<b>Von Elisa Steiner</b><BR /><BR />Ein Format, das heute gleichermaßen etabliert wie beliebt ist, sorgte am Morgen des 10. März 1996 für eine große Überraschung: Am Tag nach ihrer Hochzeit schlug die Boznerin Irene Lunger bei einem gemütlichen Kaffee die „Zett“ auf – und erblickte sich selbst als strahlende Braut an der Seite ihres Mannes Christian Mair. Was sie sah: ihre eigene Hochzeitsanzeige – damals eine absolute Premiere.<BR /><BR />Ihre Freundin Edith Runer, damals Redakteurin bei der „Zett“, hatte diese initiiert: Weil sie selbst nicht an der Hochzeit teilnehmen konnte, schickte sie kurzerhand einen Fotografen zur Trauung. Die Braut selbst bekam davon nichts mit – zu groß war der Trubel. Damit war ein neues Format in der Zeitung geboren – und Irene Lunger und Christian Mair wurden, ohne es zu ahnen, <?Uni SchriftWeite="96ru"> Teil Südtiroler Mediengeschichte.<?_Uni> <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1312848_image" /></div> <BR />„Da wurde uns bewusst, dass wir das erste Paar überhaupt waren, das bei seiner Hochzeit abgelichtet wurde und in der „Zett„ erschien“, schmunzelt sie heute, 30 Jahre später. Aufgeregte Anrufe von Freunden und Familie folgten: „Habt ihr gesehen? Ihr seid in der Zeitung!“<BR /><BR /><h3> Gefragt hatte keiner – gehalten hat es trotzdem</h3>An den Antrag selbst kann sich Irene Lunger nach all den Jahren allerdings nicht mehr erinnern. „Darüber müssen wir heute noch lachen. Keiner weiß mehr, wer wen gefragt hat. Wir haben einfach gemeinsam beschlossen, uns zu verloben“, erzählt sie lachend. An die Hochzeit vor 30 Jahren hingegen erinnert sich Lunger umso genauer. Geheiratet wurde in der Kirche in Frangart – in derselben, in der bereits ihre Eltern und Großeltern geheiratet hatten und in der sich erst im vergangenen Jahr auch ihre Tochter und dessen Partner das Ja-Wort gaben. Gefeiert wurde im Kartheinerhof in Kaltern.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1312851_image" /></div> <BR />Der Weg dorthin glich einem kleinen Abenteuer: Das Brautpaar musste mehrere Stationen bewältigen – vom Kekse backen an einer Bushaltestelle bis hin zu einer Tanzvorführung in der Kellerei Kaltern. Umgeben von rund 65 Hochzeitsgästen wurde bis in die frühen Morgenstunden getanzt, gefeiert und genossen. „Wir würden wieder so heiraten. Wenn ich sehe, wie viel Aufwand heute betrieben wird, muss ich sagen: So, wie wir es damals gemacht haben, war es perfekt“, blickt Irene zurück.<h3> Humor als Zutat – Zusammenhalt als Rezept</h3>Alle geschlossenen Ehen in ihrer Familie haben gehalten. Irenes Eltern waren bis zum Tod ihres Vaters im Jahr 2012, 41 Jahre lang, glücklich verheiratet. Ihre Großeltern auch mehrere Jahrzehnte – wie viele genau, kann sie heute nicht mehr sagen. Überzeugt sei sie jedoch, dass in ihrer Familie das Gefühl der Ehe als gemeinsamer Weg über die Generationen hinweg weitergegeben wurde. <BR /><BR />Als Rezept für eine gelingende Ehe nennt die 55-Jährige vor allem eines: „Humor ist wichtig! Ich denke, wenn man das Leben und sich selbst nicht zu ernst nimmt, wird vieles leichter.“ Natürlich habe es auch in ihrer Beziehung Höhen und Tiefen sowie auch schwierige Zeiten gegeben. Wenn man diese aber gemeinsam durchstehe, wachse die Beziehung daran – entscheidend seien Verständnis füreinander und die Bereitschaft, sich gegenseitig zu stützen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1312854_image" /></div> <BR />Und im vergangenen Jahr dann schloss sich für Irene Lunger ein Kreis: Fast drei Jahrzehnte später gab sie selbst eine Hochzeitsanzeige in der „Zett“ auf – diesmal für ihre Tochter Julia.<BR /><BR /><h3> Wie die Hochzeitsanzeigen in die „Zett“ kamen</h3>Ein Stück Südtiroler Mediengeschichte: Hochzeitsanzeigen waren 1996 ein absolutes Novum. Eingeführt wurden sie vom damals 28-jährigen „Zett“-Chefredakteur Günther Heidegger. Als erste Südtiroler Zeitung überhaupt nahm die Sonntagszeitung diese Form der Anzeige (damals kostenlos) entgegen. <BR /><BR />Die Idee dahinter war simpel: Weil rund 90 Prozent der Hochzeiten samstags stattfanden, bot die „Zett“ die ideale Bühne für eine Anzeige samt Foto. Deutlich aufwendiger als heute gestaltete sich jedoch die technische Abwicklung der Brautpaarbilder. Vorab musste – wie heute – ein Platz reserviert werden, dann war eigenständig eine Filmrolle vorbeizubringen. Die Fotos wurden nämlich in der Dunkelkammer am Weinbergweg entwickelt und für den Druck aufbereitet. <BR /><BR />Die veröffentlichten Bilder wurden somit zur Überraschung – sowohl für das Brautpaar als auch für Freunde und Verwandte. Das Format traf den Nerv der Zeit: In den späten 1990ern war es nicht üblich, Menschen im Anzeigeformat bei solch freudigen Anlässen in Zeitungen zu zeigen. Die Resonanz war entsprechend groß, ein regelrechter Boom setzte ein. Und bis heute sind die Hochzeitsfotos aus der „Zett“ nicht mehr wegzudenken.