Wenn führende Politiker aus aller Welt in Antalya (Türkei) zur Klimakonferenz der Vereinten Nationen (COP31) zusammenkommen, steht die Anpassung an den Klimawandel ganz oben auf der Tagesordnung. Die wirtschaftlichen Argumente für ein Handeln sind bezwingend.<BR /><BR /> Maßnahmen vom Hochwasserschutz bis hin zu Kühl- und Bewässerungstechnologien können Schäden und Verluste verhindern – etwa Sachschäden, Produktivitätseinbußen und Ernteausfälle –, deren Kosten die der Maßnahmen selbst um ein Vielfaches übersteigen würden. Dennoch investiert die Welt nur einen Bruchteil dessen, was nötig wäre, sodass viele Menschen und Vermögenswerte nur unzureichend vor Extremwetterereignissen geschützt sind.<h3> Die Finanzierungslücke bei Klimaanpassungen</h3>Das McKinsey Global Institute (MGI) hat ermittelt, dass weltweit jährlich etwa 190 Milliarden US-Dollar für 20 bewährte Anpassungsmaßnahmen ausgegeben werden, die vor Hitze, Waldbränden, Überschwemmungen und Dürren schützen. Allerdings entspricht dies lediglich einem Drittel der 540 Milliarden Dollar, die erforderlich wären, um allen Menschen, die Klimagefahren ausgesetzt sind, einen Schutz entsprechend den Standards der Industrieländer zu bieten.<BR /><BR />Bei einer globalen Erwärmung von 2 °C über vorindustriellem Niveau – die bei der derzeitigen Entwicklung der Emissionen etwa 2050 erreicht sein könnte – könnten sich die Kosten dieser Maßnahmen auf jährlich 1,2 Billionen Dollar belaufen. Wir schätzen jedoch, dass der wirtschaftliche Nutzen durch Vermeidung dieser Verluste und Schäden heute etwa das Dreifache der Kosten dieser Maßnahmen betragen und bei einer Erwärmung um 2 °C auf das Siebenfache der Kosten ansteigen würde.<h3> Warum wirtschaftliche Vorteile allein nicht ausreichen</h3>Offensichtlich reichen wirtschaftliche Vorteile nicht aus, um Investitionen zu garantieren. Das Problem ist, dass das, was für die Gesellschaft wirtschaftlich sinnvoll ist, für die Haushalte, Unternehmen und Regierungen, von denen Maßnahmen erwartet werden, nicht immer finanziell sinnvoll ist. Man denke etwa an den Bau eines Küstendeichs.<BR /><BR /> Er schützt Anwohner, Unternehmen, Grundeigentümer und Versicherer vor Hochwasserschäden, doch die für seinen Bau zuständige öffentliche Stelle hat keine Möglichkeit, ihre Kosten zu decken, da ein Küstendeich keine Einnahmen generiert. Ebenso könnte es für eine Bank schwierig sein, ein Projekt ohne verlässlich kalkulierbare Einnahmen zu finanzieren.<h3>Hindernisse bei Nachfrage und Finanzierung</h3>Eine neue Studie von MGI, die Investitionshemmnisse bei 20 verschiedenen Anpassungsmaßnahmen untersucht, identifiziert zwei Voraussetzungen für die Klimaanpassung: Haushalte, Unternehmen und Regierungen müssen bereit und in der Lage sein, Maßnahmen umzusetzen, und Kapitalgeber müssen bereit sein, diese Maßnahmen zu vertretbaren Bedingungen zu finanzieren. Konkurrierende Ausgabenprioritäten, unklare Vorteile, falsch ausgerichtete Anreize und Umsetzungsprobleme können die Nachfrage einschränken, während Rückzahlungsrisiken, Unsicherheit über die Wirksamkeit der Projekte und die Schwierigkeit, zahlreiche kleine Investitionen zu tätigen, die Finanzierung selbst dort behindern können, wo Nachfrage besteht.<BR /><BR />Umsetzungsreife Maßnahmen in einkommensstärkeren Regionen<BR />Obwohl sich diese Hindernisse oft gegenseitig verstärken, sind sie nicht überall anzutreffen. Wir schätzen, dass bis 2050 Maßnahmen mit jährlichen Anpassungskosten von rund 460 Milliarden Dollar – etwa 40 Prozent des Gesamtbedarfs – umsetzungsreif sein könnten, da ihnen kaum Nachfrage- oder Finanzierungshindernisse entgegenstünden.<BR /><BR /> Über den Schutz von Leben und Lebensgrundlagen hinaus stellen diese Maßnahmen, die von Kühlsystemen bis hin zum Starkregenmanagement reichen, eine potenzielle Marktchance für Anbieter von Anpassungsmaßnahmen und Kapitalgeber dar, wobei voraussichtlich mehr als zwei Drittel dieses Potenzials in einkommensstärkeren Regionen liegen werden.<h3> Regionale Unterschiede und steigende Kosten</h3>Die Mobilisierung der verbleibenden jährlichen Anpassungsinvestitionen in Höhe von 690 Milliarden Dollar, die bei einer Erwärmung um 2 °C erforderlich wären, stehen jedoch erhebliche Hindernisse entgegen – insbesondere in den am wenigsten geschützten Gebieten. In Indien und im Afrika südlich der Sahara könnten die Anpassungskosten 2–3 Prozent vom BIP erreichen, verglichen mit 0,3–0,5 Prozent in einkommensstärkeren Regionen. <BR /><BR />Zugleich dürften weniger als 20 Prozent der in diesen Regionen benötigten Anpassungsinvestitionen umsetzungsreif sein, verglichen mit mehr als der Hälfte in Regionen mit höherem Einkommen. Das erfordert neue Ansätze bei der Umsetzung und Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen.<h3> Drei Herausforderungen auf dem Weg zur Anpassung</h3>Dabei sind drei Probleme zu bewältigen. Erstens muss die Anpassung für Haushalte, die Schwierigkeiten haben, über die Runden zu kommen, erschwinglicher werden, da konkurrierende Ausgabenprioritäten und mangelnde Kreditwürdigkeit Investitionen in Höhe von jährlich etwa 440 Milliarden Dollar verhindern könnten. <BR /><BR />Das erfordert kostengünstigere Technologien und Finanzierungsmöglichkeiten. So haben beispielsweise die Kommunalbehörden in Ahmedabad (Indien) gemeinsam mit dem Mahila Housing Trust daran gearbeitet, die Kosten wärmereflektierender Dächer für einkommensschwache Haushalte durch Subventionen, Kreditprogramme und eine koordinierte Umsetzung zu senken.<BR /><BR />Zweitens könnten stärkere Anreize, klarere Belege für den Nutzen und verbesserte Umsetzungskapazitäten Anpassungsinvestitionen im Umfang von jährlich etwa 210 Milliarden Dollar ermöglichen. Um Flüssen mehr Raum für kontrollierte Überschwemmungen zu geben, musste das niederländische Programm „Room for the River“ einige Grundeigentümer überzeugen, ihr Eigentum abzutreten oder die Nutzung ihrer Grundstücke zu ändern – auch wenn die Vorteile des Programms den betreffenden Gemeinden insgesamt zugutekamen. <BR /><BR />Das Programm setzte mehr als 30 Projekte um, indem es durch Entschädigungen, Grundstückskäufe und Umsiedlungshilfen die Interessen der Beteiligten in Einklang brachte und die Zusammenarbeit zwischen nationalen und lokalen Behörden, Wasserbehörden und Gemeinden koordinierte.<BR /><BR />Drittens schließlich besteht für die verbleibenden Anpassungsmaßnahmen im Umfang von jährlich 40 Milliarden Dollar zwar bereits Nachfrage, doch stehen ihrer Finanzierung noch Hindernisse entgegen. Um diese Projekte finanzierbar zu machen, bedarf es innovativer Einnahmemodelle und Finanzierungsstrukturen oder belastbarer Nachweise ihrer Wirksamkeit, um das Risiko für Investoren zu verringern. Die Initiative „Drought Tolerant Maize for Africa“ zeigt, wie eine Finanzierung in der Anfangsphase dazu beitragen kann, die Wirksamkeit neuer Anpassungslösungen in der Praxis zu belegen. <BR /><BR />Geldgeber finanzierten über Jahre hinweg Forschung und Feldversuche, während Partnerschaften mit lokalen Saatgutunternehmen dazu beitrugen, Produktion und Vertrieb auszuweiten. Bis 2014 hatten trockenheitstolerante Saatgutsorten schätzungsweise 5,4 Millionen Haushalte erreicht.<h3> Verantwortung von Politik, Wirtschaft und Finanzinstituten</h3>Es gibt viele bewährte Wege, Menschen und Vermögenswerte vor Extremwetter zu schützen. Doch um die Anpassung an den Klimawandel voranzutreiben, müssen alle Beteiligten ihren Teil beitragen. Unternehmen sollten die Klimaresilienz in ihre Investitionsentscheidungen einbeziehen und erschwinglichere Anpassungsmaßnahmen entwickeln. Finanzinstitute sollten Finanzierungsstrukturen schaffen, die den wirtschaftlichen Wert vermiedener Verluste besser widerspiegeln. Und Regierungen sollten die Anreize verstärken, die Umsetzung koordinieren und knappe öffentliche Mittel in Investitionen lenken, die der Markt allein nicht erbringen kann.<BR /><BR />Anpassungsmaßnahmen haben nachweislich immer wieder einen erheblichen wirtschaftlichen Nutzen erbracht. Die Herausforderung besteht nun darin, sicherzustellen, dass diejenigen, die investieren müssen, über die entsprechenden Mittel – und Anreize – verfügen.<BR /><BR /><b>Über die Autoren</b><BR />Mekala Krishnan ist Partnerin beim McKinsey Global Institute. Sylvain Johansson ist Direktor beim McKinsey Global Institute. Kanmani Chockalingam ist Senior Fellow beim McKinsey Global Institute.