Mittwoch, 18. März 2020

Weitere Coronavirus-Todesfälle: Bundesland Tirol isoliert sich selbst

Österreich ist weiter im Coronavirus-Ausnahmezustand: Nach offiziellen Zahlen des Gesundheitsministerium galten 6 Todesfälle nach einer SARS-CoV-2-Infektion als bestätigt, 1646 Menschen wurden positiv getestet. Das Bundesland Tirol setzt indes eine weitere drastische Maßnahme gegen das Coronavirus und isoliert sich praktisch selbst.

Erster Todesfall in Oberösterreich.
Erster Todesfall in Oberösterreich. - Foto: © APA (Symbolbild/dpa) / Robert Michael
Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) informierte am Mittwochabend darüber, dass alle 279 Gemeinden unter Quarantäne gestellt werden.

Die Heimatgemeinde darf nur dann verlassen werden, wenn es um die Deckung der Grundversorgung geht, um die Daseinsvorsorge oder um zur Arbeit zu kommen. Es ist nur eine Fahrt in den nächsten Ort erlaubt, sofern es im eigenen Ort keinen Arzt, keine Apotheke, kein Lebensmittelgeschäft oder keine Bank gibt. Dann dürfe die Gemeinde verlassen werden.

„Was zum Beispiel nicht geht ist, in einen anderen Ort zu fahren, wenn im eigenen Dorf ein Lebensmittelgeschäft zur Verfügung steht“, erklärte Platter.

Zudem grenze sich das Bundesland Tirol zu seinen Nachbarn ab. Das heißt, dass nur jene ins Bundesland einreisen dürfen, die dort zu Hause sind oder in der kritischen Infrastruktur oder Versorgung arbeiten. Der Warenverkehr bleibt unter bestimmten Voraussetzungen gestattet.

Alle Heimkehrer müssen in Isolation

Da das ganze Bundesland Tirol jetzt offenbar als Corona-Risikogebiet erachtet wird, müssen sich nicht nur Heimkehrer aus Risikoländern wie Italien oder dem Iran für 14 Tage isolieren, sondern alle, die in den vergangenen 2 Wochen irgendwo im Bundesland Tirol waren, sagte Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) auf „Puls 4“.

Nicht gerade förderlich für die Maßnahmen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, war das einsetzende Frühlingswetter.

Am Mittwochnachmittag waren in vielen Parks Wiens insgesamt Tausende Menschen unterwegs. Die Polizei rief die Bevölkerung daher via Facebook dazu auf, das schöne Wetter nicht „für ausgedehnte Freizeitaktivitäten im Freien“ zu nutzen. Die Ausnahmeregelungen der Verordnung zur Eindämmung der Infektionskrankheit „gestatten Wege an der frischen Luft, bevor Ihnen zuhause die Decke auf den Kopf fällt“, stellte die Exekutive klar.

Wie stark sich die Epidemie auf die Wirtschaft auswirken wird, zeigten die ersten Zahlen vom AMS. Seit dem Start der Ausgangsbeschränkungen gibt es Montag und Dienstag zusammengerechnet um 49.000 Arbeitslose mehr als noch Sonntagabend, sagte AMS-Chef Johannes Kopf am Mittwochabend zur APA. Betroffen von der „enormen Steigerung“ in den zwei Tagen seien großteils Beschäftigte aus „dynamischen Branchen“.

Die Regierung stemmt sich mit einem massiven Hilfspaket gegen die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise. Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Vizekanzler Kogler kündigten am Mittwoch nach dem Ministerrat an, die Hilfsgelder von vier auf 38 Mrd. Euro aufzustocken. Als Ziel nannte Kurz, möglichst viele Arbeitsplätze zu retten: „Koste es, was es wolle.“

apa