Mittwoch, 20. November 2019

Sohn von Ex-Bundespräsident von Weizsäcker im Wahn getötet

Unvermittelt greift ein Mann am Dienstagabend während eines Vortrags den Chefarzt Fritz von Weizsäcker, Sohn des früheren deutschen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, an. Ein Zuhörer versucht noch, dazwischenzugehen – doch Weizsäcker stirbt noch am Unfallort. Der Verdächtige wird festgenommen.

Fritz von Weizsäcker, zweiter von links, bei der Beerdigung seines Vaters im Jahr 2015.
Fritz von Weizsäcker, zweiter von links, bei der Beerdigung seines Vaters im Jahr 2015. - Foto: © APA (dpa/Archiv) / Maurizio Gambarini

Fritz von Weizsäcker, Sohn des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, ist am Dienstagabend in Berlin erstochen worden. Der Chefarzt hielt gerade einen medizinischen Vortrag in einer Berliner Privatklinik, als ein Mann aus dem Zuschauerraum auf ihn losging, wie eine Polizeisprecherin sagte. Der 59-jährige von Weizsäcker starb noch vor Ort.

Kein persönlicher Kontakt zwischen Opfer und Täter

Ein Tatverdächtiger wurde festgenommen. Bei dem Angreifer handelt es sich um einen 57-Jährigen. Das sagte die Polizei am Mittwoch.

„Es gibt keine persönliche Beziehung zwischen dem Beschuldigten und dem Getöteten“, sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Berlin, Martin Steltner. Details zu der allgemeinen Abneigung des Verdächtigen gegen die Familie von Weizsäcker wollte Steltner nicht nennen. Der Tatverdächtige soll vor der Attacke polizeilich nicht aufgefallen sein.

Noch am Mittwoch begutachtete ein Psychiater den Angreifer. Nach dem vorläufigen Ergebnis hat dieser eine akute psychische Erkrankung. Deshalb sei auf einen Antrag auf Haftbefehl verzichtet und die Unterbringung beantragt worden.

Polizist lebensgefährlich verletzt

Potenziell lebensgefährlich verletzt worden sei ein 33 Jahre alter Polizist, der außerhalb seines Diensts privat unter den Zuhörern saß und den Angreifer überwältigen wollte. Nach einer Operation soll der Beamte wieder außer Lebensgefahr sein.

Etwa 20 Zuschauer zugegen

Der Vorfall ereignete sich gegen 18.50 Uhr in der privaten Schlosspark-Klinik in der Nähe des Charlottenburger Schlosses. Ein Mann aus dem Zuschauerraum – es soll sich um einen Polizisten gehandelt haben, der privat dort war – soll dazwischen gegangen und dabei selbst schwer verletzt worden sein. Mehrere Menschen aus dem Publikum halfen laut Polizei, den Täter festzuhalten und der Polizei zu übergeben. Zu dem Vortrag in einem Tagungsraum der Abteilung für Psychiatrie waren etwa 20 Zuschauer gekommen.


In der Klinik gibt es laut Website regelmäßig Veranstaltungen, die sich in der Regel an interessierte medizinische Laien wenden, die etwas über Erkrankungen, deren Diagnose und Therapiemöglichkeiten erfahren möchten. Für Dienstagabend war von Weizsäckers Vortrag zum Thema Fettleber angesetzt („Fettleber – (K)ein Grund zur Sorge?“).

Die Klinik liegt am Schlosspark Charlottenburg. Sie hat nach Angaben auf ihrer Website rund 340 Betten. Es gibt Fachabteilungen unter anderem für Ästhetisch-Plastische Chirurgie, Neurologie, Orthopädie, Psychiatrie und Innere Medizin (Gastroenterologie und Kardiologie).
Von Weizsäckers Vater Richard von Weizsäcker war von 1981 bis 1984 Regierender Bürgermeister von Berlin und von 1984 bis 1994 Bundespräsident der Bundesrepublik. Er starb am 31. Januar 2015.


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dpa