Folgerichtig kamen am vergangenen Donnerstag im Naturmuseum Bozen viele aktuelle Brennpunkte der Weidetierhaltung zur Sprache, insbesondere die anschließende Diskussion unter Beteiligung des Publikum offenbarte mehrere „heiße Eisen“.<BR /><BR />Ein wichtiger Aspekt betraf den schwierigen Spagat zwischen Bewirtschaftung der Weiden und Almwiesen und dem damit einhergehenden Verlust der Biodiversität. Eine zu intensive Bewirtschaftung der Flächen führt laut dem Biologen Georg Niedrist genauso zum Artenverlust wie eine Verbuschung in zu steilen, also unrentablen Lagen. <BR /><BR />Eine mäßige Bewirtschaftung sei der Schlüssel für artenreiche Ökosysteme. In ihrer Präsentation gab die Sarner Bergbäuerin Petra Oberhollenzer ein paar Einblicke in das Leben auf dem kleinen, 1365 Meter hoch gelegenen Bauernhof Öberst mit 2 Kühen und 3 Ochsen. „Wir möchten unser Zuhause auch mit Menschen teilen, die keinen Zugang zur landwirtschaftlichen Lebenswelt haben und hier Sozialprojekte umsetzen“, zeigte sie auf.<BR /><BR /><b>Almut Schneider: „Almwirtschaft nicht kompatibel mit Milchwirtschaft“</b><BR /><BR />Sozialanthropologin Almut Schneider berichtete aus ihrer Feldforschung über Südtiroler Bergbauern, gab dabei auch einen Exkurs in die Almwirtschaft im Laufe der Jahrhunderte. Eine ihrer Schlussfolgerungen: „Die Almwirtschaft scheint mit der Milchwirtschaft nicht kompatibel zu sein, weil gerade im Sommer der Milchpreis am höchsten ist und deshalb die Milchkühe im Stall bleiben.“ <BR /><BR /><b>Regeneratives Weidemanagement als vielversprechender Weg</b><BR /><BR />Großes Interesse gab es für den Vortrag von Christine Bajohr, Trägerin des Bayerischen Klimapreises 2018. Zusammen mit ihrem Mann Martin hat sie den Kugelsüdhanghof im Oberallgäu im Laufe der Jahre auf ein völlig neues Fundament gestellt. Das regenerative Weidemanagement habe den Pflanzenbestand, die Bodengesundheit und das Tierwohl gleichermaßen im Blick, die Grauvieh-Herde werde als Partner in einem funktionierendem Grünland-Ökosystem betrachtet. <BR /><BR />Heute fühle man sich klimaresilient und für die künftigen Herausforderungen gewappnet. Ihr Konzept wird Bajohr ab Herbst 2025 im Projekt „GroundWork“ in mehreren europäischen Regionen vorantreiben. Ihr eingängiges Motto: Kuhzunft hat Zukunft.