Allein bis April gab es heuer gleich viel Betreute bei der Lebensmittelausgabe wie im gesamten Jahr 2021.<BR /><BR />Insbesondere in den vergangenen Monaten sind zahlreiche Familien in finanzielle Schwierigkeiten geraten: Das bestätigt auch Carlo Alberto Librera, der Abteilungsdirektor für Dienste an der örtlichen Gemeinschaft der Stadtgemeinde Bozen. „Teils auch coronabedingt, stellen wir eine ziemliche Zunahme an Bedürftigkeit fest. Wir stehen ständig in Verbindung mit dem Banco Alimentare‘, der als Vermittler zwischen den einzelnen Organisationen auftritt, die Lebensmittelspenden verteilen. In den Jahren 2020 und 2021 wurden vom Staat beträchtliche Summen für den Ankauf insbesondere von Lebensmitteln und Produkten des täglichen Bedarfs zur Verfügung gestellt, die vom ‚Banco Alimentare‘ verwendet werden konnten.“ Wie es in Zukunft mit diesen Beihilfen aussieht, bleibe abzuwarten. <BR /><BR />Im Welfare-Bereich bemühe sich die Stadt und Bürger könnten sich an die verschiedenen Stellen in den Stadtvierteln wenden, um eine entsprechende Unterstützung zu erhalten, erklärt Librera. Ein Problem stellt nach wie vor die Scham dar, denn „Einheimische wollen sich nicht zusammen mit Migranten in eine Reihe stellen.“ Derzeit sei man dabei, verschiedene zusätzliche Hilfsmöglichkeiten auszuloten, beispielsweise, wie man bei hohen Strom- oder Gasrechnungen den betroffenen Familien finanzielle Beiträge gewähren könnte. <BR /><BR />„Natürlich hat sich die starke Preissteigerung negativ auf unsere Tätigkeit ausgewirkt. Für uns ist es auch schwieriger geworden, die bedürftigen Familien zu kontrollieren, denn Strom und Gas wurden bisher bei der Berechnung der Bedürftigkeit nicht so sehr berücksichtigt“, erläutert Sabine Eccel vom VinziMarkt. Es seien doch viele, die noch mit Gas heizen würden, wobei sich dies jetzt in den Sommermonaten zwar nicht belastend niederschlagen würde, aber spätestens im Herbst werden manche vor für sie unbezahlbaren Rechnungen stehen.<BR /><BR />„Es kommen auch immer mehr Einheimische zu uns, an jedem Tag, an dem wir geöffnet haben, kommt jemand neuer dazu. Derzeit sind es an die 900 Menschen, die wir unterstützen“, berichtet Eccel. Betrachtet man die Gesamtzahl der Betreuen im Bereich Lebensmittelspenden, fällt auf, dass heuer allein bis April fast gleich viele Personen betreut wurden, wie 2021 das ganze Jahr über. Immer mehr Familien, die es bisher noch irgendwie geschafft haben, über die Runden zu kommen, müssen jetzt Unterstützung annehmen. <BR /><BR />Ein Problem für den VinziMarkt stellt oft die frische Ware dar, also Obst und Gemüse. Diese sei generell schwerer zu erhalten. Derzeit helfen noch die örtlichen Bauern mit, die dem VinziMarkt frische Ware zur Verfügung stellen. „Meine bange Frage ist jedoch, wie lange wir das noch durchhalten können“. <BR /><BR />Der „Banco Alimentare“ beliefert, laut Auskunft des langjährigen Mitarbeiters Adolfo Da Ponte, rund 40 karitative Einrichtungen im ganzen Land. „Die Anfragen nach Lebensmittel sowie Produkten des täglichen Bedarfs seien letzthin stark angestiegen, auch wegen der zahlreichen Flüchtlinge aus der Ukraine. Wir haben unser Großmagazin in der Buozzistraße, wo wir dann regelmäßig die Waren verteilen bzw. an die verschiedenen Organisationen weiterleiten.“ Enttäuschend sei das vor wenigen Wochen stattgefundene Treffen mit dem zuständigen Stadtrat Juri Andriollo gewesen, „der uns mitteilen musste, dass für den Rest des Jahres keinerlei finanzielle Hilfe mehr geleistet werden könne. Ihre Mittel und Fonds seien aufgebracht, auch für das kommende Jahr schaut es sehr schlecht aus.“ Was der „Banco“ bräuchte, wäre eine regelmäßige und verlässliche Anlieferung von Waren, ansonsten seien die Organisation außerstande, weiterhin Hilfe zu leisten.