„Wir hatten zwei gute Jahre, damit muss man rechnen“, sagt Obmann Josef Pichler. „Wir hängen von der Bewässerung der Bauern ab. Auf unserem Wasser sind Beregnungskonzessionen.“ „Bei uns hat die Trockenheit einen doppelten Effekt“, erklärt Ulrich Gufler, Verwaltungsangestellter der Elektrogenossenschaft Gomion. <BR /><BR />„Es fließt weniger Wasser und die Bauern brauchen mehr zum Beregnen.“ Deshalb komme es jedes Jahr zu Abschaltungen, berichtet Josef Pichler. Dann, aber nicht nur dann, sondern auch im Winter kauft die Elektrogenossenschaft Gomion Strom von Alperia zu.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1347408_image" /></div> So ein trockenes Jahr wie heuer gab es auch 2022 und davor 2003. Die wasserarmen, heißen Jahre werden also vermutlich häufiger. Josef Pichler nimmt es mit Gleichmut: „Solche Jahre gibt es immer wieder.“ Allerdings macht sich der Obmann langfristig doch Sorgen: „Man muss sich schon fragen, wie es in zehn Jahren aussehen wird. Die Gletscher gehen zurück. Was über die Passer aus dem Tal rinnt, ist zu zwei Drittel Gletscherwasser. Wir müssen uns Gedanken machen, um in Zukunft noch Wasserreserven zu haben.“<BR /><BR />Die Elektrogenossenschaft Gomion wurde 1973 gegründet und ist seit 2020 eine historische Genossenschaft ohne Verteilerkonzession, was einige Vorteile bringt. „Italienweit gibt es nur sechs, drei davon in Südtirol“, sagt Obmann Pichler stolz. „Neben uns gibt es historische Genossenschaften ohne Verteilerkonzession in Walten und St. Helena.“<h3> 155 Mitglieder</h3>Die Elektrogenossenschaft Gomion zählt 155 Mitglieder, die Hälfte sind Bauern, die andere Hälfte private Haushalte in den Weilern Gomion, Schlattach, Glaiten (alle St. Leonhard) und Hinteregg, Christl und Breiteben (alle St. Martin). Auch ein Gasthaus und ein kleiner Handwerksbetrieb zählen zu den Abnehmern. Es gibt fünf Angestellte: drei Techniker, den Verwaltungsangestellten Ulrich Gufler und eine Putzfrau. Die Techniker arbeiten auch mit der EUM (Energie- und Umweltbetriebe Moos) zusammen.<BR /><BR />Zusatzeinnahmen erwirtschaftet die Elektrogenossenschaft Gomion mit dem Sommer- und Winterdienst auf den Bergstraßen für die Gemeinde St. Leonhard und mit dem Spleißen von Glasfaserleitungen. Das kommt den Mitgliedern finanziell zugute.<BR /><BR />Betrieben werden die Kleinkraftwerke Langwies, Gomion und Glaiten. Der Jahresverbrauch der Mitglieder liegt bei rund 1,5 Millionen Kilowattstunden. Der Rest wird an den GSE (Gestore dei Servizi Energetici) verkauft.<h3> Batteriespeicher</h3>Seit einigen Jahren ist die Elektrogenossenschaft Gomion mit einer neuen Herausforderung konfrontiert. Ihre Mitglieder setzen zunehmend auf Fotovoltaik und speisen den Strom ein. Mittags fällt so oft mehr Strom an, als gerade gebraucht wird, während der Bedarf am Abend steigt. Deshalb prüft die Genossenschaft in einer Studie den Einsatz von Batteriespeichern, um die Schwankungen über den Tag auszugleichen.<BR /><BR />Auch ein Fernheizwerk zur Versorgung der Mitglieder war eine Idee von Josef Pichler. Allerdings sind dafür die Entfernungen zu den Abnehmern zu groß. Also wurden die Mitglieder beim Umstieg auf neue Heizsysteme mit einem Beitrag unterstützt. Viele haben bis dahin mit Strom geheizt. „Wir haben 60 Anlagen mitfinanziert“, ist der Obmann zufrieden. So konnten 500.000 Kilowatt Strom eingespart werden. „Der Stromverbrauch steigt überall. Wenn wir es schaffen, den Stromverbrauch gleich zu halten, dann ist schon viel erreicht“, ist Josef Pichler überzeugt.<h3> Lesbare Stromrechnung</h3>„Die Genossenschaft steht heute gut da, ganz anders als bei ihrer Gründung vor 50 Jahren“, sagt Ulrich Gufler stolz. Damals hätten die Mitglieder viel riskiert und viel Eigenleistungen erbringen müssen. Heute sind alle Stromleitungen der Elektrogenossenschaft Gomion unterirdisch verlegt, der Strompreis ist niedrig. Die Mitglieder haben einen Ansprechpartner vor Ort, der sie auch bei Stromeinsparungsmöglichkeiten berät, und, das freut Gufler ebenfalls, „die Stromrechnung ist so gestaltet, dass sich jeder auskennt“.