Montag, 27. Januar 2020

Weltweite Angst vor Coronavirus wächst – Erster Toter in Peking

Angesichts der sprunghaft zunehmenden Krankheitsfälle in China wächst weltweit die Angst vor dem neuartigen Coronavirus. Nach den USA und Japan kündigten Frankreich und Großbritannien an, seine ausreisewilligen Staatsbürger aus Wuhan auszufliegen. Die Mongolei schloss ihre Grenze zu China, die Volksrepublik verlängerte die Neujahrs-Ferien um 3 Tage.

Schutzmasken sind allgegenwärtig.
Schutzmasken sind allgegenwärtig. - Foto: © APA (AFP) / ANTHONY WALLACE

Die chinesischen Behörden meldeten am Montag 2760 Erkrankte, 700 mehr als am Vortag. Zudem gab es 6000 Verdachtsfälle. In Chinas Hauptstadt Peking hat es am Montag einen ersten Toten durch das neue Coronavirus gegeben. Wie der staatliche Fernsehsender CCTV mitteilte, starb ein 50-jähriger Mann, der sich am 22. Jänner in der schwer betroffenen Stadt Wuhan mit dem Virus infiziert haben soll. Die Zahl der Toten stieg demnach auf 82.

Ein Forscherteam der Hongkonger Universität vermutet auf Grundlage mathematischer Modelle sogar mehr als 40.000 Infektionen. „Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass sich die bisher begrenzte Epidemie zu einer Pandemie ausweiten könnte“, warnte Teamleiter Gabriel Leung. Dafür seien rasche „drakonische“ Beschränkungen der „Mobilität“ der Menschen nötig.

Drastische Maßnahmen

Die chinesischen Behörden versuchen bereits, die Ausbreitung des Virus mit Hilfe drastischer Reisebeschränkungen zu stoppen. Neben der Millionenmetropole Wuhan, wo das Virus im Dezember seinen Ausgang genommen hatte, steht inzwischen praktisch die gesamte Provinz Hubei unter Quarantäne. Mehrere Großstädte, darunter Peking und Shanghai, setzten zudem den Verkehr von Überlandbussen aus.

Um eine Weitergabe des Virus am Arbeitsplatz zu verhindern, verlängerte die Zentralregierung in Peking die landesweiten Ferien zum chinesischen Neujahr bis Sonntag. Als erstes ranghohes Mitglied des Politbüros reiste Ministerpräsident Li Keqiang in die zentralchinesische Provinz Hubei und ihre Hauptstadt Wuhan.



Malaysia, das 4 Virus-Erkrankte hat, kündigte am Montag an, für Reisende aus Hubei vorläufig keine Visa mehr auszustellen. Aus Sorge, das Virus könnte auch die Mongolei erreichen, schloss die Regierung die knapp 4700 Kilometer lange Grenze zu China. Bis 2. März sollen darüber hinaus Schulen und Universitäten geschlossen bleiben, alle Massenveranstaltungen wie Konferenzen, Sportkämpfe und Konzerte sowie Reisen wurden untersagt.

Virus hat viele Länder erreicht

Das Virus hat inzwischen rund ein Dutzend weitere Länder erreicht, darunter die USA, die am Sonntag einen 5. Infektionsfall meldeten, Australien sowie - als erstes europäisches Land - Frankreich.

In Österreich wurden am Montag 3 neue Verdachtsfälle gemeldet, 2 in Wien und einer in Klagenfurt. 2 vorherige hatten sich nicht bestätigt. Viele der Erkrankten kamen aus Wuhan.

5 Millionen der 11 Millionen Einwohner dort haben laut Bürgermeister Zhou Xianwang zum Neujahr die Stadt verlassen.

WHO verzichtet auf internationalen Gesundheitsnotstand

Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, reiste unterdessen nach Peking, um mit Regierung und Experten über weitere Maßnahmen zu beraten. Nach einer Krisensitzung vergangene Woche hatte die WHO zunächst darauf verzichtet, den internationalen Gesundheitsnotstand auszurufen. Zur Begründung hieß es, dass es außerhalb Chinas „keine Hinweise“ auf eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung des Krankheitserregers gebe.



Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat eigene Angaben zum internationalen Gefährdungsniveau durch das neuartige Coronavirus korrigiert. Weltweit sei die Gefährdung „hoch“, erklärte die Organisation und korrigierte damit bisherige Angaben.
Zur Begründung sagte eine Sprecherin am Montag, es habe einen „Formulierungsfehler“ gegeben. Die WHO schätze das Risiko „sehr hoch in China, hoch in der Region und hoch auf weltweitem Niveau“ ein.

Die USA haben China nach Angaben von US-Präsident Donald Trump jede benötigte Hilfe im Kampf gegen den Virusausbruch angeboten. „Unsere Experten sind außergewöhnlich!“ schrieb Trump am Montag auf Twitter. Es gebe mit China sehr enge Kommunikation bezüglich des neuen Coronavirus.





apa/stol