<BR /><b>Bei der SBJ-Mitgliederversammlung hatten Sie in Ihrer Rede gewarnt, die aktuellen Entwicklungen ließen viele Junge daran zweifeln, ob es noch Sinn mache, in den Beruf Landwirt einzusteigen und den elterlichen Hof zu übernehmen. Was spricht gegen eine solche Entscheidung?<BR /></b>Raffael Peer: Die Wirtschaftlichkeit – insbesondere im Obst- und Weinbau. Die Erlöse aus der Apfelernte für 2021 und 2022 waren besonders schlecht. 2023 und 2024 waren sie zufriedenstellend. Für 2025 muss man erst noch schauen. Aber solche Durststrecken können gerade kleinere Betriebe nicht so einfach wegstecken. Ihre Betriebskosten pro Hektar sind um vieles höher als bei großen Betrieben. Und so stehen kleine und auch schon mittlere Betriebe vor der Entscheidung: wachsen oder weichen. In den vergangenen Jahren haben es gar einige Betriebe gelassen – und ihre Flächen verpachtet. <BR /><BR /><b>Es stehen auch zahlreiche Flächen zum Verkauf...<BR /></b>Peer: Das stimmt. Allein zwischen Salurn und dem Kalterer See sollen es aktuell rund 200 Hektar sein. Im Vinschgau ist die Situation ähnlich ...<BR /><BR /><b>Der heikle Moment ist dabei die Hofübergabe?<BR /></b>Peer: Natürlich. Die ältere Generation hält zurzeit zumeist einfach noch durch, das gilt nicht nur für Südtirol. Insgesamt sind Europas Landwirte eher auf der älteren Seite: Der Altersdurchschnitt liegt in der EU bei 58 Jahren, und nur 12 Prozent sind jünger als 40 Jahre. Es steht uns daher ein größerer Generationenwechsel und wohl ein Strukturwandel bevor. Denn die nächste Generation wird sich die Hofübernahme gut überlegen. Schwankende und unsichere Erlöse stehen da in Konkurrenz zu einem fixen Gehalt in anderen Berufen.<BR /><BR /><b>Welche Probleme sehen Sie durch den Klimawandel auf die Landwirte zukommen?<BR /></b>Peer: Es zeigt sich schon jetzt, dass extreme Wetterereignisse zunehmen. Ganze Ernten – und damit die Einnahmen eines ganzen Jahres – können dabei kaputtgehen. Aber nicht nur. Auch die Strukturen an sich sind in Gefahr. Nehmen wir die starken Regenfälle 2024, als viele Obstwiesen regelrecht abgesoffen sind. Auf unserem Hof mussten wir in diesem Jahr viele Bäume roden, weil die Wurzeln völlig verfault waren. Das sind enorme Investitionen, die so nicht eingeplant waren. Der Landwirt wird also künftig wohl auch eine Versicherung für die Strukturen abschließen müssen und nicht nur für Ernteausfälle, etwa durch Hagel. <BR /><BR /><b>Also Alarmstimmung in der Landwirtschaft?<BR /></b>Peer: Nein, so schlimm sehe ich die Situation nicht. Die bäuerliche Jugend ist in ihrer Tradition verwurzelt und will die Betriebe weiterführen, im Fall auch im Nebenerwerb. Zum Glück scheint es auch ein Umdenken etwa auf EU-Ebene zu geben, das Landwirten das Arbeiten wieder leichter machen könnte. Denn in der jüngeren Vergangenheit waren einige Verordnungen und Pläne – Naturwiederherstellungsverordnung, Verordnung zur Reduktion von Pflanzenschutzmitteln und die Entwaldungsverordnung – alles andere als förderlich. Aber es muss allen bewusst sein: Jede Hoftür, die zugeht, geht nie wieder auf.