Dienstag, 10. November 2020

Weiterhin Sorge um Italiens Gesundheitssystem

Der Anstieg der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Italien dürfte sich verlangsamen. Der Reproduktionsfaktor im Land liege bei 1,7 und wachse nicht mehr so schnell wie in den vergangenen Wochen, doch das Gesundheitswesen sei stark unter Druck, betonte der Präsident des Obersten Gesundheitsinstituts, Silvio Brusaferro, bei einer Pressekonferenz am Dienstag.

Das Gesundheitswesen sei weiterhin stark unter Druck, betonte der Präsident des Obersten Gesundheitsinstituts, Silvio Brusaferro, bei einer Pressekonferenz am Dienstag.
Das Gesundheitswesen sei weiterhin stark unter Druck, betonte der Präsident des Obersten Gesundheitsinstituts, Silvio Brusaferro, bei einer Pressekonferenz am Dienstag. - Foto: © ANSA / Andrea Fasani
Es sei wichtig, den Reproduktionsfaktor in allen 20 italienischen Regionen auf 1 zu drücken, um das Gesundheitssystem zu entlasten. Dies sei nur mit verantwortungsbewusstem Verhalten der Bevölkerung möglich. Das Durchschnittsalter der Infizierten liege bei rund 50 Jahren. 524 Fälle pro 100.000 Einwohner zähle man derzeit in Italien.

Zahl der Intensivpatienten steigt

Brusaferro beklagte, dass die Zahl der Covid-Infizierten, die ins Spital eingeliefert werden müssen, rapide steige. In einigen Regionen komme es zu Verzögerungen bei den Behandlungen von Patienten mit anderen Krankheiten, weil Covid-Patienten der Vorrang gegeben werde. Die Zahl der Patienten auf den Intensivstationen nehme stark zu und werde bald eine „kritische Schwelle“ erreichen, warnte Brusaferro. „Wenn wir nicht vernünftig handeln, bricht das Gesundheitssystem zusammen“, mahnte der Experte.

Weil die Lage in Krankenhäusern und auf Intensivstationen schwierig werde, verlangte der Verband der Mediziner von Florenz einen Lockdown der Toskana und des gesamten Landes. Bereits am Sonntag hatte der Ärzteverband Italiens Alarm geschlagen und sich für nationale Sperren ausgesprochen. In den Regionen Abruzzen, Basilikata, Ligurien, Toskana und Umbrien kommt es ab Mittwoch zu Verschärfungen der Anti-Covid-Maßnahmen.

Bisher hat Regierungschef Giuseppe Conte einen nationalen Lockdown wie im Frühjahr konsequent abgelehnt. Am Montag meldeten die Gesundheitsbehörden knapp 25.300 neue Corona-Infektionen und 356 Menschen starben mit dem Coronavirus binnen 24 Stunden . Die Zahlen der Neuinfektionen fallen montags oft niedriger aus, da es am Wochenende weniger Testkapazitäten gibt.

apa