„In der Regel kann man über das Werk erkennen, was im Leben gerade läuft oder wo es hingegen nicht gut läuft“, bringt die in Bozen tätige Kunsttherapeutin Ulrike Hoffmann eine wesentliche Komponente der Kunsttherapie ins Spiel. Im Werk bzw. im Werkprozess lassen sich innere Bilder, Gefühle, Konflikte, persönliche Vorstellungen und dergleichen mehr ausgestalten und visuell darstellen. <BR /><BR />Auf diese Weise erfolge oft eine differenzierte Wahrnehmung des Selbst. Darauf aufbauend könne der Teilnehmer sich selbst und sein Umfeld besser einschätzen und sein Leben neu ordnen. <BR /><BR />Die Expertin Ulrike Hoffmann erklärt es folgendermaßen: „Wir Kunsttherapeuten versuchen, die gesunden Anteile zu stärken, indem wir den persönlichen Schaffensprozess der Teilnehmer begleiten. Wir bieten Erfahrungsräume, laden zum Entdecken der eigenen Kreativität ein und auf diese Weise stärken die Beteiligten ihre Wahrnehmung und ihren Ausdruck.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1048686_image" /></div> <BR />Die Menschen, welche Ulrike Hoffmann als Kunsttherapeutin begleitet, könnten unterschiedlicher kaum sein: Jugendliche mit Essstörungen, Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen, ehemalige Häftlinge, Opfer von Gewalt und grundsätzlich Menschen in Krisen bzw. schwierigen Lebenslagen. Und doch haben sie alle etwas gemeinsam: Den Wunsch nach Akzeptanz, innerem Frieden und Genesung. „Wir geben den Rahmen vor, bieten Materialien und Werkzeuge an, stehen begleitend zur Seite, damit sich die Beteiligten bestmöglich entfalten können“, erklärt Ulrike Hoffmann, die in der Dantestraße seit knapp 10 Jahren ein Atelier leitet.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1048689_image" /></div> <BR /><BR /> Je nach Person gibt es unterschiedlich geeignete Kunstformen und Materialien. Bei ehemaligen Häftlingen eignen sich Holz und schweres Gerät gut, für Menschen mit Depressionen ist indessen Ton geeignet, Jugendliche mit Essstörungen verwirklichen sich am besten beim Malen mit dünnen Filzstiften. Das verleihe ihnen, die üblicherweise sehr streng zu sich selbst sind, ein Gefühl der Kontrolle. Dagegen spricht das Malen mit Wasser- und Acrylfarben besonders stark die Emotionen an. <BR /><BR />Was vermag die Kunsttherapie zu bewirken? Ulrike Hoffmann bringt das Beispiel einer Frau, die unter Essstörungen gelitten hatte und unter ihrer Obhut eine Vielzahl an Bildern und Tonarbeiten angefertigt hat: „Sie war zunächst sehr streng zu sich selbst und lebte zurückgezogen, ehe es ihr gelang, sich selbst zu akzeptieren und mit der Außenwelt eine gesunde Beziehung aufzubauen.“<BR /><BR /><BR /><b>Erst in der Pension zur Kunst gefunden</b><BR /><BR />Selbst zur Kunsttherapie gefunden hat indessen Fernando Guerra aus Bozen. Bevor er in Rente ging, fühlte er sich als Baustellenleiter in erster Linie seiner Arbeit verpflichtet, danach aber fiel er in ein Loch, litt an Depressionen. Zufällig begann er sich für die Fertigung von Tonfiguren zu interessieren – erst mit Mitte 60. Seine Tochter Emily erklärt: „Daraus wurde sein Lebenselixier, die Tonfiguren füllten seinen Alltag aus, die Zeit begann zu verfliegen. So entstanden im Verlauf von 10 Jahren mehr als 200 Tonskulpturen – Köpfe, Tiere, Ganzkörperfiguren.“ Fernando begann neu aufzublühen. Eine Ausstellung mit seinen Figuren und mit Bildern einer weiteren Kunsttherapie-Künstlerin ist derzeit in den Ausstellungsräumen der Galerie Spazio Uno in Bozen zu sehen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1048692_image" /></div> Letzthin haben in Südtirol die Kunsttherapien mit den 4 bekannten Kategorien (Kunst, Musik, Tanz und Theater) viel Zuspruch erhalten. Das zeigt auch das spezialisierte Netzwerk „Healing Arts“, welches vor 5 Jahren aus der Taufe gehoben wurde und in dem mehr als ein Dutzend diplomierte Kunsttherapeutinnen zusammengeschlossen sind. Sie sind in Psychiatrien und Schulen genauso tätig wie für Einrichtungen im soziosanitären Bereich oder für Vereine. <BR /><BR /> „Wir sind immer als Ergänzung zur medizinischen oder psychotherapeutischen Behandlung zu sehen“, sagt Ulrike Hoffmann. Eine Ergänzung mit oftmals erstaunlichen Wirkungen. So erklärte ein Betroffener, der selbst Künstler ist, unlängst bei einer Tagung: „Wenn ich male, dann vergesse ich Parkinson und Parkinson vergisst mich.“ <BR /><BR />Info: Ausstellung in der Galerie „Stazione Uno“ in der Bozner Bahnhofsallee mit Werken von Fernando, Ingrid sowie Opfern von häuslicher Gewalt und Menschen mit Down-Syndrom. Geöffnet von 14 bis 18 Uhr, läuft noch im Juli.