Freitag, 03. Juli 2020

Wegbereiter der Grünen: Vor 25 Jahren starb Alexander Langer

Vor 25 Jahren, am 3. Juli 1995, ist Alexander Langer im Alter von 49 Jahren gestorben.Langer galt als Wegbereiter der Grünen.

War ein kritischer Geist, der am Leben zerbrach: Alexander Langer.
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War ein kritischer Geist, der am Leben zerbrach: Alexander Langer. - Foto: © De Vries
„Die Lasten sind mir zu schwer geworden, ich derpack's einfach nimmer. Bitte verzeiht mir alle – auch die Art des Weggehens (...) Seid nicht traurig, macht weiter, was gut war“: Mit diesen Worten hat sich Alexander Langer, Gründungsvater und Wegbereiter der Südtiroler Grünen, vor 25 Jahren aus diesem Leben verabschiedet.

Tod am Todestag seines Vaters

Er wurde am 4. Juli 1995 erhängt an einem Marillenbaum aufgefunden, in einem Olivenhain auf einem Hügel oberhalb von Florenz – in der Nähe der Wohnung, in der er damals mit seiner Frau Valeria lebte. Langer galt bereits am Tag vorher als vermisst; laut Autopsie hat er sich am 3. Juli zwischen 20 und 21 Uhr das Leben genommen. Am 3. Juli des Vorjahres war Langers Vater gestorben, zu dem er zeitlebens ein sehr enges Verhältnis hatte. Alexander Langer hinterließ 3 Abschiedsbriefe, einem davon sind die eingangs angeführten Sätze entnommen.

Alexander Langer wurde am 22. Februar 1946 in Sterzing geboren. Bereits in frühen Studienjahren wirkte er als Integrationsfigur der italienischen 68er-Bewegung, ab den späten 1970er-Jahren als einflussreicher Friedens- und Umweltaktivist. In Südtirol war Langer 1978 der erste Landtagsabgeordnete der von ihm wesentlich geprägten alternativen Bewegung. In Italien zählte er ab den frühen 1980er-Jahren zu den maßgeblichen Wegbereitern der grünen Partei, die er von 1989 bis zu seinem Tod im Europaparlament vertrat.

In Südtirol selbst wurde seine interethnische Politik von vielen Seiten kritisiert. Er hatte sich auch wiederholt geweigert, eine Sprachgruppenerklärung abzugeben. Aus diesem Grund konnte er 1995 bei den Gemeinderatswahlen nicht als Bürgermeisterkandidat in Bozen antreten.

„Hat seine Zeit wesentlich mitgeprägt“

Die Grünen würdigen Alexander Langer in einer Aussendung: „Unserem Vordenker sind wir Grünen Südtirols stets verbunden, er bleibt uns immer noch Inspiration und Richtungsweisung.“ Langer habe vielerorts Spuren hinterlassen: „in der italienischen und europäischen Umweltbewegung, die er mitbegründet hat, im Europaparlament, wo er gewirkt hat – und natürlich auch in seinem Heimatland Südtirol, wo er seine Zeit ganz wesentlich mitgeprägt hat.“

Langer habe von Anbeginn die Umweltpolitik an die soziale Gerechtigkeit und das Zusammenleben geknüpft. „Von Alexander Langer haben wir gelernt, ein besonderes Gespür für die Grenzen zu entwickeln. Denn es gibt Grenzen, die es zu respektieren und zu stärken gilt – etwa die Grenzen des Wachstums, der Ausbeutung, der Begehrlichkeiten. Und es gibt Grenzen, die zu überwinden sind: die Grenzen in den Köpfen, die Grenzen zwischen den Kulturen und Sprachgruppen. Diesen Auftrag spüren wir, die nach Alexander Langer weiter machen, immer noch.“ Grundlage jeglichen Tuns sei der Friedensgedanke; für diesen Ansatz stehe die Taube im Parteisymbol: „Wir versuchen ihn weiter zu tragen – hoffentlich im Sinne unseres großen Vordenkers“, so die Grünen.

stu