Dienstag, 16. Juni 2015

Wehr darf nicht mehr ausrücken: Das sagt der Kommandant

Michael Gantioler kann die Entwicklungen der vergangenen Tage kaum fassen. „Man hört immer wieder, dass im Notfall Sekunden bzw. Minuten entscheidend sind“, schreibt der Feuerwehr-Kommandant von Waidbruck. Dass seine Wehr aus den Alarmplänen der Landesnotrufzentrale gestrichen wurde, empfindet er als „verantwortungslos und äußerst bedenklich“.

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Foto: © STOL

Unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Streichung wendet sich der Waidbrucker Kommandant in einem Schreiben an diejenigen, die diesen letzten Schritt in seinen Augen zu verantworten haben: an Landesrat Arnold Schuler, an die Gemeinde Waidbruck, an die Abteilung Brand- und Zivilschutz, an den Landesfeuerwehrverband und an den Bezirksfeuerwehrverband Bozen.

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p>Michael Gantioler, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Waidbruck

 

Gantioler spart mit harschen Worten nicht: „Die Freiwillige Feuerwehr Waidbruck ist nach wie vor eine vollwertige Feuerwehr“, stellt er klar. „Sie als nicht einsatzfähig zu bezeichnen, entbehrt jeder rechtlichen Grundlage.“

Was war geschehen?

Wie bekannt, hatte der Waidbrucker Gemeinderat die Jahresabschlussrechnung 2013 und in der Folge auch den Haushaltsvoranschlag 2015 der eigenen Feuerwehr nicht genehmigt. Der Grund: angeblich fehlende Rechnungsbelege.

Laut Bürgermeister Oswald Rabanser ist deshalb „keine reguläre Haushaltsgebarung möglich“ – und demzufolge könne die Wehr seit dem 1. Jänner 2015 „bis auf Weiteres“ keinen regulären Feuerwehrdienst ausüben. Aus diesen Gründen habe der Gemeinderat Ende Jänner den Feuerwehrdienst auf dem Gemeindegebiet von Waidbruck der Wehr von Klausen anvertraut.

Die Feuerwehr reichte Unterlagen nach. Seit 21. Mai liegen, eigenen Angaben zufolge, alle angeforderten Dokumente vor. Man könne nun alles genehmigen, meinte die Feuerwehr. Doch nichts dergleichen geschah – im Gegenteil: Am 10. Juni, forderte Landesrat Schuler die Landesnotrufzentrale auf, die Waidbrucker Wehr aus den Alarmplänen zu streichen.

Was darf Schuler?

Arnold Schuler, zuständiger Landesrat

 

Bei den Ehrenamtlichen vor Ort stößt das auf Unverständnis und Ärger. Gantioler attackiert Schuler: „Dass eine Freiwillige Feuerwehr auf Anweisung eines Landesrates nicht mehr zu Einsätzen gerufen wird, betrachten wir als eine nicht gerechtfertigte Maßnahme mit der Folge einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit.“

Zudem wirft der Kommandant die Frage auf: Darf Schuler das überhaupt? „Wir haben im Landesgesetz vom 18.12.2002, Nr. 15 keinen entsprechenden Hinweis auf die diesbezügliche Kompetenz des Landesrates gefunden.“ Laut Bestimmungen sei alleine der Bürgermeister bzw. die Gemeinde für die örtliche Feuerwehr zuständig.

Gantioler fordert umgehend Schritt zurück

„Dass in der langen Geschichte des Südtiroler Feuerwehrwesens nun erstmals eine Freiwillige Feuerwehr trotz nachweislicher Einsatzfähigkeit nicht mehr zu Einsätzen alarmiert wird, grenzt an Fahrlässigkeit und kann dem Betroffenen bzw. seinen Angehörigen wohl nicht erklärt werden“, meint Gantioler.

„Es ist nicht auszudenken, was passiert, wenn sich im Einzugsgebiet der FF Waidbruck ein Schadensfall ereignet und die Wehrmänner gezwungenermaßen tatenlos zusehen müssen.“ Der Kommandant ersucht Schuler deshalb, die „getroffene Maßnahme umgehend zu widerrufen und die Freiwillige Feuerwehr wieder als vollwertige Feuerwehr in die Alarmpläne einzufügen“.

stol

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