Dienstag, 05. Januar 2021

Wegen Fernunterricht: Mehr Schulabbrecher in Italien

Wegen der Corona-Pandemie und der Aussetzung des Präsenzunterrichts für Schüler der höheren Jahrgangsstufen droht vielen italienischen Teenagern ein Ausscheiden aus dem Schulsystem.

37 Prozent der befragten Schüler behaupten, die lange Zeit zu Hause wirke sich negativ auf ihre Lernfähigkeit aus.
37 Prozent der befragten Schüler behaupten, die lange Zeit zu Hause wirke sich negativ auf ihre Lernfähigkeit aus. - Foto: © shutterstock
28 Prozent der italienischen Schüler im Alter zwischen 14 und 18 Jahren berichteten, dass mindestens ein Mitschüler aus der eigenen Klasse die Schule verlassen habe, geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Kinderschutz-Netzwerks „Save the Children“ hervor.

Die Schüler beklagen in einer Umfrage von „Save the Children“ technische Probleme beim Fernunterricht und Konzentrationsschwierigkeiten.

Gerechnet wird, dass 34.000 Schüler bis Ende des Schuljahres das Schulsystem verlassen könnten. Wegen den finanziellen Schwierigkeiten vieler Familien könnten die Schüler dazu veranlasst werden, sich einen Job zu suchen. Wegen des Mangels an Ausbildung drohe ihnen jedoch eine Ausbeutung auf dem Arbeitsmarkt, warnte die Studie.

Schulsorgen durch Pandemie vergrößert

37 Prozent der befragten Schüler behaupten, die lange Zeit zu Hause wirke sich negativ auf ihre Lernfähigkeit aus. 27 Prozent meinen, ihre Schulleistungen hätten sich während der Pandemie verschlechtert. Nur 16 Prozent sind der Ansicht, von der Ferndidaktik zu profitieren.

17 Prozent der Schüler erklärten sich wegen der aktuellen Lage verunsichert, weitere 17 Prozent besorgt, 14 Prozent fühlen sich desorientiert, 14 Prozent nervös und 13 Prozent entmutigt. 42 Prozent der Schüler betrachten es als Ungerechtigkeit, dass Erwachsene trotz Pandemie zur Arbeit gehen dürfen, während sie vom Präsenzunterricht ausgeschlossen seien.

Nach monatelangem Digitalunterricht wegen der Corona-Pandemie für Schüler der höheren Jahrgangsstufen beginnt in einigen italienischen Regionen am Donnerstag wieder der Präsenzunterricht, allerdings auf stark eingeschränkte Weise. Jede Region geht eigene Wege. Die Toskana und das Aostatal starten bereits am Donnerstag mit dem Präsenzunterricht, Kampanien öffnet die Schulen erst am 11. Jänner, Venetien und Friaul Julisch Venetien wollen sich noch bis zum 31. Jänner Zeit nehmen. Ein Schichtbetrieb, sowie das Verschieben von Unterrichtsbeginn und -ende werden geprüft.

In Südtirol öffnen die Schulen bereits am 7. Jänner: „Wir haben entschlossen, wir bleiben bei den bis zu 75 Prozent Präsenzunterricht ab dem 7. Jänner“, erklärte Bildungslandesrat Philipp Achammer den Südtiroler Weg.

apa

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