Es zählen nicht nur mehr Verdienst oder Interessen: „Wir erleben es immer öfter, dass Jugendliche und deren Eltern nachfragen, welche Folgen KI auf ihren Wunschberuf haben könnte“, sagt Benno Elsler, Psychologe beim Amt für Ausbildungs- und Berufsberatung. <BR /><BR />Die Datenlage zu den Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz (KI) auf den Arbeitsmarkt ist derzeit noch nicht eindeutig. Einige Zahlen geben jedoch zu denken: etwa die Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF). Dessen Analyse besagt, dass in fortschrittlichen Volkswirtschaften bei rund 60 Prozent der Arbeitsplätze die KI zum Einsatz kommt. <BR /><BR />„Vollständig verschwinden werden gewisse Berufsfelder kaum, aber die Tätigkeiten verändern sich“, meint Alexa Seebacher, Direktorin des Landesamtes für Ausbildungs- und Berufsberatung. „In Zukunft gilt also nicht mehr die Frage: Will ich die Künstliche Intelligenz nutzen oder nicht, sondern: Wie werde ich fit im Umgang mit der KI“, so Seebacher.<BR /><BR />Wie stark der Einfluss der Künstlichen Intelligenz auf die Berufswelt tatsächlich sein wird, lässt sich aufgrund der rasanten Entwicklung derzeit nur schwer vorhersagen. Grundsätzlich gilt: Routinemäßige Tätigkeiten lassen sich besonders leicht automatisieren. Das bedeutet, dass Künstliche Intelligenz in diesen Bereichen den Menschen eher ersetzen kann als in anderen. <h3> KI ist stark bei Routinearbeit</h3>Vor allem bei der Verarbeitung großer Datenmengen und beim Übersetzen von Texten zeigt KI bereits heute beachtliche Fähigkeiten. „Trotzdem wird es auch hier noch immer einen menschlichen Experten brauchen, der einen letzten Blick auf das Ergebnis der von der KI erledigten Arbeit wirft“, sagt Seebacher.<BR /><BR />Weniger von der Automatisierung bedroht sind hingegen Berufe, bei denen es auf physische Präsenz, sozialen Kontakt oder vernetztes Denken ankommt. Dazu zählen zum Beispiel Berufe im Handwerk oder in der Medizin (siehe Infografik). Doch zum Einsatz kommt die KI schon jetzt auch in diesen Bereichen – etwa zur Unterstützung bei der Materialplanung oder der Auswertung von Diagnosen.<BR /><BR />KI ist also ein zweischneidiges Schwert. Einerseits kann KI den Menschen bei bestimmten Arbeitstätigkeiten unterstützen und somit die Effizienz steigern. Gleichzeitig birgt sie Risiken, den Menschen aus bestimmten Jobs zu verdrängen. Zurecht stellen sich Jugendliche daher in der Berufsberatung die Frage, welchen Einfluss die KI in ihrem Traumberuf künftig haben wird. <BR /><BR />Dieses Phänomen beobachtet auch Benno Elsler, Berufsberater und Psychologe. Persönliche Interessen, Stärken, Ziele und Werte, Arbeitsplatzbedingungen sowie Persönlichkeitseigenschaften haben laut ihm zwar nach wie vor den größten Einfluss auf die Berufswahl. „Doch auch die Frage nach den Auswirkungen der KI wird immer öfter gestellt“, so Elsler. Noch vor einigen Jahren sei dies bei Beratungsgesprächen nie Thema gewesen. <h3> Offenheit und Neugier wichtiger als Sicherheit</h3>Für Elsler sind lebenslanges Lernen, Neugier, Offenheit und eine gewisse Flexibilität wichtige Voraussetzungen, um den eigenen Berufsweg aktiv mitzugestalten – gerade in einer Arbeitswelt, die sich laufend verändert. Diese Eigenschaften seien wichtiger, als nach einem zu 100 Prozent zukunftssicheren Job zu suchen. „Diesen gibt es nämlich nicht“, so Elsler.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1293744_image" /></div> Das Online-Tool „Job Futuromat“ analysiert, wie stark Berufe durch Digitalisierung und KI automatisiert werden können. Es wurde von der Bundesagentur für Arbeit in Deutschland mitentwickelt und soll eine datenbasierte Orientierungshilfe bieten. „Eine hohe Automatisierbarkeit ist kein Anzeichen dafür, dass der Beruf bald nicht mehr existiert. Sie signalisiert nur, dass im Beruf eine Reihe digitaler Technologien zum Einsatz kommen könnte“, wird betont. Ob ein Beruf tatsächlich automatisiert wird, sei nicht gesagt.