Jeder Klage von Patientinnen und Patienten werde schon jetzt einzeln nachgegangen, unterstreicht der Klinik-Verwaltungschef. Er erklärt auch, warum die Privaten – im Unterschied zum Sanitätsbetrieb – fast keine Personalprobleme haben. <BR /><BR /><b>Herr Dr. Waldner, der Sanitätsbetrieb hat angekündigt, <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/wem-der-sanitaetsbetrieb-heimlich-die-kontrolleure-ins-haus-schickt" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Detektive zur Kontrolle in die konventionierten Einrichtungen zu schicken</a>...</b><BR />Dr. Rupert Waldner: Eines möchte ich vorausschicken: Wir wollen der Südtiroler Bevölkerung als Partner des öffentlichen Gesundheitsbetriebes in der ökonomisch fairsten Zusammenstellung die bestmögliche Gesundheitsversorgung anbieten und für ein funktionierendes Sanitätssystem sorgen. Das Wort Detektiv klingt aber grad so, als ob es da um etwas Kriminelles gehen würde. Wir begrüßen es durchaus, dass in unseren Einrichtungen Kontrollen durchgeführt werden und die Qualität unserer Leistungen erhoben wird. <BR /><BR /><b>Ist das bisher nicht passiert?</b><BR />Dr. Waldner: Wir hatten bis zum Mai Mitarbeiter der NUVAS (betriebsweite Arbeitsgruppe zur Überprüfung der medizinischen Versorgung und Angemessenheit, Anm. d. Red.) im Haus. Diese haben alle Karteikarten bis Oktober vergangenen Jahres kontrolliert. Seither wurde bei uns nicht mehr kontrolliert. Warum, weiß ich nicht.<BR /><BR /><embed id="dtext86-57480126_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Und wie sieht es mit der Qualität der in den privaten Einrichtungen angebotenen Diensten aus?</b><BR />Dr. Waldner: Damit eine private Gesundheitseinrichtung überhaupt für eine Konvention mit dem Sanitätsbetrieb in Frage kommt, müssen erst harte Akkreditierungsrichtlinien erfüllt werden, zweifelsohne die umfangreichsten in ganz Italien. Für eine Akkreditierung sind hierzulande die Schrauben schon ordentlich angezogen.<BR /><BR /><b>Dennoch soll auch die Qualität der in den Privatkliniken erbrachten Leistungen kontrolliert werden.</b><BR />Dr. Waldner: Das kann ich nur befürworten. Wir selbst sind seit 2004 mit allen nur vorstellbaren ISO-Normen ausgestattet. Zudem befragen wir sowohl Personal als auch Patienten und deren Angehörige. Damit haben wir alles im Blick. Allerdings sollten Qualitätskontrollen durch einen unabhängigen Dritten durchgeführt werden und nicht von Mitarbeitern, die vom Sanitätsbetrieb bezahlt werden. Nur dann hat man auch eine objektive und neutrale Bewertung. Wenn man wieder die eigenen Leute für die Kontrollen schickt, dann hinkt das Ganze halt wieder.<BR /><BR /><b>Trotz bisheriger Kontrollen und hoher Qualitätsstandards scheinen sich die Klagen, nicht über Ihre Klinik, sondern generell, zu häufen.</b><BR />Dr. Waldner: Jeder Klage von einzelnen Patienten wird schon jetzt nachgegangen. Und wenn bei 2000 Aufnahmen pro Jahr sich 10 Patienten beklagen, dass etwas nicht gepasst hat, ist das doch eine verschwindend kleine Anzahl. Genauso verhält es sich mit dem Vorwurf, in privaten Einrichtungen würden Operationen durchgeführt, die es möglicherweise gar nicht brauche. Laut staatlicher Richtlinie folgt bei 6 Prozent der orthopädischen Erstvisiten eine OP für Hüft-, Schulter- oder Knieprothese. In dem Punkt liegen wir voll im Rahmen.<BR /><BR /><b>Mal ganz ehrlich: Würde Südtirols Gesundheitssystem ohne die privaten Player überhaupt funktionieren?</b><BR />Dr. Waldner: Inzwischen wohl nicht mehr. Früher hat es für das öffentliche Gesundheitswesen nicht die Notwendigkeit gegeben, auf private Partner zurückgreifen zu müssen. Heute ist das anders. Und durch die steigende Zahl an chronisch Kranken und dem Personalmangel, der sich weiter verschärfen wird, muss der Sanitätsbetrieb wohl noch weit mehr mit konventionierten Einrichtungen arbeiten, was ja auch Sinn macht, ist es doch auch eine Kostenfrage.<BR /><BR /><b>Inwiefern?</b><BR />Dr. Waldner: Nehmen wir nur mal den Bereich Reha her. Es gibt eine Studie noch aus Zeiten von Landesrätin Martha Stocker, die klar ergeben hat, dass die Reha im öffentlichen Betrieb bis zu 3 Mal so viel kostet als im privat Konventionierten. Der Grund dafür liegt im Personalschlüssel. Im Öffentlichen ist wesentlich mehr Personal angestellt als bei uns. Uns ist ein genauer Personalschlüssel vorgegeben ist, den wir auch einhalten. <BR /><BR /><b>Im Gegensatz zum Sanitätsbetrieb scheinen die Privaten keine Personalsorgen zu haben.</b><BR />Dr. Waldner: Und das obwohl wir weit niedrigere Löhne zahlen als der Sanitätsbetrieb. Dafür genießen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eben andere Vorzüge. So gibt es bei uns viel viel weniger Bürokratie als im öffentlichen Dienst, sie können direkt mit dem Arzt zusammenarbeiten usw. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen auch aus Albanien oder Rumänien, einige auch aus Südamerika. Die beherrschen zumindest schon die italienische Sprache und werden von uns ausgebildet und geschult. <BR />Interview: Michael Eschgfäller<BR />