Bergbau wird in Tirol schon seit Jahrtausenden betrieben. Eine erste Blütezeit gab es zur Römerzeit (um 200 v. Chr.), eine zweite, viel größere, im Mittelalter. Beispielsweise der älteste, bereits um 1140 urkundlich belegte Bergbau am Seeberg bei Villanders (Blei, Silber und Zink) und der wahrscheinlich ebenso alte Bergbau am Pfundererberg bei Klausen, wo man dem Berg noch zusätzlich Kupfer abrang. <BR /><BR />Oder die Schürfgebiete im gesamten Bereich der Nordkette auf den Gebieten der heute zu Innsbruck gehörenden Siedlungen Hötting, Grafenwardt (heute Gramart) und Kranebitten in der Eisenzeit um 1000 v. Chr (und später wieder für Kupfer, Blei, Zink und Silber im 15. und 16. Jahrhundert).<h3> Welt- und Europarekorde aus Tirol</h3>Tirol war im Mittelalter eines der wichtigsten Bergbaugebiete Europas. Tiroler Bergwerke sorgten zudem für nicht wenige Montanrekorde. 2 Abbaugebiete ragen dabei ganz besonders heraus. Das Revier am Schneeberg im Ridnauntal westlich von Sterzing und jenes bei Schwaz im Inntal. Der Schwazer Silberbergbau, oft auch als „Mutter aller Bergwerke“ bezeichnet, war Anfang des 16. Jahrhundert das größte Montangebiet in Europa. <BR /><BR />Das Bergwerk am Südtiroler Schneeberg zählte ebenfalls zu den größten Revieren Tirols - mit der größten Untertageanlage südlich des Brenners. Der Abbaubereich war auf dem Gebiet der Gemeinde Moos im Passeiertal konzentriert. Die Erzaufbereitungsanlage dagegen auf dem Gebiet der Gemeinde Maiern im Ridnauntal. Bei beiden Großrevieren in Nord- bzw. in Südtirol stand zusätzlich zu Kupfer vor allem der Abbau von Silber im Mittelpunkt, mit dem auch in der Tiroler Münze, zuerst in Meran, dann in Hall in Tirol, das Geld der damaligen Zeit (Guldiner, Taler und Heller) geprägt wurde.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="941371_image" /></div> <BR /><BR />Apropos Montanrekorde: Die Höhe des Grubengebäudes des Schneeberger Reviers erreichte Lagen von 2030 Meter (Karlstollen) bis 2530 Meter (Kaindlstollen). Das Bergbaugebiet zählte somit zu den höchstgelegenen Bergwerken Europas. In ähnlichen Sphären bewegte sich nur der Erzabbau im Platzertal auf 2815 Metern. Diese Minen bei Pfunds und Tösens im obersten Inntal waren übrigens auch die einzigen in Europa, die in der ersten Phase der Kleinen Eiszeit (1570 bis 1630) von einem vorrückenden Gletscher, dem Bergler Ferner, 1610 zerstört worden waren und dann für mehr als 250 Jahre schließen mussten.<BR /><BR />Der Beginn der Abbautätigkeiten am Schneeberg liegt bisher noch im Dunkeln. Die urkundlich erste Erwähnung des Reviers liegt aus dem Jahr 1237 vor. Es wurden jedoch sogenannte Kupferlöcher gefunden, die auf Bergbautätigkeit bereits in prähistorischer Zeit schließen lassen. Wohl kein Zufall, dass die Fundstelle von Gletschermann Ötzi, der Gegenstände aus Kupfer mit sich führte, nur etwa 25 Kilometer Luftlinie entfernt liegt. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="941374_image" /></div> <BR /><BR />Die größte Blüte erlebte der Schneeberg um das Jahr 1500, als beim Abbau Blei immer mehr in den Fokus geriet. Blei war aufgrund eines neuen Verfahrens bei der Verhüttung zur Trennung von Silber und Kupfer aus den Fahlerzen unentbehrlich geworden. Im Jahr 1871, man war mittlerweile zur Förderung von Zinkblende übergegangen, errichtete man die damals größte Übertage-Förderanlage der Welt auf Schienen, beginnend in einer Höhe von 2367 Metern und endend auf 962 Metern. Gesamtlänge fast 7 Kilometer. Das Erz wurde aus den tiefsten Gruben über 2 Aufzüge und anschließenden Pferdebahnen im Lazzacher- und Ridnauntal nach Sterzing an die gerade neu gebaute Brennerbahn transportiert. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="941377_image" /></div> <BR /><BR />Das Bergwerk wurde, so ausgestattet, noch weitere 100 Jahre bis 1985 betrieben. 1967 war aufgrund eines Großbrandes im Knappendorf St. Martin der Erzabbau im Passeier eingestellt worden, das Erzlager wurde in den letzten 18 Jahren seines Betriebs vom Ridnauntal aus angefahren.<BR /><BR />Kein Ende der Rekordflut: Während die Knappen in Schwaz aufgrund der Talnähe der Stollen im Inntal lebten, siedelten jene am Schneeberg aufgrund der Hochlage der dortigen Stollen am Berg. Es war dies die höchste, ganzjährig bewohnte Dauersiedlung Europas. Der Abbau des erzhaltigen Gesteins erfolgte über hunderte von Jahren aufwändig nur mit Schlägel und Eisenstangen. Erst ab dem Jahr 1680 wurde am Schneeberg Schwarzpulver für Sprengungen für einen schnelleren Stollenvortrieb eingesetzt. <BR /><BR />Die alten Zeiten nachvollziehen kann man heute übrigens direkt vor Ort. In den alten Anlagen in der Ortschaft Maiern wurde ein Teil des sehenswerten Südtiroler Bergbaumuseums eingerichtet.<h3> Schwaz dank Gossensaß und Schneeberg Nr.1</h3>Die Produktion von Silber und Kupfer in Schwaz wäre ohne Bleierze aus den Südtiroler Lagerstätten im Pflerschtal bei Gossensaß und am Schneeberg bei Sterzing, als Grundlage des zuvor geschilderten neuen Verhüttungsverfahrens, nicht zu Weltgeltung aufgestiegen. Im Mittelalter war das Schwazer Silberbergwerk immerhin das größte und ertragreichste Silberbergwerk der Welt. Anfang des 16. Jahrhunderts waren nicht weniger als 7.400 Knappen beschäftigt und es wurden 85 Prozent des weltweit geförderten Silbers in Schwaz abgebaut. <BR /><BR />Die Tiroler Gemeinde war Europas größte Bergbaumetropole und mit 20.000 Einwohnern nach Wien die zweitgrößte Stadt im Habsburger-Reich. Mitte des 16. Jahrhundert wurde Schwaz als weltweite Silbermetropole von Potosi im heutigen Bolivien (damals spanische Kolonie) abgelöst. Silber wurde in Schwaz noch bis 1957 geschürft. Heute ist die Stollenanlage ein Schaubergwerk.<BR />