis zu erbringen. Genau diese Regelung könnte nun aber zu Problemen führen, sieht das Staatsgesetz doch vor, dass Ärzte nur maximal 3 Jahre provisorisch angestellt werden dürfen. <h3> Nach 3 Jahren muss Schluss sein</h3>Ein Mediziner, der nicht die vorgeschriebene Zweisprachigkeit nachweisen konnte und dessen Vertrag somit nur Jahr für Jahr erneuert wurde, hatte kürzlich in einem Gerichtsverfahren auf dieses Gesetz verwiesen – und Recht erhalten. Das Gericht folgte der Argumentation der Verteidigung und kam zum Schluss, dass nach 3 Jahren mit dem Provisorium Schluss sein müsse. Dem Arzt wurde eine Nachzahlung entgangener Vor- und Fürsorgebeiträge zugesprochen, die der Sanitätsbetrieb nun bezahlen muss.<BR /><BR />„Als Gewerkschaft nehmen wir das einmal mehr staunend zur Kenntnis“, reagiert Spitalsärztegewerkschafter Dr. Ivano Simioni (BSK/VSK). „Wir würden uns vom Gesundheitsressort wünschen, dass endlich einmal eine Baustelle geschlossen würde, statt dass sich immer neue auftun.“<BR /><BR /><embed id="dtext86-62656607_quote" /><BR /><BR /> Bei der Gewerkschaft fürchtet man nach dem Urteil, dass zahlreiche einsprachige Ärzte nach Auslauf ihres Vertrages den Südtiroler Sanitätsbetrieb verlassen könnten. „Auch weil wohl kaum ein Verantwortlicher aus der Verwaltung über die 3 Jahre hinaus einen provisorischen Ärztevertrag unterschreiben wird, wenn er riskiert, danach vom Rechnungshof zur Kasse gebeten zu werden“, so Simioni.<BR /><BR />Geht es nach den Gewerkschaften, liege es an der Politik, dieses Problem zu lösen. In vielen Fachbereichen sei die Sprache weit weniger ein Problem als das Fehlen von Ärzten. Die allermeisten würden es trotz aller Bemühungen innerhalb von 36 Monaten nicht schaffen, den nötigen C1-Sprachnachweis zu erbringen. <BR /><BR />Geht es nach Dr. Simioni, müsste man in Südtirol überlegen, über den eigenen Schatten zu springen und wie bei den Pflegern für eine Anstellung auch den Nachweis B2 zulassen. „Denn lieber einen Arzt, der vielleicht nicht perfekt deutsch oder italienisch spricht, als gar keinen“, sagt er.<BR />