Dienstag, 11. August 2015

Weg von "Massen-Firmung" hin zur bewussten Entscheidung

Die Kirche in Südtirol bekommt ein neues Gesicht und die Feier und Vorbereitung der Sakramente sind, wie viele andere Bereiche, von diesen Veränderungen betroffen. Das am Dienstag veröffentlichte Visionspapier der Diözesansynode stellt sich dieser Herausforderung.

Im 11. Visionspapier der Synode geht es unter anderem um die Firmung - Archivbild
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Im 11. Visionspapier der Synode geht es unter anderem um die Firmung - Archivbild - Foto: © D

Das Visionspapier beschäftigt sich mit dem Thema „Sakramente vorbereiten, feiern und leben“. Das neue Gesicht der Südtiroler Kirche bestehe darin, so die Synodalen, dass die Leute „den biblisch-christlichen Glauben ganz bewusst und in freier Entscheidung als ihr Lebensmodell“ wählen.

Menschen müssen und sollen sich bewusst für Glauben entscheiden

Mit dieser Vision verabschiedet sich die Ortskirche von der volkskirchlichen Versuchung, Glauben auf gesellschaftliche Konvention zu gründen, und stellt die zukünftige Sakramentenpastoral unter die Perspektive einer bewussten Entscheidung für den Glauben.

Mehr denn je sind die Gläubigen der Zukunft „mündige Menschen und sind sich der Verantwortung bewusst, die sie sich selber gegenüber und gegenüber der Gemeinde tragen.“ Aus diesen Prämissen leiten die Synodalen weitreichende Schlussfolgerungen ab.

Zunächst gilt für alle Sakramente, dass „die Feier der Sakramente und das Leben aus den Sakramenten in einem engen Zusammenhang stehen“. Gegen die starke Tendenz, die Feier der Sakramente, insbesondere der Taufe und der Ehe, zu privatisieren, betont die Synode deshalb, dass „auch die Hinführung zu den Sakramenten in das alltägliche Leben der Pfarrangehörigen eingebettet“ ist.

Firmung soll nicht mehr an Schulklassen, sondern an Richtalter gekoppelt werden

Dieser Grundsatz betrifft zunächst die Initiationssakramente Taufe, Firmung und Eucharistie. Diese werden „grundsätzlich in Anwesenheit der Gemeinde gespendet.“ Während dies bei Firmungen und Erstkommunionen bereits der Fall ist, wird hier in Hinblick auf die Taufen eine deutliche Änderung der gängigen Praxis angedacht. Ebenso deutlich wird sich die Vision auswirken, dass Vorbereitung auf die Erstkommunion und die Firmung „von fixen Jahrgangsstufen der Schule entkoppelt“ ist.

In Bezug auf die Firmung soll im weiteren Verlauf der Synode ein „Richtalter“ vorgeschlagen werden. Es soll gewährleistet sein, dass das Sakrament eine Bekräftigung des Glaubens“ ist, „die der Firmling bewusst trifft“. In dieselbe Kerbe schlagen die Synodalen in Bezug auf die Erstkommunion, deren Vorbereitung „von der Gemeinde und den Eltern in gemeinsamer Verantwortung getragen“ wird.

"Die Firmlinge sollen selbst entscheiden, ob sie für die Firmung bereit sind oder nicht", erklärt Reinhard Demetz, der Sekretär der Diözesansynode, im Gespräch mit STOL. "Es soll nicht so sein, dass Jugendliche in etwas hineingezwängt werden, das sie nicht wollen, das schadet der Glaubwürdigkeit. Es soll eine bewusste Entscheidung sein." Natürlich bestehe die Gefahr, dass sich viele Jugendliche gegen eine Firmung entscheiden. "Aber jene, die sich für das Sakrament entscheiden, werden umso bewusster antreten", ist Demetz überzeugt. Ein genaues Alter wurde noch nicht festgelegt.

Nach Scheitern einer Ehe soll Neuanfang gewagt werden

Das in der Synode kontrovers diskutierte Thema Ehe und Familie findet auch hier wieder seinen Platz. „Ehepaare,“ schreiben die Synodalen, „werden in ihrem Leben von der Pfarrgemeinde begleitet und in ihrer Lebensweise unterstützt und gestärkt.“ Eine besondere Herausforderung stellt sich hier durch „Paare, in denen die Partner verschiedenen Religionen und Kulturen angehören.“ Hier sieht die Synode für die christlichen Gemeinden den Auftrag, diesen Paaren „mit der nötigen Diskretion zur Seite“ zu stehen und sie als „Keimzellen des Dialogs“ zu würdigen.

"Gerade in Zeiten der Migration sind Paare verschiedener Konfessionen keine Seltenheit", so Demetz. Man solle dem Thema offen gegenüber stehen und die Vielfältigkeit als Bereicherung sehen.

Auch für die viel diskutierte Frage des Scheiterns vieler Ehen findet die Synode klare Worte: „Ein menschliches Scheitern in diesem Sakrament schließt, nach einem Reifungsprozess, einen Neuanfang nicht aus.“ Im Kontext von Schuld und Scheitern steht auch das Sakrament der Versöhnung. Hier „erfahren Menschen, die Schuld auf sich geladen haben und darunter leiden, Entlastung, Zuspruch und Vergebung durch Gott und die Gemeinschaft der Kirche.“

Priestermangel: In größeren Ortschaften Möglichkeit zur Beichte

Durch den zunehmenden Priestermangel ist die Erreichbarkeit eines Priesters vor Ort aber schon jetzt nicht immer gegeben. Für die Zukunft steckt sich die Synode also das Ziel, dass „in allen größeren Orten der Diözese Gelegenheiten zur Beichte angeboten“ werden. Ähnlich verhält es sich mit der Krankensalbung, wobei sich hier die Synode beim bisherigen Stand der Dinge auf eine Benennung der Problemlage beschränkt: „Wird im Krankenhaus darum gebeten, stellt sich das Problem, dass die Spendung mit dem Priesteramt verbunden ist.“ Grundsätzlich soll für alle Sakramente gelten: „Die Gemeinschaft der Glaubenden ist offen und lädt ein: Wer immer nach den Sakramenten fragt, ist willkommen.“

Die Sakramente sind also für die Synode nicht als Privileg für Insider zu verstehen, sondern als Hinwendung zu den Suchenden. „Die Sichtweise der Fragenden, ihre Lebenserfahrung werden als Herausforderung verstanden und als Aufforderung, die eigenen Wurzeln zu vertiefen.“ Mit dem Visionspapier zu den Sakramenten schließt die Synode den Zyklus der ersten Veröffentlichungen ab.

Insgesamt elf Papiere wurden in den letzten sechs Wochen veröffentlicht. Das zwölfte Papier, zu den überdiözesanen Themen, durchläuft zu Zeit noch eine Redaktion durch die Kommission und wird zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht.

Im Oktober und November wird sich das Plenum der Synode mit den Maßnahmen befassen, mit welchen die Visionen der Synode umgesetzt werden sollen. Der Abschluss der Synode erfolgt am 8. Dezember 2015.

liz

stol