Montag, 26. September 2016

„Was Männer bewegt“: 15 Jahre Männerberatung

Sich Sorgen und Ängste von Mann zu Mann von der Seele zu reden, das war die Idee, welche vor 15 Jahren hinter der Gründung der Caritas Männerberatung stand. Rund 5.000 Männer aus ganz Südtirol haben diesen Dienst seitdem in Anspruch genommen. Am Freitag, den 30. September, feiert die italienweit erste Männerberatungsstelle ihren halbrunden Geburtstag - und lädt zu verschiedenen Workshops rund um das Thema "Was Männer bewegt" ein.

Erich Daum, Guido Osthoff, Waltraud Deeg, Franz Kripp und Paolo Valente bei der Pressekonferenz am Montag. - Foto: DLife
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Erich Daum, Guido Osthoff, Waltraud Deeg, Franz Kripp und Paolo Valente bei der Pressekonferenz am Montag. - Foto: DLife

„Die Gesellschaft hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert und damit verbunden auch die Rolle des Mannes. Viele sind damit nicht klar gekommen, haben sich gleichzeitig aber auch gescheut, Hilfe zu suchen. Probleme lassen sich aber nicht einfach nur aussitzen, nur wenn sie angesprochen und angegangen werden, lassen sie sich auch lösen. Manche Männer tun sich damit leichter, wenn ihr Gegenüber auch ein Mann ist“, sagten die beiden Caritas-Direktoren Franz Kripp und Paolo Valente am Montag. Es sei dies die Idee gewesen, welche vor 15 Jahren hinter der Gründung der Männerberatungsstelle gestanden habe.

Die Männerberatung: Ein Erfolgsmodell

Unter der Leitung des damaligen Vorsitzenden der Katholischen Männerbewegung, Peter Plattner, und der finanziellen Unterstützung des Amtes für Frau, Familie und Jugend der Autonomen Provinz Bozen betrat die Projektgruppe damals Neuland. "Schon bald erwies sich die Beratungsstelle als Erfolgsmodell"; sagten am Montag die beiden Caritas-Direktoren rückblickend.

Waltraud Deeg: "Politik muss Rahmenbedingungen schaffen"

Auch Landesrätin Waltraud Deeg zeigte sich überzeugt: „Auch Männer wollen sich heute aktiv an der Familienarbeit beteiligen, sie wollen diese erleben, spüren und mitgestalten. Es herrscht jedoch noch große Diskrepanz zwischen Wunsch und Möglichkeit. Die Politik und auch die Gesellschaft muss darauf reagieren und mithelfen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Väter diesem Bedürfnis gerecht werden können.“

5000 Klienten in 15 Jahren

Mittlerweile suchen im Jahr durchschnittlich 340 neue Klienten die Männerberatung auf, in den vergangenen 15 Jahren waren es insgesamt 5.000. „Die Anliegen der ratsuchenden Männer sind dabei ganz unterschiedlich, eines zeichnete sich aber von Beginn an ab: Viele Männer tun sich mit der Kommunikation innerhalb ihrer Partnerschaft bzw. Familie schwer. Oft erkennen sie die Probleme zu spät oder sie schaffen es nicht, über ihre Schwächen und Probleme zu reden“, so Guido Osthoff, der Leiter der Caritas Männerberatung.

Unterschiedliche Auffassungen bei der Kindererziehung seien häufig Ursache für Konflikte in der Partnerschaft, die veränderte Männer- und Vaterrolle, aber auch Lebenskrisen, psychische Probleme und auch Gewalt seien ebenfalls häufig mit im Spiel.

Seit 5 Jahren Anti-Gewalt-Training

Dabei hat sich das Anti-Gewalt-Training der Männerberatung als hilf- und erfolgreich erwiesen. „Dieses wird mittlerweile seit fünf Jahren angeboten. Daran teilgenommen haben bisher 68 Männer, von denen 33 das Training auch zu Ende geführt haben“, berichtete Osthoff am Montag.

„Das kommt nicht nur den Betroffenen zugute, sondern auch ihrem Umfeld, speziell den Frauen und Kindern, die häufig Opfer solcher gewalttätigen Übergriffe sind.“ Auch das jüngste Angebot, die Männer AG, werde gut genützt.

Finanziell unterstützt wird die Caritas Männerberatung von der Familienagentur des Landes sowie über freiwillige Spenden der Klienten. Das Anti-Gewalt-Training, welches in Kooperation mit den Frauenschutzzentren angeboten wird, wird vom Amt für Kinder- und Jugendschutz und soziale Inklusion des Landes gefördert.

Geburtstag mit Workshops

Ihr 15-jähriges Bestehen feiert die Caritas Männerberatung am Freitag, den 30. September, ab 15 Uhr an ihrem Sitz unter den Bozner Lauben 9 bzw. Gummergasse 6. Eingeladen sind alle interessierten Männer (und natürlich auch Frauen). In Form von Workshops wird das Thema „Was Mann bewegt“ aufgearbeitet. Doch auch der gesellige Teil soll und wird nicht zu kurz kommen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich

stol

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