Samstag, 21. Februar 2015

Weitere Bestechungsvorwürfe gegen Berlusconi

Nachdem italienische Ermittler am Dienstag die Wohnungen von etwa 20 Frauen durchsucht haben, die an den „Bunga-Bunga“-Partys in der Villa von Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi teilgenommen hatten, häufen sich Bestechungsvorwürfe gegen den Medienunternehmer.

Im Frühling wird das Urteil im Ruby-Prozess erwartet. Die Vorwürfe gegen Berlusconi reißen indes nicht ab.
Im Frühling wird das Urteil im Ruby-Prozess erwartet. Die Vorwürfe gegen Berlusconi reißen indes nicht ab. - Foto: © LaPresse

Berlusconi wird von der Mailänder Staatsanwaltschaft beschuldigt, mit hohen Beträgen das Schweigen von Gerichtszeugen zu zahlen.
Die Berlusconi-Vertraute Nicole Minetti, die im vergangenen November zweitinstanzlich zu drei Jahren verurteilt wurde, weil sie Frauen für den TV-Unternehmer „beschafft“ haben soll, darunter auch die minderjährige Marokkanerin Karima El Mahroug, genannt „Ruby“, kassiere monatlich ein „Gehalt“ von 15.000 Euro vom Ex-Premier, stellten die Mailänder Ermittler fest.

Die Summe werde von Berlusconis Buchhalter überwiesen, der am Dienstag sieben Stunden lang befragt wurde, wie die römische Tageszeitung „La Repubblica“ am Samstag berichtete. Minetti gilt als Schlüsselzeugin in der Ruby-Affäre.

Weitere junge Frauen, die sich an Berlusconis Partys beteiligt hatten, darunter die Marokkanerin Ruby, würden von Berlusconi monatlich hohe Beträge erhalten, behauptet die Mailänder Staatsanwaltschaft, die gegen den TV-Unternehmer wegen Zeugenbestechung ermittelt.

Urteil in dritter Instanz für März erwartet

Der 78-jährige Berlusconi war im vergangenen Jahr im „Ruby“-Prozess um Sex mit minderjährigen Prostituierten und Amtsmissbrauch freigesprochen worden. Im März soll Italiens höchstes Gericht in dem Fall in dritter Instanz entscheiden. Seit etwa einem Jahr laufen weitere Ermittlungen gegen Berlusconi, dessen Anwälte und gegen Frauen, die bei den angeblich wilden Partys anwesend gewesen sein sollen und im „Ruby“-Prozess zugunsten des Ex-Regierungschefs ausgesagt hatten.

Nach Ansicht der Ermittler sollen Berlusconi und seine Anwälte systematisch die Zeugen im „Ruby“-Prozess bestochen haben. Die Ermittlungen stehen vor dem Abschluss, Berlusconi und den weiteren Verdächtigen könnte ein Prozess drohen.

apa

stol