In den vergangenen Wochen hat Mario Wegher im terraXcube im NOI Techpark in einem 3-wöchigen Experiment spezielle Klimaverhältnisse kreiert und Weinreben in einer 5-tägigen Hitzewelle Temperaturen von bis zu über 40 Grad Celsius ausgesetzt.<BR /><BR />„In der ersten Woche simulierten wir normale Bedingungen, in der zweiten Woche eine Hitzewelle um die 40 Grad und schließlich ein Gewitter mit Rückkehr auf Normaltemperatur“, berichtet Mario Wegher. <h3> Keine negativen Auswirkungen auf Beeren und Reife</h3>Die Frage: Was kann der Winzer tun, um die Hitzeschäden bei den Pflanzen einzudämmen? „In dieser Situation braucht die Pflanze Wasser. Wir möchten aber Wasser sparen.“<BR /><BR />Wie funktioniert das? Weniger Blätter, weniger Wasser. Das ist die wichtigste Schlussfolgerung aus dem Experiment. „Je mehr Blätter eine Weinrebe hat, desto größer ist die Oberfläche, die Wasser verdunsten kann“, sagt der Doktorand. Deshalb müsse man die Laubfläche reduzieren, um so Wasser zu sparen. Wegher entfernte die Blätter nicht auf der Höhe der Trauben, denn da würde man die Trauben verbrennen, weil sie keinen Schatten mehr haben. Wegher entblätterte sie an der Triebspitze, also den oberen Teil der Laubwand. So wird Laubfläche reduziert, die Trauben haben aber noch Schatten. <BR /><BR /><embed id="dtext86-61792072_quote" /><BR /><BR />„Wichtig ist hierbei das sogenannte Blatt-Frucht-Verhältnis, d. h. mindestens 7-10 Blätter pro Traube gewährleisten die Reife. Insgesamt habe ich 40 Prozent der Laubfläche entfernt. Dadurch konnte ich circa 20 Prozent Bewässerungswasser einsparen“, berichtet Mario Wegher. <BR /><BR />Die Ergebnisse seien natürlich mit Vorsicht zu interpretieren. „Wir haben das Experiment mit Topfreben gemacht. Die Bedingungen sind im Feld dann nochmal anders“, merkt er an. Die Entblätterung habe aber keine negativen Auswirkungen auf die Beeren und ihre Reife gehabt.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="953272_image" /></div> Das sich verändernde Klima wird also immer spürbarer. „Das letzte Jahr war extrem trocken, heuer gab es im Winter kaum Niederschlag. Dann folgte viel Regen. In Zukunft wird der Wechsel zwischen Trockenzeiten und starken Niederschlag weiter zunehmen“, ist Mario Wegher überzeugt. Das sei für die Pflanzen alles andere als gut.<BR /><BR /><embed id="dtext86-61792077_quote" /><BR /><BR /> „Wasser wird auch nicht immer unbegrenzt zur Verfügung stehen. Wie wird das in 10 oder 20 Jahren sein, wenn Gletscher immer mehr verschwinden?“, fragt Carlo Andreotti. Wasser müsse noch mehr gespart werden. Ein Weg dazu könnte die von Mario Wegher entwickelte Methode sein. <h3> Südfrankreich und Süditalien in Südtirol?</h3>Carlo Andreotti prophezeit auch, dass Weinreben in Zukunft in noch höheren Lagen angebaut werden. „Weinbauflächen werden sich verschieben und neue trockenresistente Sorten und Unterlagen werden sich durchsetzen. Es ist durchaus möglich, dass heute kühlere Lagen, morgen Sorten aus mediterraneren Gebieten beheimaten, etwa aus Südfrankreich oder Süditalien. Aber“, schließt der Professor, „man muss positiv bleiben“. <BR /><BR />Das mit Mitteln aus dem Gesamtstaatlichen Wiederaufbauplan (PNRR) finanzierte Forschungsprojekt hat eine Laufzeit von 3 Jahren und wird von der Universität Bozen in Zusammenarbeit mit der EURAC koordiniert.