Italien bekommt immer weniger Kinder. Die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau lag in den ersten sieben Monaten des Jahres 2025 bei nur noch 1,13. Einen deutlichen Gegenpol bildet die Autonome Provinz Bozen: Dort lag die sogenannte Gesamtfruchtbarkeitsziffer im selben Zeitraum vorläufig bei 1,55 Kindern pro Frau – dem höchsten Wert aller italienischen Regionen und Provinzen.<BR /><BR />Auch die endgültigen Daten für 2024 zeigen den Sonderfall Südtirol. Die Gesamtfruchtbarkeitsziffer lag bei 1,51 Kindern pro Frau. 2023 waren es noch 1,57 gewesen. Gleichzeitig weist das Landesinstitut für Statistik darauf hin, dass die Geburten weiterhin zurückgehen und die Bevölkerungszahl nur aufgrund der positiven Wanderungsbilanz wächst.<h3> Südtirol ist kein Babyboom-Land</h3>Der hohe Wert bedeutet deshalb nicht, dass in Südtirol die Geburten wieder steigen. Im Gegenteil: Auch hier ist der langfristige Trend rückläufig.<BR />Der Unterschied zu Italien besteht vielmehr darin, dass die Kinderzahl pro Frau in Südtirol noch deutlich höher liegt als im gesamtstaatlichen Durchschnitt. Während Italien bei rund 1,1 Kindern pro Frau liegt, sind es in der Provinz Bozen rund 1,5.<BR /><BR />Damit liegt Südtirol zwar weit unter dem Wert von 2,1 Kindern pro Frau, der langfristig für eine stabile Bevölkerungszahl ohne Zuwanderung notwendig wäre. Es schneidet aber deutlich besser ab als die meisten anderen Gebiete Italiens.<h3> Was macht Südtirol anders?</h3>Eine einfache Antwort darauf gibt es nicht. Aus den Statistiken lässt sich nicht ableiten, dass eine bestimmte Familienleistung oder ein bestimmtes Betreuungsangebot direkt zu mehr Geburten führt.<BR />Auffällig ist allerdings das vergleichsweise umfangreiche Unterstützungsangebot für Familien.<BR /><BR />Ein Beispiel ist die Betreuung während der Sommerferien. Im Sommer 2025 gab es in Südtirol 492 Sommerbetreuungsprojekte. Das Land stellte dafür rund 20,6 Millionen Euro zur Verfügung. Mehr als 25.500 Kinder und Jugendliche nahmen wöchentlich ein Betreuungsangebot in Anspruch.<BR /><BR />Organisiert werden die Angebote vor allem von Gemeinden in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Trägern – darunter Genossenschaften, Jugendorganisationen, private Vereine und Sportvereine. Das Land beteiligt sich an der Finanzierung.<BR />Für Familien bedeutet das: Auch während der langen Sommerferien gibt es vielerorts Betreuungsmöglichkeiten, wenn Eltern weiterhin arbeiten müssen.<h3> „Die Familien werden nie alleine gelassen“</h3>Die italienische Tageszeitung La Repubblica hat sich in einem am 12. August erschienenen Artikel mit der Situation in Bozen beschäftigt. Der Titel lautet: „Le culle piene di Bolzano – Noi famiglie mai sole neanche a Ferragosto“.<BR /><BR />Die Zeitung nennt als einen möglichen Schlüssel ein Netz von Vereinen, das auch während der Schulschließungen Aktivitäten für Kinder organisiert. <BR /><BR />Der Ansatz ist interessant: Nicht eine einzelne Maßnahme soll erklären, warum in Südtirol mehr Kinder geboren werden, sondern ein gesamtes Umfeld, in dem Familien Unterstützung bekommen – etwa bei der Betreuung und bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.<BR />Ob dieses Umfeld tatsächlich die höhere Geburtenrate verursacht, lässt sich daraus allerdings nicht beweisen.<h3> Auch die Herkunft spielt eine Rolle</h3>Ein weiterer Faktor ist die Zusammensetzung der Bevölkerung. Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit haben statistisch gesehen im Durchschnitt mehr Kinder als italienische Frauen. Gleichzeitig ist auch bei ihnen die Kinderzahl in den vergangenen Jahren gesunken.<BR /><BR />Bereits die Istat-Daten zeigen für Südtirol deutliche Unterschiede: Für 2022 lag die Gesamtfruchtbarkeitsziffer bei Frauen mit italienischer Staatsangehörigkeit in der Provinz Bozen bei 1,55, bei Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit dagegen bei 2,49 Kindern pro Frau. Insgesamt kam Südtirol damals auf 1,64.<BR /><BR />Diese Zahlen zeigen, dass auch die Bevölkerungsstruktur einen Einfluss auf den Südtiroler Wert hat. Sie erklären ihn aber ebenfalls nicht vollständig.<h3> Der Abstand zu Italien bleibt groß</h3>Trotz des Rückgangs bleibt Südtirol damit ein statistischer Sonderfall. Die Provinz Bozen weist eine deutlich höhere Kinderzahl pro Frau auf als Italien insgesamt. Gleichzeitig zeigt der Blick auf die vergangenen Jahre, dass auch Südtirol dem demografischen Trend nicht entkommt: Die Gesamtfruchtbarkeitsziffer ist von 1,57 Kindern pro Frau im Jahr 2023 auf 1,51 im Jahr 2024 gesunken.