Fast 40 Grad, wenig Abkühlung: Die extreme Hitzewelle setzt nicht nur Menschen zu. Auch Hunde, Katzen und andere Haustiere leiden unter den hohen Temperaturen. Tierärztin Dr. Katharina Moser erklärt im Interview, woran man Überhitzung erkennt, warum ein Spaziergang bei Hitze für Hunde aus mehreren Gründen gefährlich ist und worauf sie Hundebesitzer in Bozen gerne aufmerksam machen möchte.<BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1347873_image" /></div> <BR /><b><BR />Frau Dr. Moser, was bedeuten Extremtemperaturen über längere Zeiträume für Haustiere in der Stadt?</b><BR /><BR />Katharina Moser: Tiere leiden unter der Hitze natürlich genauso wie wir Menschen. Allerdings können Hunde und Katzen nicht schwitzen, um die Temperatur auszugleichen. Sie regulieren ihre Körpertemperatur vor allem über die Atmung. Hunde hecheln zum Beispiel, um sich abzukühlen. Bei Hitze hecheln sie häufiger, sie verlieren mehr Flüssigkeit und müssen entsprechend viel trinken. Was ich aus meiner Erfahrung sagen kann, ist, dass die Besitzer aber sehr vorsichtig und gut informiert sind. Wir haben heuer im Vergleich zu früheren Jahren kaum Fälle von Hitzeschlag erlebt. Die Besitzer gehen mit ihren Hunden nur früh am Morgen oder am Abend spazieren, also wenn es kühler ist. Sie vermeiden die größte Hitze und stellen ausreichend Wasser bereit. Ein Risiko bleibt natürlich, wenn Hunde im Auto gelassen werden. Aber auch hier sind durch die Aufmerksamkeit der Medien in den vergangenen Jahren Tierbesitzer besser informiert. Dass ein Hund oder eine Katze im Auto zurückgelassen wird, kommt inzwischen viel seltener vor.<BR /><BR /><b>Was bedeutet es für einen Hund oder eine Katze tagsüber in einer Wohnung zu sein, in der es sehr heiß ist?</b><BR /><BR />Moser: Die meisten Tiere regulieren sich selbst relativ gut. Man sieht, dass sie sich weniger bewegen. Hunde liegen viel, Katzen sind sehr intelligent und suchen sich kühle Plätze, zum Beispiel im Bad auf den kühleren Fliesen oder im Eingangsbereich. Sie suchen sich also selbst Orte, an denen sie sich zurückziehen können. Wichtig ist natürlich, dass immer Wasser zur Verfügung steht. Was man in heißen Zeiten häufig beobachtet, ist, dass die Tiere lethargischer sind, sich weniger Bewegen, nicht so gerne hinausgehen und teilweise auch weniger fressen.<BR /><BR /><b>Wie ist es bei Vögeln, etwa bei Kanarienvögeln?</b><BR /><BR />Moser: Im Grunde gleich. Sie trinken in solchen Zeiten mehr. Manche Vögel baden gerne, um sich abzukühlen. Es ist eher selten, dass sie im Haus wirklich Probleme bekommen. Sie können sich durch ihre natürlichen Mechanismen abkühlen und bewegen sich bei Hitze einfach weniger. Ein Thema ist Hitze eher bei Hunden mit viel oder sehr dichtem Fell. Sie schaffen es möglicherweise nicht so gut, sich allein durch einen kühlen Platz und durch das Trinken ausreichend abzukühlen. Die Besitzer sind aber meistens sehr aufmerksam und achten darauf, dass die Hunde nicht überhitzen.<BR /><BR /><b>Wie erkenne ich, ob ein Hund einen Hitzeschlag hat oder besonders stark leidet?</b><BR /><BR />Moser: Meistens am massiven Hecheln. Der Hund beruhigt sich nicht mehr, weil er so stark hechelt, um seine Temperatur ausgleichen zu können. Besonders gefährdet sind Hunde mit sehr dichtem, etwa huskyartigem Fell sowie Hunde mit kurzer Schnauze, die ohnehin schlechter Luft bekommen, schlecht atmen und deshalb eher zur Überhitzung neigen. Bei großer Hitze kann der Atembereich zusätzlich anschwellen, sodass Atemprobleme entstehen und sie schneller überhitzen. Weitere Anzeichen dafür, dass Tiere Probleme mit großer Hitze haben, sind starker Durst und Lethargie. In schweren Fällen liegen sie in Seitenlage, können nicht mehr aufstehen, oder fallen teilweise sogar ins Koma. <BR /><BR /><b>Das war früher häufiger der Fall?</b><BR /><BR />Moser: Ja. In den letzten Jahren hat das abgenommen, heuer gab es weniger Fälle. Vor ein paar Jahren hatten wir immer wieder Hunde, die entweder im Auto zurückgelassen worden waren, bei großer Hitze spazieren gegangen waren oder aufgrund ihrer kurzen Schnauze schlecht Luft bekamen. Diese Tiere hatten dann massive Überhitzung und Atemprobleme und mussten gekühlt werden.<BR /><BR /><b>Was passiert, wenn jemand mit seinem Hund bei großer Hitze über heißen Asphalt oder heiße Platten geht?</b><BR /><BR />Moser: Asphalt kann sich massiv aufheizen und bei den Tieren richtige Verbrennungen verursachen. Am Anfang merkt das Herrchen oder das Frauchen das oft gar nicht, aber mit der Zeit bilden sich Blasen an den Pfoten, Hunde können kaum noch laufen und haben durch die Verbrennungen starke Schmerzen. Die Verletzungen heilen zwar wieder, aber für das Tier ist das sehr unangenehm und verursacht durch die Schmerzen massive Probleme beim Gehen. Therapeutisch kann man nicht besonders viel machen, außer Schmerzmittel zu geben und eventuell Pfotenverbände oder kleine Schuhe zu verwenden, damit die Pfoten weniger belastet werden. Das kommt noch manchmal vor, aber seltener als früher. Auch hier hat sich in den vergangenen Jahren durch die Aufmerksamkeit der Medien viel verbessert.<BR /><BR /><b>Wenn Sie selbst durch die Stadt gehen: Beobachten Sie aus beruflicher Sicht manchmal einen problematischen Umgang mit Haustieren?</b><BR /><BR />Moser: Ich finde schon, dass sich einiges massiv verändert hat. Die Tiere werden meistens wie Familienmitglieder behandelt und sehr gut versorgt. Ich sehe selten etwas, bei dem ich denke, dass es gefährlich für das Tier ist. Was im vergangenen Jahr und auch heuer eher ein Problem geworden ist, sind die Grannen. Das sind die kleinen, widerhakenartigen Teile bestimmter Gräser. Sie können sich im Fell festsetzen oder eingeatmet werden und dann in die Nase, die Ohren oder die Pfoten gelangen. Sie können auch durch die Haut wandern und dort massive Abszesse verursachen. Diese sind oft gar nicht so leicht zu finden. Darauf würde ich die Tierbesitzer gerne stärker aufmerksam machen. Wir haben heuer wieder sehr viele Fälle gesehen. Das Problem nimmt leider zu, weil diese Gräser überall wachsen. Besonders an der Talferpromenade sieht man sie sehr häufig.