Bei den Gehältern wird aktuell die Anpassung an die hohe Inflation gefordert und zum Teil auch durchgeführt. An diesem Punkt hat Generalvikar Runggaldier bei der Besoldung der Priester eine klare Forderung. <BR /><BR /><b>Wie viel verdient ungefähr ein Priester?</b><BR />Generalvikar Eugen Runggaldier: Ein Priester in Italien bekommt monatlich eine Unterhaltszahlung von 1000 bis 1300 Euro, je nach Dienstjahren und Auftrag. Weil es sich nicht um einen Lohn, sondern um einen monatlichen Pauschalbetrag handelt, bekommen Priester nur 12 Mal eine solche Unterhaltszahlung; sie müssen keine Meldung machen, wenn sie krankheitsbedingt nicht arbeiten können. Zu dieser Unterhaltszahlung hinzu kommen die Messintentionen, also das Geld, das Gläubige dem Priester anlässlich einer Messfeier geben; derzeit sind es 10 Euro pro Messfeier. Ein Priester erhält maximal eine Messintention pro Tag, also nochmals höchstens 300 Euro im Monat.<BR /><BR /><b>Was muss er davon selbst bezahlen?</b><BR />Generalvikar Runggaldier: Hier ist zu unterscheiden, welchen Auftrag ein Priester hat. Die Priester, die eine Pfarrei leiten – also Pfarrer – müssen mit dem eigenen Geld nur das bezahlen, was sie persönlich brauchen: Essen, Kleidung, Auto, Kosten von Hobbys. Priester, die keine Pfarrei leiten, müssen auch für Miete und Wohnnebenkosten aufkommen. Falls ein Priester eine Haushaltshilfe beschäftigt, in Teil- oder Vollzeit, ist diese zu seinen Lasten.<BR /><BR /><b>Was wird einem Priester normalerweise zur Verfügung gestellt?</b><BR />Generalvikar Runggaldier: Priester, die eine Pfarrei leiten, also Pfarrer, bekommen die Wohnung samt allen Wohnnebenkosten gratis zur Verfügung gestellt. Für alle Priester wurde eine Zusatzkrankenversicherung abgeschlossen. Zudem werden zentral für jeden Priester jährlich 1400 Euro für die Klerusrente einbezahlt. Schließlich gibt es in unserer Diözese einen Solidaritätsfonds für Priester, bei dem Mitbrüder, die in finanzieller Not sind, um eine Hilfe ansuchen können.<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-60285417_quote" /><BR /><BR /><b>Sie sagten, dass Priester die 10 Euro für eine Messintention selbst behalten dürfen. Wie sieht es mit Spenden aus, etwa bei einer Taufe, bei Trauung oder Beerdigung?</b><BR />Generalvikar Runggaldier: Für Taufen und Trauungen werden in unserer Diözese keine Gebühren verlangt. Bei Beerdigungen können Gebühren verlangt werden, die aber die Höhe des Messstipendiums für jeden mitwirkenden Priester nicht übersteigen dürfen. Spenden dürfen nicht als Zahlungen für geleistete Arbeit betrachtet werden und gehören daher grundsätzlich der Pfarrei, außer die Person, welche die Spende macht, sagt ausdrücklich etwas anderes.<BR /><BR /><b>Wenn wir das alles zusammenzählen: Reicht dieses Geld aus Ihrer Sicht aus?</b><BR />Generalvikar Runggaldier: Ob das Geld reicht oder nicht, hängt wesentlich davon ab, welchen Lebensstil jemand führt bzw. welche Ansprüche er hat. Das Geld ist für jene knapp, die eine Haushaltshilfe bezahlen müssen. Aber es ist etwas Grundsätzliches im Blick zu behalten: Der Priester verspricht bei der Weihe zwar nicht in Armut zu leben, die Armut gehört aber zusammen mit Gehorsam und Keuschheit zu den evangelischen Räten, denen sich jede getaufte Person verpflichtet weiß. Der Priester sollte sich im Besonderen darum bemühen, einen einfachen Lebensstil zu führen und das, was er nicht braucht, zu teilen.<BR />Im Zusammenhang mit der Frage, ob das Geld reicht, wird oft der Vergleich mit anderen Menschen mit einer akademischen Ausbildung gemacht und festgestellt, dass Priester im Vergleich dazu wenig verdienen. Aber wieso sollen sie sich mit jenen vergleichen, die ein großes Gehalt haben? Sie könnten sich genauso gut mit einer einfachen Arbeitskraft vergleichen, die fast dasselbe verdient und damit eine Familie erhalten muss. Priester müssen finanziell nur für sich selbst und ihre Bedürfnisse aufkommen. Und dafür reicht das Geld allemal.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="914944_image" /></div> <BR /><BR /><b>Die Lebenshaltungskosten – von Strom bis Einkauf – sind in den vergangenen Monaten stark gestiegen: Gab es für Priester eine Anpassung?</b><BR />Generalvikar Runggaldier: Für die Priester, die eine Pfarrei leiten – und das sind die meisten – kommt die Pfarrei für alle Wohnnebenkosten auf. Die anderen müssen diese selber stemmen. Es wurde keine Anpassung vorgenommen.<BR /><BR /><b>Südtirol gehört zu den teuersten Regionen Italiens: Ist es richtig, dass italienweit einheitlich nach dem Punktesystem besoldet wird?</b><BR />Generalvikar Runggaldier: Alle Priester in Italien werden nach demselben Punktesystem bezahlt. Die Unterhaltszahlung wird vom Zentralinstitut für den Unterhalt des Klerus überwiesen.<BR /><BR /><b>Mit einer Anpassung an die gestiegenen Lebenshaltungskosten?</b><BR />Generalvikar Runggaldier: Da Priester keinen Lohn bekommen, sondern eine Unterhaltszahlung, um die Spesen für den eigenen Unterhalt zu zahlen, sollte diese regelmäßig an die Inflation, also an die effektiven Spesen, angepasst werden, was jedoch nicht erfolgt.<BR />Zudem wünsche ich mir in Bezug auf die Besoldung, dass wir Priester nie vergessen, dass wir als Getaufte allgemein und als Priester im besonderen für uns gewählt haben, uns „Tag für Tag enger an Christus zu binden“ und damit auch seine Lebensweise anzunehmen, wie es in der Weiheliturgie heißt. Dies mit Freude und Hingabe zu tun ist nicht unser Beruf, sondern unser Berufung.<BR /><BR />