Belastend ist ein Zeckenstich allemal. Hat man Glück, drücken sich die Folgen entweder gar nicht oder nur in Form von Kopfschmerzen oder grippeähnlichen Beschwerden aus. „Allerdings können auch eine Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder eine Borreliose auftreten“, sagte Dr. Silvia Spertini, stellvertretende Primarin des Dienstes für Hygiene und öffentliche Gesundheit, bei der gestrigen Pressekonferenz. Eine FSME-Infektion kann Lähmungserscheinungen verursachen und sogar tödlich enden. Ausgelöst werden die Krankheiten hierzulande vom Gemeinen Holzbock, einer in Südtirol vorkommenden Zeckenart.<BR /><BR />„Es existiert keine Therapie für die Behandlung der Krankheiten“, so Dr. Spertini. „Deshalb ist die Vorbeugung das A und O.“ Abgesehen von der Impfung gilt es, weitere Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. „Beispielsweise sollte man das Begehen ungemähter Wiesen vermeiden und im Wald stets auf dem Weg bleiben“, erklärte Dr. Spertini. Außerdem sei das Duschen nach einem Spaziergang im Wald sowie das Tragen geeigneter Kleidung wie lange Hosen usw., wichtig. Diese sollte gewaschen und kein zweites Mal getragen werden, denn die kleinen Ungeziefer können sich auf der Kleidung verstecken.<h3> „Impf- und Aufklärungskampagne ist enorm wichtig“</h3>Im Jahr 2023 wurden 7 FSME-Fälle registriert. „Auch wenn diese Zahl gering erscheinen mag, sind Impf- und Aufklärungskampagnen enorm wichtig“, unterstrich Sanitätsdirektor Josef Widmann. „Vor allem, wenn man bedenkt, dass wir in Zeiten des Klimawandels leben, der der Ausbreitung der Zecke in die Karten spielt.“ Der Störenfried Zecke ist nämlich nicht mehr nur im Sommer aktiv: „Von Frühling bis Herbst muss man heutzutage mit Zecken rechnen“, sagte Dr. Spertini. Mittlerweile sind sie sogar in den Wintermonaten „unterwegs“. <BR /><BR />„Wir bieten die Impfung eigentlich das ganze Jahr über an“, so Ursula Braun, Pflegedienstleiterin des Dienstes für Hygiene und öffentliche Gesundheit. „Allerdings ist die Nachfrage zurzeit so groß, dass die nächsten Termine erst im Herbst frei sind.“ Deshalb habe man die Open-Days-Kampagne ins Leben gerufen. Im vergangenen Jahr wurden 9000 Dosen an Erwachsene verabreicht sowie weitere 4000 an Kinder und Jugendliche.<h3> An diesen Tagen wird geimpft</h3>Wer das Angebot der Zeckenschutzimpfung wahrnehmen will, kann dies an 2 Tagen machen: am 20. Juli und am 21. September. „Die Kampagne wird in den Krankenhäusern von Bozen, Brixen, Meran und Bruneck durchgeführt“, unterstrich Braun. Die Zeckenschutzimpfung ist für alle in Südtirol ansässigen Personen kostenlos. Impfen lassen kann sich jeder ab dem ersten Lebensjahr.<BR /><BR /><h3> Bei der Expertin nachgefragt</h3><b>Frau Dr. Spertini, wer sollte das Angebot der Zeckenschutzimpfung auf jeden Fall annehmen?</b><BR /><Fett>Dr. Silvia Spertini</Fett> (im Bild): Jeder muss für sich selbst abwägen, wie hoch sein Risiko ist. Hält man sich den Sommer über häufig in der freien Natur auf, ist man der ständigen Gefahr ausgesetzt, von einer Zecke gestochen zu werden. In diesem Fall ist die Zeckenschutzimpfung dringendst zu empfehlen. Im Wald fühlen sich die Parasiten nämlich heimisch. Sie verstecken sich gerne auf Grashalmen oder im Gebüsch.<BR /><BR /><embed id="dtext86-65617097_quote" /><BR /><BR /><b>Welche Gebiete sind in Südtirol besonders von der Zeckenplage betroffen?</b><BR />Dr. Spertini: Ihren Ursprung fand die Zeckenpopulation im Überetsch, aber diese Grenzen hat sie längst überschritten. Zecken breiten sich zunehmend im ganzen Land aus und wandern auch in die Höhen. Sie stechen nämlich nicht nur Menschen, sondern auch Wildtiere. Diese tragen die Parasiten dann über weite Strecken mit sich, sodass sich die Zecke auch in neuen Territorien niederlässt.<BR /><BR /><h3> Die 2 Krankheiten im Detail</h3>Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine virale Krankheit, die durch den Stich einer Zecke übertragen wird. Bei einem Teil der Infizierten kann sich das Virus auf das zentrale Nervensystem auswirken mit Symptomen wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Konzentrationsstörungen. Auch Lähmungen der Arme und Beine kommen vor. Im schlimmsten Fall endet FSME mit dem Tod.<BR /><BR />Die Borreliose ist eine bakterielle Erkrankung, die sehr unterschiedlich ausfällt. Sie verläuft meist unbemerkt und ist deshalb schwierig zu erkennen. Die Borreliose betrifft überwiegend die Haut, aber auch das Nervensystem, die Gelenke und das Herz. Ein klassisches Merkmal ist eine kreisförmige Hautrötung im Bereich der Einstichstelle. Eine frühe Behandlung mit Antibiotika kann schwere Krankheitsverläufe verhindern.