Donnerstag, 10. Januar 2019

Weiter höchste Lawinengefahr in Teilen Österreichs

In weiten Teilen Österreichs herrscht weiterhin große bis sehr große Lawinengefahr. In Salzburg, in Oberösterreich und in der Obersteiermark gab es erneut die höchste Warnstufe 5. Die teilweise massiven Schneefälle hielten ebenso wie in Tirol und Vorarlberg über Nacht an. Noch immer sind zahlreiche Orte von der Außenwelt abgeschnitten. Zudem mussten weitere Straßensperren errichtet werden.

Unglaubliche Schneemassen, so weit das Auge reicht Foto: APA
Unglaubliche Schneemassen, so weit das Auge reicht Foto: APA

Für die nördliche Obersteiermark - vom Dachstein bis zum Hochschwab - gab der Lawinenwarndienst weiterhin mit Warnstufe 5 die höchste Stufe an. In den nördlichen Niederen Tauern - den Schladminger Tauern - galt Warnstufe 4 (”groß”). Die prognostizierten weiteren Neuschneemengen seien vom Dachstein über das Tote Gebirge bis zum Hochschwab eingetroffen. In den vergangenen 24 Stunden fiel in den Nordstaugebieten 80 bis 140 Zentimeter Neuschnee, stellenweise sogar mehr.

Noch Mittwochnachmittag wurden laut Bereichsfeuerwehrverband Liezen weitere rund 30 Gebäude im Bezirk evakuiert. Rund 85 Menschen mussten ihre Wohnräume vorübergehend verlassen. Auch ein Autohaus wurde evakuiert. In Johnsbach brachten die Feuerwehrleute Medikamente an vereinzelte Haushalte, da kein anderer Transportweg möglich war. Zusätzlich zu den bestehenden Straßensperren in der Steiermark wurden auch die Buchauer Straße (B117) über den Buchausattel zwischen Weng bei Admont und St. Gallen in beide Richtungen wegen Lawinengefahr gesperrt. Damit ist der östliche Teil des Bezirkes Liezen nicht mehr über die Steiermark erreichbar, sondern nur mehr über Ober- und Niederösterreich.

Mittwochabend waren die Ortsteile Pyhrn (Stadtgemeinde Liezen) und Hinterwildalpen (Gemeinde Wildalpen) durch umgestürzte Bäume ohne Strom. Donnerstagfrüh gab es zehn ausgefallene Trafo-Stationen bei der Energie Steiermark. Laut Feuerwehr ist in dem Raum auch das Mobilfunknetz ausgefallen. Die Ursache, dass Wintersportler auf einem Sessellift auf der Reiteralm am Mittwoch festsaßen, war wie vermutet ein umgestürzter Baum. Wie die Polizei mitteilte, fiel dieser kurz vor 15.00 Uhr etwa 80 Meter unterhalb der zehnten Stütze auf das Förderseil des Vierer-Sessellifts „Seppn Jet”. Alle 35 Liftgäste wurden unverletzt geborgen.

Galtür im Tiroler Paznauntal ist am Donnerstag ab 10.00 Uhr wieder erreichbar gewesen. Die Behörden entschieden gemeinsam mit der Lawinenkommission am Donnerstagvormittag, die Sperre der Paznauntalstraße (B188) aufzuheben, teilte das Land mit. Auch die Gemeinden St. Leonhard im Pitztal und Kaunertal waren auf dem Straßenweg wieder zu erreichen.

Anders stellte sich die Situation in Hochfügen, Kühtai, Ginzling, Pfafflar und Teile der Gemeinde Berwang dar. Dort blieben die Sperren vorerst aufrecht. Seit Mittwochabend waren auch Weiler in Alpbach, Söll und Ellmau von der Außenwelt abgeschnitten.

In der Nacht kam es zu einem Schneerutsch auf der Tuxer Straße im hinteren Zillertal. Die Straße sei in dem Bereich bereits wieder geräumt und befahrbar, hieß es. Auch in der Gemeinde Berwang ging eine Lawine auf die L21 bei Anrauth ab. Verschüttet wurde niemand. Die L21 blieb vorerst aber ab Rinnen bis Stanzach gesperrt.

Wegen der Schneelast umstürzende Bäume trafen in der Nacht einen Pkw in Kufstein. Der Lenker, ein 49-jähriger Kroate, blieb unverletzt, teilte die Polizei mit. Das Auto wurde hingegen beträchtlich beschädigt. Die Tiroler Bundesstraße (B171) musste in diesem Bereich gesperrt werden. Die Dauer der Sperre war vorerst unbekannt.

Auch in Oberösterreich war die Lawinensituation angespannt. Im alpinen Bereich im Süden herrschte weiterhin Warnstufe fünf, in den Voralpen Stufe vier. Vor allem im Inneren Salzkammergut schneite es ununterbrochen. Zudem wehte starker Wind. Seit Donnerstagvormittag waren die abgeschnittenen Orte Hallstadt und Obertraun mit dem Zug erreichbar, nach Gosau kam man noch nicht. Das oö. Rote Kreuz hat in den drei betroffenen Orten vorsorglich Mitarbeiter stationiert und Material gebunkert, um die Versorgung für medizinische Notfälle sicherzustellen, erklärte Pressesprecher Christian Hartl der APA.

Mindestens 17 Schulen blieben landesweit geschlossen. Nachdem für Freitag vorübergehend eine Wetterberuhigung in Sicht war, rechnet die oberösterreichische Bildungsdirektion in Linz, dass dann nur mehr an elf Schulen kein Unterricht stattfindet. Betroffen waren laut Bildungsdirektion Volks- und Neue Mittelschulen in den drei Bezirken Kirchdorf (mit sieben geschlossenen Schulen), Perg und Urfahr-Umgebung (mit je fünf Schulen).

Fast im ganzen Bundesland Salzburg bestand große bis sehr große Lawinengefahr. Die höchste Warnstufe 5 gab es erneut für einen schmalen Streifen im Bereich der Nordalpen vom nördlichen Pinzgau über das Hagen- und Tennengebirge bis zum Gosaukamm, hieß es im Lawinenwarnbericht des Landes. Hier sind zahlreiche spontane Lawinenabgänge zu erwarten. Die Lawinenexperten rieten von Aktivitäten abseits gesicherter Pisten ab.

Die Zahl der Salzburger Haushalte ohne Strom erhöhte sich in der Nacht auf rund 900. Vor allem im Flachgau sorgten unter der Schneelast gebrochene Bäume für Störungen.

Das Winterwetter hatte auch Vorarlberg weiterhin fest im Griff. Nach wie vor herrschte in den Bergen verbreitet große Lawinengefahr der Stufe 4. Während Schröcken im Bregenzerwald seit 8.00 Uhr vorübergehend wieder erreichbar war, waren der Nachbarort Warth, die Arlberg-Dörfer Lech, Zürs und Stuben sowie Gargellen im Montafon weiter von der Außenwelt abgeschnitten. In der Nacht schneite es teils ergiebig, bis Donnerstagabend sollten bis zu 40 Zentimeter Neuschnee hinzukommen.

Die anhaltenden Schneefälle sorgten im Frühverkehr für Behinderungen, etwa auf der Rheintalautobahn bei Dornbirn Nord und bei Bregenz-Weidach. Hängengebliebene Fahrzeuge sorgten dort für Staus. Laut Angaben des ÖAMTC Vorarlberg sind die Autofahrer derzeit aber auf der Schneefahrbahn mit großer Vorsicht unterwegs. „Unsere Pannenfahrer haben gut zu tun, aber es herrscht kein Chaos - und der Schneekettenverkauf läuft sehr gut”, sagte ÖAMTC-Pressesprecher Jürgen Wagner.

apa

stol