Samstag, 29. Mai 2021

Warum gute Italienischlehrer essenziell sind

„Falls Sie sich also je gefragt haben, warum das Italienischniveau einiger Schüler in Südtirol so niedrig ist, bitte schön, hier haben Sie ihre Antwort.“ Meinung einer Schülerin.

Wie wichtig ein guter Italienischlehrer ist, fasst eine Schülerin zusammen.
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Wie wichtig ein guter Italienischlehrer ist, fasst eine Schülerin zusammen. - Foto: © lpa/Unsplash
Mein aktueller Italienischlehrer sagte einmal: „Jeder kann Italienisch lernen, man muss nur wollen. Vom Lehrer hängt es dabei nicht ab, es kommt auf den Schüler und seine Motivation an.“

Während ich Ersterem zustimmen würde, würde ich Letzterem widersprechen. Es kommt auf den Lehrer an. Es kommt sogar maßgeblich auf den Lehrer an. Und nein, ich gehöre nicht zu der Sorte Schüler, die nach einem schwierigem Test, für den sie ein Minimum gelernt haben, nach Hause gehen und dem Lehrer die Schuld an der negativen Note geben.

Ich würde sogar behaupten, dass man mit einer gewissen Eigeninitiative ziemlich weit kommen kann. Das Problem an der Sache ist nur: Wenn einem in einem Fach wie Italienisch gewisse Grundkenntnisse fehlen, ist es ziemlich mühsam diese nachzuholen.



Das erste Mal dass ich merkte, wie wichtig ein guter Italienischlehrer sein kann, war, als ich in die Mittelschule kam. Damals wussten viele meiner Klassenkameraden nicht, wie man einen Passato Prossimo bildet oder hatten von „Ca,cu, co h no, che chi h si“ noch nie etwas gehört.

Plötzlich lernte ich meine Grundschullehrerin zu schätzen, denn obwohl sie sehr streng gewesen war und alle immer eine Riesenangst vor ihren Wutausbrüchen gehabt hatten, hatte sie es dennoch geschafft, die Grundsteine für mein Italienisch zu legen, wofür ich ihr heute noch sehr dankbar bin.

Ehrlich gesagt glaube ich sogar, dass mein Italienisch ohne sie verloren gewesen wäre, denn unser Mittelschullehrer war zwar sehr nett, sein Unterricht bestand allerdings zum Großteil aus sinnlosen Diskussionen mit ein paar Problemschülern aus meiner Klasse, gegen die er sich nie wirklich durchsetzen konnte und „cantare“. Ja, wir gingen singen. Oft die ganze Italienischstunde lang. Dass wir mit dem Stoff nicht wirklich voran kamen, war daher nicht sonderlich überraschend.

Als ich dann schließlich in die Oberschule kam, beschäftigten wir uns so gut wie das ganze 1. Semester mit einem Vokabelblock und lasen einige Zeitungsartikel. Irgendwann fiel der Lehrerin dann ein, dass sie ja auch irgendetwas benoten musste und so prüfte sie jeden kurz 2 Minuten über sein Lieblingsessen und gab zusätzlich noch eine Mitarbeitsnote.



Irgendwie bezweifle ich, dass das der Stoff gewesen wäre, den man in einer 1. Oberschule normalerweise durchmacht. Im 2. Semester brach sich besagte Lehrerin schließlich die Rippen und wir erhielten für den Rest des Schuljahres eine Supplenzkraft. Falls Sie sich also je gefragt haben, warum das Italienischniveau einiger Schüler so niedrig ist, bitte schön, hier haben Sie ihre Antwort.

Den nächsten guten Italienischlehrer hatte ich schließlich in der 3. Oberschulklasse. Und mit „gut“ meine ich wirklich gut. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass ich keinen besseren Lehrer kenne. Dieser Lehrer war motiviert, wurde von der Klasse respektiert, kam mit dem Stoff weiter und konnte sehr gut erklären. Die perfekte Mischung, wenn man so will.



Mittlerweile bin ich in der 4. Oberschule und die Wundertüte der Italienischlehrer hat schon wieder einen neuen ausgespuckt. Glücklicherweise einen kompetenten. Ich hoffe sehr, dass wir diesen auch nächstes Jahr behalten können.

Wenn ich mir meinen Beitrag nochmals durchlese, finde ich die Situation beinahe amüsant. Das ist sie allerdings ganz und gar nicht. Ich finde die Italienisch-Kenntnisse sollten nicht davon abhängen, wie kompetent oder inkompetent die Lehrer gewesen sind.

Ja, mit viel Fleiß kann man den verpassten Stoff nachholen, aber seien wir ehrlich, das sollte überhaupt nicht nötig sein. Ich für meinen Teil hatte ja noch Glück: Da meine Sprachkenntnisse auf einem guten Fundament aufgebaut waren, fiel es mir nicht sonderlich schwer, die Jahre, in denen wir schlechtere Lehrer hatten, wieder auszugleichen.

Ich stehe in Italienisch auf einer soliden 8 und gehöre zu den Leuten, die bei einem Italienisch-Aufsatz auch mal um Rat gefragt werden. Ich glaube, eines Tages schreibe ich meiner Grundschullehrerin einen Dankesbrief.

stol