Die Ständige Beobachtungsstelle über die Wasserressourcen in den Ostalpen hat bereits die erste Warnstufe (geringe Gefährdung) für einen möglichen Wassermangel im Einzugsgebiet der Etsch ausgerufen.<BR /> Die Bauern werden nun aufgefordert, nur bei Notwendigkeit zu bewässern und möglichst nur in den Abend-, Nacht- und Morgenstunden. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1315773_image" /></div> <BR /><BR />„In den nächsten Tagen ist weit und breit kein nennenswerter Niederschlag in Sicht“, sagt Landesmeteorologe <b>Dieter Peterlin</b>. „Ganz im Gegenteil, jetzt kommt erstmal ein sehr stabiles Hoch auf uns zu mit sommerlichen Temperaturen, das zumindest eine Woche anhalten wird.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1315776_image" /></div> <BR /><BR />Notwendig wären jedoch ergiebige Niederschläge: „Es bräuchte mehrere Tiefs – immer wieder mal für zwei oder drei Tage: 50 Millimeter Niederschlag im Zehn-Tages-Abstand wären optimal“, meint der Amtsdirektor für Hydrologie und Stauanlagen, <b>Roberto Dinale</b>. Zu stark sollte der Regen aber auch nicht ausfallen, denn sonst bestehe die Gefahr von Hochwasser. „Und das Wasser fließt dann schnell ab. Der Niederschlag sollte eine nicht zu starke Intensität haben, damit er auch in die Böden eindringt“, erklärt der Amtsdirektor. <h3> Bescheidene Schneerücklagen in den Bergen</h3>„Die ersten drei Wochen im Mai waren kühl und normal verregnet – doch sie folgten auf eine sehr trockene Periode, die seit November andauert“, sagt Dinale. „Das Niederschlagsdefizit hat sich somit nicht verschlechtert, bleibt aber bestehen.“ Auch die Schneerücklagen auf den Bergen seien entsprechend bescheiden und nur mehr über 2500 Meter zu finden. „Derzeit schätzen wir die Schneereserve auf etwa 250 Millionen Kubikmeter Wasseräquivalent, was der Gesamtkapazität der großen Stauseen in Südtirol entspricht“, sagt Dinale. „Die großen Stauseen haben Anfang Mai ihren saisonalen Tiefstand erreicht. Die derzeit von der Wasserkraft gespeicherte Wassermenge beträgt 60 Millionen Kubikmeter. Das entspricht einem durchschnittlichen Füllgrad der Stauseen von 25 bis 30 Prozent. Dieser Wert liegt für die Jahreszeit im Normbereich. Angesichts des Schneemangels in den Bergen ist es jedoch wahrscheinlich, dass sich die Stauseen in den nächsten zwei Monaten nicht wie üblich füllen“, gibt Dinale zu bedenken. Dies würde dann zu einem Mangel an verfügbaren Ressourcen für die Stromerzeugung aus Wasserkraft und damit auch für die Landwirtschaft führen.<h3> Etsch: 80 Kubikmeter Wasser pro Sekunde notwendig</h3>Bekanntlich muss die Etsch ausreichend Wasser führen, damit die südlich von Südtirol gelegenen Provinzen nicht Probleme mit dem Trinkwasser und der landwirtschaftlichen Bewässerung ihrer Felder bekommen. Mindestens 80 Kubikmeter Wasser pro Sekunde müssen an der Mündung der Etsch abfließen, um die Trinkwasserversorgung der Provinz Rovigo sicher zu stellen, sagt der Amtsdirektor. Dies entspreche bereits über 200 Millionen Kubikmetern Wasser pro Monat. Dinale verweist auch darauf, dass in der Ebene Venetiens 260 Millionen Kubikmeter Wasser pro Monat aus Bewässerungskonzessionen hinzukommen. Diese Menge brauche es nicht immer, wenn es regnet oder kühl ist. Und führe die Etsch nicht genug Wasser, dann gebe es entsprechende Verordnungen, um die Obergrenze für mögliche Entnahmen zu reduzieren. „Derzeit ist eine Reduktion von 30 Prozent in Kraft“, erklärt Dinale.<h3> Schneeschmelze bringt etwas Erleichterung</h3>In der ersten Maihälfte habe die Etsch bei Branzoll 91,6 Kubikmeter Wasser pro Sekunde im Tagesmittel geführt. „Wir sind im Bereich der Monatsminima für Mai seit dem Jahr 1990“, erklärt Dinale. „Ganz schlimm ist es nicht – wir kommen damit gerade noch aus“, sagt Dinale. Die kühlen Temperaturen in der ersten Maihälfte waren in punkto Wasserreserven ein Vorteil, sagt Dinale. Damit sei die Schneeschmelze im Hochgebirge noch etwas hinausgezögert worden. Dies werde für ein etwas mehr Wasserverfügbarkeit in den bevorstehenden Wochen sorgen.