Donnerstag, 04. Juli 2019

Wegen Lüge vors Jugendgericht

Für die 15-Jährige, die schlussendlich zugegeben hat, dass die Vergewaltigung nahe der Radbrücke bei der Eurac in Bozen nie passiert ist, könnte sich schon bald ein Strafverfahren wegen Falschaussage und Vortäuschung einer Straftat anbahnen. Die Staatsanwaltschaft am Jugendgericht hat die Akte des Falles erhalten, wie das Tagblatt „Dolomiten“ in seiner Donnerstag-Ausgabe berichtet.

Ein Großaufgebot an Sicherheitskräften durchsuchte Anfang Mai den vermeintlichen Tatort.
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Ein Großaufgebot an Sicherheitskräften durchsuchte Anfang Mai den vermeintlichen Tatort.

Die Staatsanwaltschaft am Jugendgericht untersucht nun die persönliche Familiensituation des Mädchens, ermittelt, was die Triebfeder für ihr Verhalten war und sucht nach Wegen, sie zu unterstützen. Auf Details kann der  Präsident des Jugendgerichtes, Benno Baumgartner, nicht eingehen. Er hebt aber  hervor, dass für das Jugendgericht    prioritär sei, Maßnahmen zu ergreifen, die den   Jugendlichen die Tragweite und Konsequenzen ihrer Tat klar vor Augen führen.

Sollte  formell Anklage erhoben und ein Verfahren eingeleitet werden, könnte dieses auf     Probezeit für die 15-Jährige hinauslaufen. „Bei einer  Probezeit wird der bzw. die Jugendliche in ein  Projekt eingebunden, das seinen bzw. ihren Tag klar strukturiert. Es beinhaltet  Freiwilligenarbeit und psychologische Betreuung“, erklärt Baumgartner.  

Sexuelle Gewalt oft nur schwer festzustellen

Was sich dieser Tage viele fragen: Wie war es möglich, dass das Mädchen die Täuschung aufrecht erhalten konnte, bis die rechtsmedizinischen Untersuchungen sie widerlegt und dazu beigetragen haben dürften, dass die 15-Jährige ihre Aussage widerrufen hat?

Herbert Heidegger, Primar der Gynäkologie am Meraner Krankenhaus, stellt im „Dolomiten“-Interview klar: „Oft ist es extrem schwer zu sagen, ob Geschlechtsverkehr unter Gewaltanwendung stattgefunden hat. Sehr häufig findet man bei den verschiedenen Analysen nicht viel, um eindeutig sagen zu können, ob Gewalt im Spiel war. Ich als Arzt kann nur beschreiben und bestätigen, was ich sehe. Und das steht dann in dem Befund, der den Ermittlern übergeben wird“, sagt Heidegger.

Mehr über die beiden Interviews und den Fall der erfundenen Vergewaltigung lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Tagblatts "Dolomiten".

stol/D

stol