Samstag, 01. Oktober 2016

Weltseniorentag: So lebt Südtirols ältere Generation

Sie sind gesellig, kulturell und politisch interessiert, reisefreudig und doch leben viele von ihnen am Existenzminimum: Anlässlich des Weltseniorentages hat das Landesamt für Statistik Astat erhoben, wie Südtirols Bewohner 65+ so leben.

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Foto: © shutterstock

Am 1. Oktober ist Weltseniorentag. An diesem Tag sollen die Herausforderungen im Alltag der älteren Menschen, aber auch ihre Leistungen und der Gewinn, den sie für das gesellschaftliche Zusammenleben darstellen, gewürdigt werden.

Doch wer zählt eigentlich zu den „älteren“ Menschen? Die Vereinten Nationen haben sich entschieden, den Schnitt bei mehr oder weniger 60 Jahren zu setzen. Ansonsten wird mit dem Zeitpunkt des „Älter Seins“ häufig die Grenze von 65 Jahren verbunden, jenem Alter, das normalerweise den Übergang ins Rentnerleben kennzeichnet.

Immer mehr ältere Menschen in Südtirol

Bereits seit Jahren gewinnt die Gruppe der über 64- Jährigen laut dem Landesamt für Statistik Astat immer mehr an Bedeutung. Die immer noch steigende Lebenserwartung (im Jahr 2014 beträgt sie in Südtirol 81,2 Jahre für die Männer und 85,5 Jahre für die Frauen) bedingt eine progressive Alterung der Gesellschaft.

In vier Jahrzehnten ist die Anzahl der älteren Menschen von rund 43.500 im Jahr 1975 auf 100.000 im Jahr 2015 angewachsen. Die Folgen dieser Entwicklung sind auf dem Arbeitsmarkt, in der Wirtschaft, im Gesundheits- und Rentensystem deutlich zu spüren.

Die Struktur der Bevölkerung gerät immer mehr aus dem Gleichgewicht: Während die über 64-Jährigen zahlenmäßig stark zulegen, nimmt die Gruppe der unter 15-Jährigen aufgrund stagnierender Geburtenraten im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung ab. Die Experten des Astat gehen davon aus, dass die Anzahl der älteren Menschen jedes Jahr weiter ansteigen wird.

Bis 70 Jahre leben viele noch in einem Haushalt

Ein erfülltes soziales Leben ist besonders im Alter von großer Bedeutung, um der Einsamkeit und Vereinsamung entgegen zu wirken und dem Menschen ein Gefühl der Zugehörigkeit und Wertschätzung zu vermitteln.

In Südtirol leben bis zum Alter von 70 Jahren fast alle Personen in einem Haushalt - entweder mit Angehörigen oder alleine. Erst danach beginnt der Anteil jener, welche in ein Alters- oder Pflegeheim umziehen, langsam anzusteigen. Von den über 90-Jährigen lebt nahezu jeder Fünfte in einer Gemeinschaftseinrichtung. Dieser Wert könnte aber etwas zu niedrig geschätzt sein, da der Wohnsitzwechsel vom Haushalt in ein Altersheim häufig erst verzögert durchgeführt wird.

Mit zunehmendem Alter steigt die Zahl der Personen, die alleine wohnen: Bereits jeder Fünfte der 65- bis 69-Jährigen lebt alleine, ab einem Alter von 90 mehr als jeder Zweite. Meist sind es die Frauen, die ihre Ehemänner überleben und alleine zurückbleiben: So sind 39,4 Prozent der Frauen in der Altersklasse 65+ verwitwet, aber nur 9,8 Prozent der gleichaltrigen Männer.

Immer mehr Senioren haben höhere Ausbildung

Zum Zeitpunkt der Volkszählung 2011 besaßen knapp 4 Prozent der über 64-Jährigen einen Hochschulabschluss, 9 Prozent einen Oberschulabschluss, 29 hatten die Mittelschule oder Berufsschule abgeschlossen und überwältigende 57,8 hatten höchstens die Grundschule.

Anhand der Daten aus den letzten drei Volkszählungen wird jedoch der stetige Anstieg des Bildungsgrades deutlich: Kamen 1991 noch drei Viertel aller Senioren nicht über den Grundschulabschluss hinaus, hat sich der Anteil der Oberschulabsolventen im Zeitraum 1991-2011 fast verdreifacht. Der Anteil an Akademikern unter den Senioren nahm in den letzten 20 Jahren allerdings nur langsam zu.

In den letzten Jahrzehnten haben vor allem die Frauen in puncto Bildung aufgeholt: Zum Zeitpunkt der Volkszählung 2011 besaßen zwar nur 2,2 Prozent  der über 64-jährigen Frauen einen universitären Abschluss (Männer: 6,6 Prozent), bei Miteinbeziehung der jüngeren Generationen aber haben die Frauen inzwischen die Männer sogar überholt.

In der Altersgruppe der über 25-Jährigen beträgt der Anteil der Universitätsabsolventen unter den Frauen 12 Prozent, unter den Männern 11,3 Prozent.

In Südtirol arbeitet jeder Zehnte auch noch mit 70

Laut Volkszählung 2011 steht knapp ein Drittel der 60- bis 64-Jährigen noch im Erwerbsleben. Mit zunehmendem Alter reduziert sich dieser Anteil kontinuierlich. Aber sogar noch jeder zehnte 70- bis 74-jährige Südtiroler geht einer Beschäftigung nach - italienweit sind es weit weniger (4,7 Prozent).

Zurückzuführen ist dies sowohl auf die traditionell starken Wirtschaftssektoren (Landwirtschaft und Tourismus) als auch auf die Struktur der Betriebe (häufig Familienbetriebe), die einen längeren Verbleib im Erwerbsleben begünstigen. 

Leben mit weniger als 20.000 Euro im Jahr

Die wirtschaftliche Situation von Haushalten mit Senioren ist um einiges schlechter als jene eines jüngeren Haushaltes: Das jährliche durchschnittliche Nettoeinkommen einer alleinlebenden, mindestens 65 Jahre alten Person beträgt laut der letzten Einkommensstudie 19.387 Euro. Zum Vergleich: Eine alleinlebende Person, die jünger als 65 ist, verfügt über 24.181 Euro im Jahr. Dasselbe gilt für Paare, wo eine Person älter als 64 Jahre alt ist.

16 Prozent aller Südtiroler Haushalte gelten als armutsgefährdet, das heißt sie haben ein Jahreseinkommen um die 11.880 Euro. Von diesen sind alleinlebende Personen über 64 Jahren am stärksten betroffen: 33,8 Prozent dieser Haushalte sind armutsgefährdet. Dies gilt laut Astat insbesondere für ältere Frauen, die aufgrund ihrer schlechteren Rentenversorgung mit weitaus geringeren Mitteln auskommen müssen.

Von den derzeitigen Rentenempfängern im Alter von 65 Jahren und mehr sind zwar 47,8 Prozent Männer und 52,2 Prozent Frauen, aber obwohl die Frauen in der Mehrzahl sind, erhalten sie doch nur 40,4 Prozent des (Alters-) Rentenvolumens. Häufig beziehen ältere Personen aber mehr als eine Rente, beispielsweise noch eine Hinterbliebenenrente. Dank dieser steigt das mediane Einkommen der Frauen, jenes der Männer bleibt hingegen unverändert, da die Männer seltener ihre Ehefrauen überleben. 

Reisefreudig, kulturell aktiv, sozial und politisch interessiert

Das Einkommen beeinflusst maßgeblich den Lebensstil und die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, wie beispielsweise das Reisen. Mehr als ein Drittelder über 64-Jährigen unternimmt zumindest ein Mal im Jahr eine Reise (mit wenigstens vier Übernachtungen). Erst ab 75 Jahren nimmt die Reiselust deutlich ab: rund 70 Prozent fahren dann überhaupt nicht mehr in den Urlaub.

Auch kulturell sind die Senioren noch sehr aktiv: Fast ein Drittel besucht mindestens einmal im Jahr eine Theatervorstellung, ein Museum, eine Musikveranstaltung oder ein klassisches Konzert. Ins Kino gehen hingegen nur noch 15 Prozent der 65- bis 74-Jährigen. Ab 75 Jahre lässt das kulturelle Interesse merklich nach. Lediglich beim Besuch der Heiligen Messe liegen die älteren Jahrgänge vorne: 55,6 Prozent der 75- Jährigen und Älteren gehen wöchentlich in die Kirche, von den 65- bis 74-Jährigen sind es 50,3 Prozent.

Freunde bleiben auch im Alter ein wichtiger Bestandteil des Lebens: Zwei Drittel der 65- bis 74-Jährigen treffen befreundete Personen mindestens ein Mal in der Woche, aber auch 57,3 Prozent der über 74-Jährigen geben noch wöchentliche Treffen mit Freunden an.

Der Großteil ist auch gesellschaftlich bzw. politisch interessiert: 86,3 Prozent der über 64-Jährigen liest mindestens ein Mal in der Woche eine Tageszeitung und 56,1 Prozent sprechen wöchentlich über Politik.

Immer mehr sind online

Die neuen Medien scheinen auch in der Gruppe der Senioren langsam angekommen zu sein: Jeder fünfte über 64-Jährige nutzt laut der Studie des Astat zumindest gelegentlich das Internet, hauptsächlich für die E-Mail-Kommunikation und das Telefonieren über Internet. 78,4 Prozent der über 64-Jährigen benutzen das Internet nie - der entsprechende Prozentsatz betrug im Jahr 2008 noch rund 92 Prozent.

Auch die Nutzung des PCs im Allgemeinen hat sich in dieser Altersgruppe deutlich erhöht: Waren es 2008 noch lediglich 10 Prozent der über 64-Jährigen, die zumindest gelegentlich den PC nutzten, so sind es nun schon fast ein Viertel. Das Handy oder Smartphone wird von drei Vierteln aller über 64-Jährigen manchmal oder regelmäßig benutzt, lediglich ein Viertel verwendet keines.

Jeder dritte ältere Mensch ist noch sportlich aktiv

Die Gesundheit spielt in jeder Lebensphase eine bedeutende Rolle, im Alter jedoch entscheidet sie über ein selbstbestimmtes Leben oder ein Leben in Abhängigkeit.

Rund 60 Prozent der über 64-Jährigen bezeichnen ihren Gesundheitszustand noch als gut oder sehr gut, erst ab 75 ist mehr als die Hälfte damit nicht mehr zufrieden. 59 Prozent der über 74-Jährigen leiden an einer chronischen Krankheit, was die Lebensqualität stark beeinträchtigen kann.

Eng verbunden mit dem Gesundheitszustand sind Ernährung und Sport: Etwas mehr als die Hälfte der über 64-Jährigen ist übergewichtig und nur etwa jeder Fünfte treibt regelmäßig Sport. Insgesamt ist aber etwa jeder dritte ältere Mensch zumindest ab und zu noch sportlich aktiv.

stol

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