Heftige Gewitter mit Starkregen entluden sich in Ligurien und im Piemont. Vor allem unweit der Stadt Alessandria kam es zu Überschwemmungen und Erdrutschen, mehrere Familien mussten vorsorglich ihre Wohnungen verlassen.Laut Wetterexperten wird das schlechte Wetter im Norden auch am Sonntag bleiben. Die Behörden befürchten weitere Erdrutsche in der Gegend von Borghetto di Vara unweit der ligurischen Hafenstadt La Spezia, die bereits vergangene Woche von schweren Unwettern mit Opfern heimgesucht worden war. Aus Sicherheitsgründen wurden mehrere Straßen gesperrt. Der Zivilschutz befürchtet, dass wegen der heftigen Regenfälle der Po, der längste Fluss des Landes, über die Ufer treten könnte.Laut Angaben des Bauern-Interessenverbandes "Coldiretti" ist der Pegel des Po in Teilen der Region Piemont an einem Tag um 4,5 Meter gestiegen. In Turin herrscht deshalb Alarmbereitschaft. Am Montag bleiben die Schulen der Stadt geschlossen, das Hochwasser wird für die Nacht auf Montag erwartet. Unter besonderer Beobachtung stehen jene Gebiete, wo Nebenflüsse in den Po münden und für Überschwemmungen sorgen könnten. In der Provinz Alessandria wurden bereits am Samstag 522 Personen evakuiert. Die Präfektur und die Provinz hatten eine Warnung für 47 Gemeinden, die am Po liegen, ausgesprochen und die Bürgermeister aufgerufen, jene Personen, die nahe an den Flüssen Po, Tanaro und Bormida wohnen, vorsorglich zu evakuieren.Am Dienstag ist die Stadt Piacenza in Alarmbereitschaft, denn spätestens dann düfte das Wasser des Po die Stadt erreichenAufräumarbeiten in GenuaInzwischen sind Feuerwehrmannschaften und Freiwillige im Einsatz, um die Straßen Genuas von Schlamm und Geröll zu befreien. Nach tagelangen Regenfällen haben sich die Straßen und Gassen der Lagunenstadt in reißende Bäche verwandelt. Der Fluss Bisagno trat über die Ufer und überschwemmte mehrere Stadtteile. Riesige Wasser- und Schlammmassen, die plötzlich durch eine Straße in der Innenstadt strömten, erdrückten vier Frauen und zwei Kinder, die in einem Hauseingang Zuflucht gesucht hatten. Das jüngste Opfer war erst elf Monate alt. Die Wassermassen drückten Schaufenster ein, Schlamm und Trümmer rissen zahllose Fahrzeuge mit.In einigen Vierteln der Hafenstadt kam es zu Stromausfällen. Die Rettungsmannschaften mussten Dutzende Autofahrer in Sicherheit bringen. Erdrutsche wurden in den Genueser Vierteln Bavari und San Desiderio gemeldet. Geschäfte und Unternehmen wurden überschwemmt. Dutzende Familien mussten sich in den oberen Stockwerken der Wohngebäude in Sicherheit bringen. Einige Bewohner retteten sich vor den Fluten, indem sie auf die Dächer der Häuser kletterten. Schulen und Geschäfte wurden geschlossen.Empörte Bürger beschimpften die städtischen Behörden und beschuldigten sie, keine Vorbereitungsmaßnahmen ergriffen zu haben, obwohl seit Tagen heftige Regenfälle angesagt waren. Regierungschef Silvio Berlusconi betonte in einer Mitteilung, offensichtlich sei in der Stadt dort gebaut worden, wo man wegen der Gefahr von Hochwasser nicht hätte bauen dürfen. Der Papst sprach den Familienangehörigen der Opfer sein Beileid aus.Erst vor zehn Tagen hatten verheerende Unwetter die Regionen Ligurien und Toskana heimgesucht, bei denen zehn Menschen ums Leben gekommen waren. apa