Dass der stationäre Handel bzw. die Nahversorgung und damit die Ortskerne insgesamt unter Druck stehen, ist klar. Weniger klar ist da schon, was dagegen getan werden kann. Im Vinschgau gibt es nun den Versuch, in öffentlich-privater Kooperation Maßnahmen zu entwickeln.<BR /><BR />Brot, Milch und Schuhe kaufen oder schnell einen Kaffee trinken gehen? Das geht nur, wenn die Nahversorgung funktioniert. Dass das nicht selbstverständlich ist, zeigt eine neue Gesprächsrunde, die am Wochenende ihren Auftakt hatte.<BR /><BR />Wer durch die Straßen der Orte schlendert, kommt immer wieder an leer stehenden Geschäften und Lokalen vorbei. Dieses Betriebssterben hat vielfältige Gründe, welche mehr oder weniger auf lokaler Ebene beeinflusst werden können. Ein neues Diskussionsnetzwerk soll helfen, über dieses Thema zu reden. Es soll damit auch möglich werden, sich gegenseitig mit vorbildhaften Strategien unter die Arme zu greifen – und generell das Thema in der Öffentlichkeit breiter aufzustellen, denn mitunter kann der Eindruck entstehen, dass vielen Bürgern und Politikern die Bedeutung der Nahversorgung nicht zur Gänze bewusst ist.<BR /><BR />Wer ist Teil dieses neuen Netzwerkes? An der Auftaktveranstaltung in Schlanders am Wochenende nahmen Dutzende Vertreter des Handels- und Dienstleisterverbandes (hds) teil, von Tourismusvereinen, Gemeindeverwaltungen sowie der Bezirksgemeinschaft teil. Allen war eines gemeinsam: Die Nahversorgung mit Geschäften, Bars, Handwerk, öffentlichen Verkehrsmitteln, Schulen usw. – als Voraussetzung dafür, dass es auch morgen noch attraktives Leben am Land gibt – muss gesichert werden.<BR /><BR />Beim ersten Treffen wurde allgemein über die Situation in den Orten diskutiert, es wurde auch die Bedeutung von Ortsentwicklung und Ortsmarketing beleuchtet. Dabei sollten nicht nur die Betriebe, sondern auch die Gemeinden und Tourismusvereine zusammenarbeiten – denn alle hätten ein Interesse an lebendigen und attraktiven Orten.<BR /><BR />Der hds könne z. B. bei der Analyse von Siedlungsentwicklungen behilflich sein oder auch bei gesetzlicher Beratung, sagten hds-Präsident Philipp Moser sowie hds-Bezirkspräsident Dietmar Spechtenhauser und Bezirksleiter Aaron Pircher. Die Gemeinden wiederum könnten versuchen, z. B. mit Beiträgen unterstützend zu wirken, wie Bezirkspräsidentin Roselinde Gunsch und der Latscher Gemeindereferent Manuel Platzgummer sagten. Es gebe jedenfalls allerorten Sorge um die Aufrechterhaltung der Nahversorgung, wobei auch der Online-Handel mit seinen auch negativen Effekten eine wesentliche Rolle spiele. Dieser wurde kritisiert, denn gerade die großen Konzerne am Online-Markt würden über steuerliche Privilegien verfügen, welche der Betrieb vor Ort nicht habe.<BR /><BR />„Wir haben alle das gleiche Ziel, wir wollen langfristig lebendige Gemeinden“, stellte auch der Präsident des Gemeindenverbandes, Dominik Oberstaller fest. Der Vinschgau sei ein Vorreiter bei Fördermodellen für Betriebe gewesen, der Gemeindenverband befasse sich derzeit mit einer Musterverordnung dazu. „Ich hoffe, dass diese dann von den Gemeinden genutzt wird“. Die Netzwerktreffen „Gemeinsam für lebendige Orte“ sollen weitergehen, darin waren sich alle einig. Man möchte auf jeden Fall Verhältnisse wie im Bundesland Tirol verhindern, denn dort seien viele Ortskerne nach einer jahrzehntelang verfehlten Politik so gut wie tot. Und „was einmal weg ist, ist weg und kommt so schnell nicht wieder“, wie Gemeindenverbandschef Oberstaller in Bezug auf geschlossene Betriebe im Dorf feststellte.