Die Lebensräume der alpinen Vogelarten sind an sich schon begrenzt, weil sie sich auf ganz bestimmte Bedingungen spezialisiert haben. Durch die menschliche Präsenz, bauliche Eingriffe und die Veränderungen der Lebensräume verringern sich die Areale zunehmend. <BR /><BR />Deshalb kann es schwierig werden, dass sich Individuen derselben Art zwischen verschiedenen Fortpflanzungsgebieten bewegen und paaren können. Das vermindert den Genfluss, und dies kann vor allem kleine und periphere Populationen stark beeinflussen. <BR /><BR /> Das hat eine Studie ergeben, an der aus Südtirol das Naturmuseum und Eurac Research beteiligt waren, sowie weiters die Universität Mailand, die Universität Oulu in Finnland und MUSE (Museo delle Scienze) in Trient. Gegenstand der Studie war das Phänomen des genetischen Austauschs von ausgewählten Gebirgsvögeln. Die Ergebnisse wurden nun in der Zeitschrift „Journal of Biogeography“ veröffentlicht. <BR /><BR /><b>Hohe Inzucht und begrenzte Vernetzung</b><BR /><BR />Demnach sind die Aussichten vor allem für den Schneesperling schlecht. Laut der Studie legen Individuen in Südtirol, Trentino und der Lombardei die Distanzen zwischen diesen Fortpflanzungsgebieten nicht mehr zurück. Viele Schneesperlinge bleiben im Verbreitungsgebiet der Elternvögel und zeigen wenig Neigung zur Ausbreitung. Dies schränkt die Vernetzung und somit den Genfluss ein. <BR /><BR />Entsprechend konnte ein hohes Maß an Inzucht festgestellt werden: 20 Prozent der untersuchten Vögel sind Nachwuchs von Vögeln, die untereinander verwandt sind. „Diese sehr engen Verwandtschaftsgrade sind alarmierend: Vorhandene, aber noch nicht ausgeprägte (rezessive) schädliche Gen-Mutationen gefährden die Überlebenschancen der nächsten Schneesperling-Generationen“, sagt Francesco Ceresa, Ornithologe am Naturmuseum und Erstautor der Studie. Mit den immer kleiner werdenden Lebensräumen und der verringerten Ausbreitung der Schneesperlinge über ihr Herkunftsgebiet hinaus könnte die Inzucht leicht zum lokalen Aussterben führen. In einigen Gebieten der Alpen sei dies bereits passiert, so Ceresa. <BR /><BR />Auch Petra Kranebitter, Koordinatorin des Forschungsprojekts und Konservatorin für Zoologie am Naturmuseum, ist besorgt. „Diese Lebensräume brauchen mehr und intensiveren Schutz, damit die auf diesen Lebensraum angewiesenen Arten überleben können. Wir werden diese besonders gefährdeten Arten weiterhin beobachten und untersuchen“.