Freitag, 29. Januar 2021

Wegen Corona deutlich weniger Migration in die EU

Die Zahlen der Asylanträge sowie der unerwünschten Grenzübertritte in die EU sind im vergangenen Jahr coronabedingt deutlich zurückgegangen. Mit 114.300 irregulären Grenzübertritten zwischen Jänner und November habe es ein Sechs-Jahres-Tief gegeben, teilte die EU-Kommission mit. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sei dies ein Rückgang um 10 Prozent.

„Das Tor Europas“ – ein Mahnmal auf Lampedusa, das jenen gewidmet ist, die über das Mittelmeer nach Europa kommen.
„Das Tor Europas“ – ein Mahnmal auf Lampedusa, das jenen gewidmet ist, die über das Mittelmeer nach Europa kommen. - Foto: © APA/afp / FILIPPO MONTEFORTE
Die Anzahl der Asylanträge lag zwischen Jänner und Oktober demnach sogar 33 Prozent unter dem Wert des Vorjahreszeitraums. Insgesamt waren es 390.000 Anträge – 349.000 davon Erstanträge.

Die EU-Kommission veröffentlichte ihre Angaben auf Grundlage neuer Daten etwa der UNO, der EU-Statistikbehörde Eurostat oder der EU-Grenzschutzagentur Frontex. Aktuelle Daten zur legalen Migration in die EU sollten zu einem späteren Zeitpunkt folgen. Allerdings sei auch da ein deutlicher Rückgang zu erwarten, hieß es.

EU-Innenkommissarin Ylva Johansson forderte die EU-Staaten dazu auf, die Zeit für Fortschritte bei der geplanten Asylreform zu nutzen. „Die niedrigeren Migrantenzahlen bedeuten weniger Arbeit für die Asylsysteme, sodass jetzt eine gute Gelegenheit ist, uns auf faire, effiziente und belastbare Maßnahmen zu einigen.“

Deutlich weniger Menschen (minus 74 Prozent) kamen vor allem über die östliche Mittelmeerroute in die EU. Dies sei hauptsächlich auf die geringe Anzahl der Einreisen von der Türkei nach Griechenland zurückzuführen, dürfte sich aber wohl unter anderem aufgrund politischer und wirtschaftlicher Entwicklungen wieder ändern, hieß es in der Mitteilung der EU-Kommission.

Mehr Migranten über Spanien und Malta

Doch nicht überall gingen die Zahlen zurück. Über das zentrale Mittelmeer nach Spanien und Malta stieg der Wert im Jahresvergleich um 54 Prozent. Auch nach Spanien kamen deutlich mehr Menschen. Besonders betroffen von dem Zuwachs um 46 Prozent waren die Kanarischen Inseln.

Gemessen an Asyl-Erstanträgen pro 100.000 Einwohner waren Zypern und Griechenland die am stärksten betroffenen Länder. Österreich lag 2019 den Angaben der EU-Kommission zufolge im Mittelfeld, hinter Spanien, Schweden, Frankreich, Slowenien und Deutschland, aber vor Italien und den meisten osteuropäischen Staaten.

apa/dpa