Das Projekt trägt den Titel „Vallo Alpino“ (Alpenwall). Der Vallo Alpino ist ein militärisches Verteidigungssystem von beeindruckendem Ausmaß: Es reichte vom ligurischen Meer bis an die Adria und bestand aus tausenden von Bunkern. Im Forschungsprojekt über den Vallo Alpino liegt der Fokus auf Südtirol.<BR /><BR /><BR /><BR /> Untersucht wird der Zeitraum von 1931 bis 1942 – von den ersten Tagen des Vallo Alpino bis zum Zweiten Weltkrieg, als die Bauarbeiten gestoppt wurden, erklärt Architekt Heimo Prünster, wissenschaftlicher Leiter des Projekts. Weil Italien damals gegen den Verbündeten Deutschland baute, kam es zur Bezeichnung „Linea non mi fido“ – Linie des Misstrauens. Denn Mussolini ließ die tausenden Bunker bauen, um Italien vor Nazi-Deutschland zu schützen – obwohl Hitler damals sein Verbündeter war. Das Deutsche Reich grenzte nach dem Anschluss Österreichs direkt an Italien. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1002920_image" /></div> <h3> Das gescheiterte Bauvorhaben</h3> Heimo Prünster hat in den vergangenen 4 Jahren den gesamten Bunkerbestand in Südtirol analysiert, neben den tatsächlich gebauten auch die geplanten Bunker ausfindig gemacht und eine online-Karte entwickelt. Beim Vallo Alpino handelt es sich um ein System, das 3 hintereinander gestaffelte Verteidigungslinien aufweist, die sich weit ins Landesinnere erstrecken, erklärt Prünster. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1002923_image" /></div> <BR /><BR />Mehr als ein Viertel der Anlagen in Südtirol seien nicht vollendet worden. „Deshalb finden sich landauf landab Bunker in unfertigem Zustand“, berichtet der Architekt. „Die Baustellen wurden oft von einem Tag auf den anderen stillgelegt. Vereinzelt finden sich deshalb noch Werkzeuge darin oder Zementsäcke mit dem Herstellungsdatum 1939. Vielerorts wurden unnötig tausende Kubikmeter an Felsen mühsam in Handarbeit ausgebrochen und zur Auskleidung mit Beton kam es nicht.“ <h3> Italienische Firmen bauten, Südtiroler Tagelöhner halfen</h3>Durchgeführt wurden die Bauarbeiten von großen italienischen Baufirmen – mit guten Kontakten zu Rom. Einige Südtiroler Tagelöhner halfen auch mit. Zwangsarbeit gab es nicht. Im Herbst 1942 wurden die Bauarbeiten eingestellt – infolge des politischen Drucks durch Deutschland. Die Heeresspitze kam dann zum Schluss, dass der Bunkerwall für eine Sicherung der Grenze zu Deutschland bei weitem nicht ausreichte. Der Vallo gilt auch deshalb als „gescheitert“.<BR /><BR /><embed id="dtext86-63661978_quote" /><BR />Oberst Marcello Marzani (Alpini), Leiter des Dokumentationsbüros bei den Alpini-Truppen, spricht sich für eine Aufwertung der Bunker aus. Jegliche Initiative, die darauf abziele, diese Bunker zu erhalten zu schützen und vor dem Verfall zu retten, sei begrüßenswert. Die Bunker sollten wieder „zum Leben erweckt werden“ – auf positive Weise, meint der Oberst.<BR /><BR />Heute sind laut Landeskonservatorin Karin Dalla Torre etwa 20 Bunker in Südtirol unter Denkmalschutz, weitere sind „unter vorläufigem Schutz“ und andere gehören Privaten. Der Sammler Matthias Schönweger hat 55 Bunker vom Land erworben – und Kunstprojekte daraus gemacht. <h3> 3 Fragen an Heimo Prünster</h3><b>Was fasziniert Sie an Bunkern?</b><BR />Heimo Prünster: Das Unerforschte. Ich habe dazu nirgends Informationen bekommen und das hat mich neugierig gemacht. Ich wollte kapieren, was es mit diesen Bunkern auf sich hat. Als Architekt konnte ich mir diese Bauten nicht erklären: Wieso sehen sie so aus? Warum stehen sie dort?<BR /><BR /><b>Typisch für diese Bunker sind die sehr starken Mauern..</b><BR />Prünster: Standarddicke bei den Mauern war 3,50 Meter. Bei den Decken sind es teilweise 4 Meter bis 4,50 Meter. Aus Mangel an Stahl zu Kriegszeiten wurden die Mauern dicker gemacht. <BR /><BR /><b>Welche Zukunft haben die Bunker?</b><BR />Prünster: Wir haben eine Wissensgrundlage geschaffen – das ist eine gute Basis. In Südtirol fehlt noch die Inwertsetzung: Es sind noch kaum Projekte der Valorisierung entstanden – im Unterschied zu anderen Ländern. Man kann aus diesen Bunkern sehr viel machen – wie etwa Parcours. Es gibt unzählige Möglichkeiten. Da wird jetzt sehr viel entstehen – das Interesse dafür gibt es. In Friaul hat man sehr viel aus den Bunkern gemacht – wie etwa einen Parcours zum Ersten und Zweiten Weltkrieg.<BR /><BR /><BR />