<b>Bremsen Krisen tatsächlich den Kinderwunsch?</b><BR />Roger Pycha: Das ist belegt. In Krisenzeiten entscheiden wir uns seltener für Kinder. Wir haben 3 Krisen zu verarbeiten: Die Corona-Krise ist gerade überstanden, auf diese können wir zurückblicken. Die zweite Krise ist die Kriegs-Bedrohung in Europa und die dritte wäre die Klimakrise. Das Gemisch aus allen dreien bewirkt, dass sich viele junge Frauen oder Paare sagen: In diese Welt setze ich nicht so gerne ein Kind. Gerade junge Paare stehen der Gesellschaft kritisch gegenüber. Die Wissenschaft sagt ganz klar: Die Bevölkerung wird zwar zunehmen bis zum Jahr 2080, dann sind wir etwas mehr als 10 Milliarden Menschen und danach geht es abwärts. 2080 wird die Bevölkerung nur mehr in 5 oder 6 Staaten zunehmen, während in allen anderen die Bevölkerung langsam abnehmen wird. Da spielen mehrere Faktoren eine Rolle. <BR /><BR /><b> Welche Faktoren ?</b><BR />Dr. Pycha: Ganz wesentlich ist der Bildungsstand der Frauen. Frauen stehen nach ihrer Ausbildung häufig vor der Entscheidung: entweder Karriere oder Kinder. Beides lässt sich gleichzeitig nicht realisieren. Wir haben noch keine gesellschaftlichen Bedingungen, sodass es eine Gleichstellung der Geschlechter gibt. Das bedeutet, dass sich immer mehr Frauen in reichen Ländern sagen: Die Karriere ist vorrangig, die Kinder bekomme ich später. Dadurch wird die Notwendigkeit von künstlichen Befruchtungsmethoden verstärkt. Da gibt es einen ganz großen Zuwachs – das ist eine eigene Industrie. Gleichzeitig ist dann aber auch für viele Frauen der Kinderwunsch nicht mehr möglich. Viele Frauen entscheiden sich dahingehend, dass sie sich sagen: Ich verzichte lieber auf Kinder, habe es aber gut im Leben, bin vermögend genug und ich habe eine abgesicherte Partnerschaft, die ich notfalls auch jederzeit verlassen kann, weil ich ökonomisch autonom bin.