Das Genuatief „Anett“ sorgte in Südtirol für Niederschlag und einen Wintereinbruch, bevor es nach Mittel- und Osteuropa weiterzog, um dort starke Regenfälle zu bringen (wir berichteten). „Weil das Tief zwischen kalter Luft aus dem Norden und warmer Luft aus dem Süden eingekesselt ist, hängt es dort seit Tagen fest“, weiß Dieter Peterlin.<BR /><BR /><embed id="dtext86-66569527_quote" /><BR /><BR />Laut dem Meteorologen ist eine solche Wetterlage an sich nicht außergewöhnlich, aber in dieser Dimension neu. „Der Klimawandel beeinflusst die Stärke von Extremereignissen. Sie nimmt zu“, sagt er. Es wird in Zukunft mehr Unwetter geben – auch in Südtirol. <h3> Wie der Klimawandel das Wetter verändert </h3>Ein Grund dafür ist die Erwärmung der Atmosphäre. „Pro Grad Celsius Temperaturanstieg nimmt die Luft 7 Prozent mehr Wasserdampf auf“, berichtet Peterlin. Das führt zu mehr Luftfeuchtigkeit und in wärmeren Gegenden zu mehr Niederschlag. <BR /><BR />Der Klimawandel hat aber auch Auswirkungen auf die globalen Windsysteme und die sogenannte „Jetstream“-Strömung. „Diese Strömung ist ein starkes Band aus Winden, das die Wetterlage in Europa hauptsächlich bestimmt“, erklärt der Landesmeteorologe. Sie kommt immer öfter aus dem Gleichgewicht. Das hat zur Folge, dass Hoch- oder Tiefdruckgebiete länger an einem Ort bleiben. Regnete es früher für 2 Tage, können heute schon 4 oder 5 Tage niederschlagsreich sein. <BR /><BR /><embed id="dtext86-66569523_quote" /><BR /><BR />Eine weitere Tendenz, die beobachtet werden kann, ist die Zunahme von Wärmegewittern, die auch stark ausfallen. Der Grund? „Die höheren Temperaturen bringen mehr Energie in die Atmosphäre“, sagt Peterlin. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass es in diesem Sommer weniger Gewitter gegeben hat – eine Abweichung vom Trend, die wohl eine Ausnahme bleiben wird.<h3> „Vaia“ brachte 300 Millimeter Regen</h3>Auch in Südtirol gibt es immer wieder Hochwasser. Das größte Niederschlagsereignis der vergangenen Jahre wurde im Oktober 2018 registriert – im Vorfeld des Sturmtiefs „Vaia“. „Wir haben damals innerhalb von 3 Tagen landesweit 150 bis 200 Millimeter Niederschlag gemessen, an den Spitzenorten im Osten des Landes sogar 300 Millimeter“, erinnert sich Dieter Peterlin. Zum Vergleich: In Niederösterreich und Wien sind von Donnerstag bis gestern Vormittag bis zu 400 Millimeter Regen gefallen. Im Katastrophenfall wäre Südtirol gewappnet, versichern Experten (siehe untenstehende Berichte). <h3> Was die Experten sagen</h3><h3> Straßendienst</h3>„Für den Akutfall sind wir gut aufgestellt“, sagt <Fett>Philipp Sicher</Fett>, Direktor der Landesabteilung Straßendienst. Man arbeite präventiv und reagiere sofort, wenn ein Ereignis eintrete. <BR /><BR /><embed id="dtext86-66569611_quote" /><BR /><BR />„Je mehr wir präventiv Maßnahmen ergreifen, desto weniger schwerwiegend sind die Folgen“. Die Investitionen des Landes ins Straßennetz seien in den vergangenen Jahren jedenfalls „angemessen“ gewesen. Welchen Einfluss der Klimawandel auf die Einsätze des Straßendienstes habe, sei schwer vorherzusagen.<h3> Hydrologie</h3>Die Staudämme in Südtirol werden laut <Fett>Roberto Dinale</Fett>, dem Direktor des Amtes für Hydrologie und Stauanlagen, laufend gewartet und kontrolliert. „Entsprechend gut sind wir gerüstet“, sagt er. Die Gefahr, dass Staudämme Flutwellen auslösen bzw. brechen, sei extrem gering. Und mittlerweile gibt es für solche Szenarien entsprechende Notfallpläne. Stauanlagen können im Fall eines Hochwassers die Abflüsse in Bächen und Flüssen regulieren und so auf das Ereignis positiv einwirken. „In Südtirol haben wir dafür aber keinen großen Spielraum“, so Dinale.<BR /><BR /><embed id="dtext86-66569616_quote" /><BR /><BR /> Für ein aktives Hochwasser-Management seien die Stauanlagen in Südtirol entweder zu groß im Verhältnis zum Einzugsgebiet – z. B. die Anlage beim Reschenstausee – oder zu klein, um ein bestimmtes<BR /> Wasservolumen aufzunehmen – z. B. die Anlage in Mühlbach.<BR /><BR /> „Nichtsdestotrotz arbeiten wir gerade gemeinsam mit dem Betreiber Alperia und nehmen jede Retentionsmöglichkeit genau in die Lupe, mit dem Ziel in den kommenden Jahren, wo sinnvoll, sogenannte Laminationspläne einzuführen.“ <BR /><BR />Dafür benötigt man laut Dinale keine großen finanziellen Mittel, sondern zuverlässige Prognosen und robuste Prozeduren, „sodass der Wasserspiegel im Vorfeld abgesenkt werden kann, um die notwendigen Speicherkapazitäten zu schaffen.“<h3> Geologie</h3>Die Gefahr von Steinschlag und Muren ist in Südtirol hoch. „Wir haben in den letzten 30 Jahren viel investiert, zahlreiche Schutzbauten errichtet“, so <Fett>Claudio Carraro</Fett>, Vize-Direktor des Amtes für Geologie. <BR /><BR /><embed id="dtext86-66569891_quote" /><BR /><BR /> In einigen Tälern profitiere man bereits davon. „Im Eggental oder Sarntal z.B. hat die Sicherheit zugenommen.“ Zudem hätten die Gefahrenzonenpläne eine große Bedeutung, weil man nun genau wisse, welche Zonen gefährlich seien. „Aber alles kann man nicht vorhersehen“, so Carraro.<h3> Wildbachverbauung</h3>Auf Gefahrenzonenpläne mit ihren Simulationen setzt <Fett>Fabio De Polo</Fett>, Direktor des Funktionsbereichs Wildbachverbauung in der Agentur für Bevölkerungsschutz. „Zudem wird seit Jahrzehnten in Schutzbauten investiert.“ <BR /><BR /><embed id="dtext86-66569898_quote" /><BR /><BR />Aber natürlich müsse man sich fragen, was die Klimaveränderung mit sich bringt. „Wir arbeiten deshalb eng mit Forschungsinstitutionen zusammen, führen verschiedene Studien durch.“ 40 bis 50 Mio. Euro pro Jahr werden in die Wildbachverbauung investiert.<h3> Feuerwehren</h3>„Unwetterereignisse treten häufiger auf. Das ist für die Feuerwehren natürlich eine Herausforderung“, sagt <Fett>Wolfram Gapp</Fett>, Präsident des Landesfeuerwehrverbandes. Zumal die Einsätze dann nicht mehr ein paar Stunden, sondern länger andauern, würden sich die Wehren gegenseitig unterstützen und ablösen.<BR /><BR /><embed id="dtext86-66569982_quote" /><BR /><BR /> „Bislang sind wir noch nicht an unsere Kapazitätsgrenzen gestoßen“, sagt Gapp. „Unsere Leute sind vorbereitet.“ Viele Geräte seien veraltet aber, müssten dringend ausgetauscht werden.