<b>Braucht es heute überhaupt noch eine Reiseapotheke?</b><BR /><BR /> Ich bekomme immer wieder Anfragen meiner Patienten, welche Medikamente sie in den Urlaub mitnehmen sollen“, sagt Dr. Doris Hager-Prainsack, Ärztin für Allgemeinmedizin in Meran und Präsidentin des Instituts für Allgemeinmedizin und Public Health Bozen. „Eine Beratung vor Reiseantritt ist sinnvoll, da die eigene Ärztin/der eigene Arzt für Allgemeinmedizin Vorerkrankungen, Allergien und laufende Therapien kennt. Mögliche Wechsel- oder Neben-wirkungen können somit bereits bei der Zusammenstellung der Reiseapotheke berücksichtigt werden“, betont Dr. Hager-Prainsack. Auch wenn Medikamente heute vielerorts erhältlich sind, bleibt eine eigene Reiseapotheke wichtig. Bei Magen-Darm-Beschwerden, kleineren Verletzungen oder anderen akuten Problemen ermöglicht sie eine rasche Erstversorgung. Im Ausland können zudem Sprachbarrieren, unbekannte Medikamentennamen oder unter-schiedliche Qualitätsstandards den Medikamentenkauf erschweren. Innerhalb Europas ist laut Dr. Hager-Prainsack zumeist eine reduzierte Grundausstattung ausreichend.<BR /><BR /><b>Was gehört unbedingt in die Reiseapotheke?</b><BR /><BR />Schmerz- und Fiebermittel, Medikamente gegen Magen-Darm-Beschwerden, ein Anti-Allergikum, Mückenschutz und Verbandsmaterial gehören für Dr. Doris Hager-Prainsack in jede Reiseapotheke: „Zur Grundausstattung zählen entzündungshemmende und schmerz-lindernde sowie fiebersenkende Medikamente, Mittel gegen Durchfall oder Verstopfung, Elektrolytpulver gegen Flüssigkeitsverlust sowie Präparate gegen Übelkeit und Erbrechen. <BR /><BR />Hinzu kommen wasserabweisende Pflaster, Desinfektionsmittel, sterile Kompressen, eine elastische Fixierbinde und eine Wund- und Heilsalbe. Je nach Reiseziel können auch eine Pinzette, Plastikhandschuhe, ein digitales Fieberthermometer, Händedesinfektionsmittel oder eine Schutzmaske sinnvoll sein. Der wichtigste Bestandteil jeder Reiseapotheke ist jedoch die persönliche Dauermedikation. Diese sollte in ausreichender Menge und möglichst in der Originalverpackung mitgeführt werden“, so Dr. Hager-Prainsack. Der Inhalt der Reiseapotheke sollte ein- bis zweimal jährlich sowie wenige Wochen vor Reisebeginn kontrolliert werden. Abgelaufene Medikamente sind auszutauschen, geöffnete Tuben, Augentropfen oder Nasen-sprays auf ihre Haltbarkeit zu überprüfen.<BR /><BR /><b>Ibuprofen, Paracetamol, Antibiotika: Was ist wirklich notwendig?</b><BR /><BR />„Ibuprofen und Paracetamol gehören zu den bewährten Basis-Medikamenten“, erläutert Dr. Hager-Prainsack. „Ibuprofen wirkt zusätzlich entzündungshemmend und eignet sich etwa bei Muskel- und Gelenkschmerzen. Bei Magenproblemen, Nierenschwäche oder Flüssigkeits-mangel ist aber Vorsicht geboten. Paracetamol kann gut bei Kopfschmerzen und Fieber verwendet werden, die empfohlene Höchstdosis sollte nicht überschritten werden. Bei vor-bestehenden Lebererkrankungen ist hier Vorsicht geboten“, unterstreicht Dr. Hager-Prainsack.<BR /><BR /><BR />„Die eigenständige Mitnahme und Einnahme von Breitband-Antibiotika auf Reisen ist nicht sinnvoll und birgt gesundheitliche Risiken“, klärt Dr. Hager-Prainsack auf. Gegen virale Infekte sind Antibiotika wirkungslos, auch Reisedurchfall heilt meist von selbst aus. Eine falsche Anwendung kann die Darmflora schädigen und Antibiotikaresistenzen fördern. Nur in Aus-nahmefällen kann nach ärztlicher Verordnung ein Stand-by-Antibiotikum sinnvoll sein.<BR /><BR /><b>Was hilft bei Insektenstichen, Hautreizungen und Allergien?</b><BR /><BR />„Hausmittel wie eine Ringelblumensalbe (Calendula) oder z.B. eine feuchtigkeitsspendende Aloesalbe können bei unkomplizierten Hautirritationen ausreichen“, hebt Dr. Doris Hager-Prainsack hervor. Dies gilt etwa für leichte Hautrötungen, einen leichten Sonnenbrand oder unkomplizierte Mückenstiche. Bei stärkerer oder zunehmender Rötung, Bläschenbildung, starker Schwellung, Fieber oder Atemnot ist hingegen eine ärztliche Abklärung erforderlich. Rezeptfreie Hydrokortison-Cremes mit niedriger Dosierung sind laut Dr. Hager-Prainsack für typische Beschwerden (Insektenstiche, Sonnenallergien, Ekzeme, etc.) unterwegs hilfreich und somit eine gute Ergänzung für die Reiseapotheke. „Ein Antihistaminikum gehört in die Reiseapotheke, da es der beste und schnellste ,Retter„ bei unvorhersehbaren allergischen Hautausschlägen und allergischen Reaktionen ist“, sagt die Allgemeinmedizinerin.<BR /><BR /><b>Warum ist Sonnenschutz unverzichtbar?</b><BR /><BR />„Sonnenschutz gehört ohne Ausnahme in jede Reiseapotheke und auch ins Handgepäck“, bekräftigt Dr. Hager-Prainsack. Ein schwerer Sonnenbrand entspricht einer Verbrennung ersten oder zweiten Grades und kann Fieber, Kreislaufprobleme und andere Beschwerden verursachen. „Ich empfehle einen Lichtschutzfaktor (LSF) von mindestens 30 – besser LSF 50 – und darauf zu achten, dass das Produkt sowohl vor UVB (Sonnenbrand) als auch UVA (Hautalterung und -schäden) schützt. Auf die Haltbarkeit muss geachtet werden: Die bereits geöffnete Sonnencreme vom Vorjahr kann die Schutzwirkung verloren haben“, informiert Dr. Doris Hager-Prainsack. Bei Sonnenbrand rät sie, ausreichend zu trinken und feuchtigkeits-spendende After-Sun-Produkte (z.B. mit Aloe Vera) zu verwenden. Bei Notwendigkeit kann Ibuprofen eingenommen werden. „Wichtig ist auch, an einen entsprechenden Kopfschutz (Hut oder Mütze) zu denken“, fügt Dr. Hager-Prainsack hinzu.<BR /><BR /><b>Muss die Reiseapotheke an spezielle Reiseziele angepasst werden?</b><BR /><BR />„Die medizinische Grundausstattung bleibt als Basis für jede Reiseapotheke immer gleich“, erklärt Dr. Hager-Prainsack. Schmerzmittel, Pflaster, Desinfektionsmittel und Verbandsmaterial bilden unabhängig vom Reiseziel die Grundlage. „Je nach Klima, medizinischer Infrastruktur und lokalen Gesundheitsrisiken im Urlaubsland muss die Reiseapotheke allerdings ergänzt werden“, sagt die Präsidentin des Instituts für Allgemeinmedizin und Public Health Bozen. Bei Fernreisen sollte rechtzeitig abgeklärt werden, ob zusätzliche Impfungen notwendig sind. Eine medizinische Beratung sollte idealerweise mehrere Monate vor Reiseantritt erfolgen.